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Forstorganisation

Privatwaldbetreuung: Niedersachsen setzt Maßstäbe

Buchenwald
Michael Degenhardt, Forstamtsleiter, LWK-Forstamt Südniedersachsen
am
20.12.2017

Bundesländer mit Einheitsforstverwaltungen stehen in der Schusslinie des Bundeskartellamts. Dagegen ist das niedersächsische Modell ein Musterschüler. Warum?

Bundesweit sind derzeit die Auswirkungen des Kartellverfahrens gegen Einheitsforstverwaltungen und die Beihilfebeschwerde bei der EU gegen das Land Nordrhein-Westfalen in der forstpolitischen Diskussion.

Die Organisation der Privatwaldbetreuung in Niedersachsen, bestehend aus Landwirtschaftskammer und Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen (FWZ) mit eigenen Vermarktungsorganisationen, gilt vielen als Vorbild.

Am Beispiel des Forstamts Südniedersachsen werden nachfolgend die Vorzüge erklärt. Das Forstamt Südniedersachsen ist folgendermaßen organisiert:

  • Das Forstamt ist mit 15 Bezirksförstereien für die Beratung von ca. 40.000 ha Privatwald im Eigentum von etwa 4.000 Waldbesitzern zuständig.
  • Knapp 2.663 Waldbesitzer mit rund 26.300 ha Eigentumsfläche sind Mitglieder in 18 Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen (FWZ).
  • Davon sind die Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) Northeim und Südhannover Dachorganisationen mit eigenständiger Holzvermarktung.
  • Die bereits im Jahr 2004 gegründete FBG Südhannover hat mittlerweile 13 FWZ als Mitglieder und umfasst eine Mitgliedsfläche von 18.200 ha. Diese gehört 1.800 Waldbesitzern.
  • Vorsitzender der FBG Südhannover ist Dr. Bernd von Garmissen, der im Solling einen eigenen Forstbetrieb führt.

Eigenständige Holzvermarktung in Südniedersachsen

    Mit der Organisation der eigenständigen Holzvermarktung ist seit fünf Jahren der professionelle Geschäftsführer Fabian von Plettenberg betraut. Er ist studierter Forstmann und Wirtschaftsingenieur und hat einige Jahre im Holzeinkauf beim „Forstbetrieb Bentheimer Holz“ gearbeitet.

    Von Plettenberg vermarktet jetzt rund 100.000 Fm Holz im Jahr aus den Mitgliedswäldern in ganz Südniedersachsen:

    • Dafür werden ca. 80 Verträge mit über 45 Kunden abgeschlossen.
    • Aufwändig ist vor allem die Vermarktung des Laubholzes, das mehr als 50.000 Fm der jährlich vermarkteten Holzmenge ausmacht.
    • Die FBG kauft das Holz von den Waldbesitzern und verkauft es an diverse Sägewerke und Holzhändler weiter. Der Vorteil dieses Eigenhandelsgeschäftes ist die Entlastung des Waldbesitzers vom Risiko des Untergangs des Holzes bzw. Insolvenz des Holzkäufers. Hierfür springt im Fall des Falles die FBG ein.

    Kooperation mit der LWK Niedersachsen

      Die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist folgendermaßen organisiert:

      • Durch einen gemeinsamen Kooperationsvertrag wird die forstliche Betreuung der Mitglieder sichergestellt. Sie umfasst alle üblichen forstlichen Dienstleistungen.
      • Speziell im Bereich Holzbereitstellung reicht die Zusammenarbeit von der Einschlagsplanung bis zur Organisation und Überwachung des Unternehmereinsatzes und dem Aufmaß sowie der Vorzeigung des Holzes.
      • Die kaufmännische Verantwortung trägt die FBG; die Akquise und Organisation der Bereitstellung des Holzes übernimmt die Landwirtschaftskammer.
      • Hierzu bedarf es natürlich einer intensiven Abstimmung zwischen Forstamt und Vermarktungsorganisation. Dies geschieht durch quartalsweise Mengenplanungen. In regelmäßigen Meetings werden Holzmarktinformationen und Vermarktungsstrategien besprochen. Anschließend melden die Bezirksförster-/innen die mit den Waldbesitzern abgestimmten geplanten Einschlagsmengen ans Forstamt.
      • Mit diesen Mengen „im Koffer“ führt von Plettenberg Holzverkaufsverhandlungen und ordnet die Mengen bestimmten Verträgen zu.

      Kaufmännische Verantwortung und Waldbesitzerberatung getrennt

        Das Forstamt koordiniert anschließend die Lieferung auf die Verträge. Die kaufmännische Abwicklung ist Sache der FBG Südhannover. „Zusammen mit drei Halbtagskräften erstellen wir jährlich ungefähr 1.200 Rechnungen an Holzkäufer und 6.600 Gutschriften für unsere Waldbesitzer“, erläutert Fabian von Plettenberg.

        In der organisatorischen Trennung von kaufmännischer Verantwortung und Waldbesitzerberatung sieht er durchaus Vorteile. Die beiden Systeme funktionieren zum Wohle des Waldbesitzers selbstregulierend:

        • Die FBG Südhannover erwartet einerseits eine optimale forstliche Dienstleistungserbringung durch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit entsprechender Holzmobilisierung.
        • Diese gelingt jedoch nur bei einer professionellen Holzvermarktung und bei marktgerechten Preisen.
        • Beide Organisationen sitzen also im selben Boot und dank guter vertrauensvoller Zusammenarbeit rudern sie in dieselbe Richtung.
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