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Forst

Raupe Nimmersatt setzt Eichen zu

von , am
09.04.2013

Frostspanner und weitere Eichenschädlinge beeinträchtigen immer wieder die Holzqualität. Was Waldbauern dagegen tun können, erfahren Sie hier.

Wie stark ist die Eiche befallen? Das lässt sich mit Hilfe von Leimringen feststellen, an denen die im Herbst am Stamm empor kletternden Frostspannerweibchen hängenbleiben. © Delion

Die Eiche ist eine Baumart mit hohem Umtriebsalter und viel waldbaulichem Aufwand. Dass der sich trotzdem lohnt, zeigen die guten jährlichen Ergebnisse der Wertholzsubmissionen. Probleme bereiten allerdings die in den letzten Jahren verstärkt auftretenden Eichenfraßgesellschaften. Dazu hier die Vorgehensweise in der Bezirksförsterei Fallersleben:

Voraussetzungen für eine Bekämpfung

Die Ausgangsituation:

Zirka 22 ha 130-jährige Eichenbestände mit teilweise einzelstammweiser Beimischung von Buche auf gut versorgtem, staufrischem Standort.
Merkliche Kronenverlichtungen seit 2011 (50 % bzw. Totalausfall).
Kalamitätszwangsholznutzung in 2011 (ca. 160 Fm) und 2012 (ca. 150 Fm).
Die Holzernte wurde wegen der zum Teil staunassen Böden im September/Oktober abgeschlossen.

Die Aufgabenliste:

Grundlage Nummer eins ist die Schadensdokumentation zum Nachweis der existenziellen Gefährdung für den Betrieb. Die Anmeldung einer Waldschadensmeldung erfolgt bei der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, www.nw-fva.de, "Waldschutzportal", durch den Bezirksförster.

Vor Beginn weiterer Maßnahmen ist eine Ortsbesichtigung durch das zuständige Finanzamt notwendig. Sollen Fördermittel für Waldschutzmaßnahmen beantragt werden, so muss im Vorhinein zusätzlich ein Ortstermin zur Schadensfeststellung bzw. -bestätigung durch die entsprechende Behörde anberaumt werden.

Hinweise zum Steuerrecht bei Waldschäden:

Das Finanzamt führt eine Feststellung der Kalamitätszwangsholznutzung nach § 34 b EStG mit ihrem forstlichen Sachverständigen vor Ort in Bezug auf eine Steuerermäßigung durch. Es folgt dazu eine durch den Forstbetrieb zu stellende "Voranmeldung" (www.ofd.niedersachsen.de/Vordruck EStKa 1a). Inhalte: Schadfläche; Abt.; Holzart; Alter; Schadensursache; ca. Holzmenge. Die „Voranmeldung“ ist unverzüglich nach Schadenfeststellung und vor Beginn der Holzaufarbeitung einzureichen.

Nach Ende der Arbeiten wird sofort nach Aufnahme des Derbholzes eine "Abschlussmeldung" (www.ofd.niedersachsen.de/Vordruck EStKa 2a) abgegeben. Achtung: Die Holzmengen müssen im Nummernbuch als Kalamitätsholz erfasst bzw. ausgewiesen werden! Zusätzlich für alle weiteren Vorgänge sollte mit Hilfe der Forstbetriebskarte eine Befallskarte je Betrieb erstellt werden.

Laufende Bestandsüberwachung

Zur weiteren Überwachung und Vorbereitung werden an zehn den Bestand repräsentierenden Eichen Papierleimringe angebracht. Damit erbringen wir die "Feststellung zur Notwendigkeit einer Bekämpfung". Ziel ist es, die Weibchen des Kleinen und Großen Frostspanners, die ab Mitte Oktober aus dem Erdreich am Stamm entlang in die Eichenkrone zur Eiablage aufbaumen wollen, zu fangen. Der Zeitpunkt: ab Mitte Oktober bis Mitte Dezember (Stichtage der NW-FVA beachten!).
 
So werden Papierleimringe angewendet:
  • Bezugsquellen: www.grube.de oder www.fluegel-gmbh.de
  • 10 Probebäume/20 ha, durch Dauersprühfarbe mit lfd. Nummer markiert (Standort in Befallskarte); Zeitbedarf für 10 Bäume à 2 Mann: ca. 8 Std.
  • Brusthöhen-Umfang messen, Papierleimring zuschneiden, doppelt übereinander anbringen und mit Paketkordel straff fixieren. Die Leimringe von unten nach oben überlappen lassen.
  • Vorsicht beim aufklappen der Papierleimringe, weil diese dabei leicht einreißen können. Tipp: Rinde mit Hilfe eines Ederschälgerätaufsatzes vorsichtig glätten, damit Papierleimring am Stamm eng aufliegt. (Vermeidung von Unterkriechen der Weibchen).
  • Feststellung Restbelaubungsprozente je Baum.
  • Kontrolle bzw. Zählung der Weibchen an den Leimringen alle 14 Tage inkl. Säuberung. Kontrollbogen der NW-FVA verwenden und Ergebnismeldung im Waldschutzportal der NW-FVA zum Abschluss der Überwachung Mitte Dezember eintragen.

Nach Abschluss der "Überwachungsmaßnahme Leimring" werden die Daten aus dem Kontrollbogen im Waldschutzportal durch den Bezirksförster eingetragen und durch die NW-FVA ausgewertet, um dann ggf. eine Bekämpfungsmaßnahme einzuleiten. Dies geschieht dann in enger Zusammenarbeit mit den betreuenden Bezirksförstern vor Ort. Die genannten Maßnahmen sind auch in Bezug auf Anträge zur forstlichen Förderung Waldschutzmaßnahmen anzuwenden, stellen aber nicht automatisch eine Bewilligung dar.

Fazit

Wer einen Waldschaden bekämpfen möchte, muss ihn auch belegen können.

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