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Forst

Die Qualität ist entscheidend

von , am
17.09.2013

Forstunternehmer müssen ab 2014 bestimmte Zertifikate und Gütesiegel besitzen, um in PEFC-zertifizierten Wäldern arbeiten zu dürfen. Wir haben wichtige Details für Sie zusammengefasst.

Bei einem Forwarder muss die Krananlage regelmäßig überprüft werden. Die Ergebnisse werden im Kranprüfbuch festgehalten. © Homm
Wie in der Landwirtschaft üblich und heute kaum mehr wegzudenken, haben auch in der Forstwirtschaft diverse Zertifikate und Gütesiegel Einzug gehalten. Hatte man seinerzeit lediglich Vorgaben durch die sogenannten "Mindestanforderungen bei der Holzernt", basierend auf dem EST-Regelwerk (Erweiterter Sortentarif), die besagten, wie ein Waldarbeiter seine Arbeit durchzuführen hatte, so gelten heute diverse Vorschriften. Lange vorbei sind die Zeiten, in denen der erfolgreiche Unternehmer bereits am kräftigen Händedruck erkannt wurde.

PEFC-konform

Im Laufe der letzten Jahre wurden immer mehr Vorgaben und Bestimmungen geschaffen, die heute als Standard gelten sollten. So hat auch die Zertifizierung im Privat- und Landeswald in Niedersachsen dazu beigetragen, dass die heute eingesetzten forstlichen Dienstleistungsunternehmen wichtige Parameter erfüllen, um ihre Arbeit anbieten zu können. Zunächst haben nur die Waldbesitzer über ihre forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse an einer Zertifizierung, wie der im niedersächsischen Privatwald üblichen PEFC-Zertifizierung, teilgenommen. Inzwischen gelten viele dieser Vorgaben auch bei der forstlichen Unternehmerschaft.


Heute muss ein Unternehmer bereits vor den eigentlichen Preisgesprächen einen Nachweis über gewisse Mindeststandards vorlegen. Dieses geschieht in der Regel dadurch, dass er sich durch ein von PEFC anerkanntes Zertifikat qualifiziert hat. Dieses wäre z.B. das "Deutsche Forst Service-Zertifikat" (DFSC), das "KFP-System" (Kompetente Forstpartner) oder das Siegel der "RAL Gütegemeinschaft Wald und Landschaftspflege e.V.". Hierbei überprüfen unabhängige Auditoren in jährlich wiederkehrenden Kontrollen die Einhaltung der Vorgaben und melden ggf. auftretende Verstöße. Die nicht unerheblichen Beiträge und Kosten sind selbstverständlich vom Unternehmen zu tragen.
Neben der geeigneten Technik, die möglichst durch den "Forsttechnischen Prüfungsausschuss" (FPA) des "Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e. V."(KWF) bestätigt wurde, sind eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine entsprechend lange Berufserfahrung Voraussetzung. Und auch hier werden immer neue Vertiefungsrichtungen und Ausbildungszweige geschaffen, wie z. B. die Weiterbildung von Forstwirten zum "Geprüften Forstmaschinenfahrer".

Gleiche Ausgangslage

Gemäß der PEFC-Standards für Deutschland und somit auch für viele im Betreuungsbereich der LWK Niedersachsen gelegenen Privatwälder werden die Vorgaben ab 2014 zu einem Muss. Mit Ausnahme der sog. "bäuerlichen Zuerwerbsbetriebe" sind künftig nur noch Dienstleistungs- und Lohnunternehmer und gewerbliche Selbstwerber einzusetzen, die ein von PEFC anerkanntes Zertifikat besitzen.

Gerade die Forstbranche unterliegt einem immensen Preisdruck durch immer wieder auftretende Überkapazitäten. Diese resultieren aus Zeiten mit hohem Holzeinschlag, teilweise aus sog. Zwangsnutzungen, wie zuletzt bei den Stürmen Wiebke (1990), Lothar (1999) und Kyrill (2007). Die Unternehmer sind aufgefordert, die Holzmengen zeitnah mit angepassten Maschinen aufzuarbeiten. Die hierbei beschafften Maschinen können in Jahren mit schwächeren Holzpreisen, wie im Zuge der Finanzkrise, für einige Unternehmen zu einer nicht mehr zu tragenden Belastung werden. In solchen Fällen war es einigen Anbietern von Dienstleistungen mitunter nicht mehr möglich, die teilweise bis dato freiwilligen Vorgaben zu erfüllen.

Durch geregelte Rahmenbedingungen bei der Zusammenarbeit zwischen der Unternehmerschaft und dem organisierten Waldbesitz werden auch die letzten Betriebe mit unangemessen bezahlten Mitarbeitern und Verursacher von fahrlässig in Kauf genommenen Umwelt- und Waldschäden hoffentlich endgültig der Vergangenheit angehören.

Fazit

Die vorgeschriebenen Standards sollten als Chance gesehen werden, da hierdurch für alle Forstdienstleister die "gleichen Spielregeln" ab 2014 gelten werden. Viele aus der Zertifizierung resultierende Vorgaben sind Forderungen aus der praktischen Forstwirtschaft, die sich im Laufe der Zeit zu Standards entwickelt haben. Letztendlich darf bei allen Vorgaben und Preisverhandlungen nur die Qualität der Arbeit entscheiden, da diese im Wald über Jahrzehnte sichtbar bleibt.
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