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Forst

Vom Reinbestand zum Dauerwald

von , am
29.01.2014

Die einzige in Deutschland natürlich vorkommende Fichtenart ist die Gemeine Fichte. Welche Faktoren der Fichte schaden und was ihr nützt, weiß Förster Dietrich Ostermeier aus Hameln.

Eine Fichtenverjüngung wächst im Schutz des Altholzschirmes heran. © Ostermeier

Fichten bilden eine eigene Pflanzengattung, die Picea, zu der weltweit diverse Baumarten gehören. Die hiesige Gemeine Fichte wird auch Rottanne genannt.
Dass die gemeine Fichte in heimischen Wäldern von allen Baumarten am häufigsten anzutreffen ist, verdankt sie großflächigen Anpflanzungen. Denn ihren Ursprung und ihre natürliche Verbreitung hat sie in den Mittel- und Hochgebirgen.

Standort und Gefährdung

Auf tiefgründigen, vorratsfrischen Böden vermag die Fichte weit und verzweigt zu wurzeln, jedoch bildet sie nie eine Pfahlwurzel aus. Bei Staunässe und Bodenverdichtung neigt sie zu einer "tellerförmigen" Wurzelbildung, die sehr instabil sein kann.

Fichten stellen hohe Ansprüche an die Wasserversorgung. In niederschlagsreichen Jahren erlangen sie den bestmöglichen Zuwachs und sind in der Lage, ihre Vitalität gegen Schadinsekten zu erhöhen. Trockenheit verringert den Harzfluss, führt zu Zuwachseinbußen und verminderter Resistenz gegen Schadinsekten. Mit ausreichender Wasserversorgung und  mittlerem Nährstoffangebot erzielen Fichten guten Zuwachs.

Große Gefährdungen für die Fichte stellen Windwurf, Borkenkäfer und Sonnenbrand dar. Oft reicht ein einzelner Schadfall im Reinbestand, um andere folgen zu lassen.

Ein weiterer Schadfaktor ist die "Rotfäule", die durch verschiedene Pilze ausgelöst werden kann. Das Ausbreiten der Pilze im Fichtenbestand wird durch die Besiedelung frischer Stöcke und anschließende Infektion benachbarter Bäume über Wurzelverwachsungen begünstigt. Auch Schälschäden durch Rotwild können nach anschließender Wundfäule zur Rotfäule führen.

Waldbauliches

Die Fichte ist frosthart und wird in der Regel kaum verbissen. Sie eignet sich sowohl als Folgebestockung auf größeren Freiflächen, als auch in kleinen Bestandeslücken. Als Baumart des Halbschattens lässt sich die Fichte in Altbeständen vorausverjüngen und kann somit den Folgebestand bilden, noch bevor der Altbestand vollständig genutzt wurde. Es ist ratsam, die Fichte stets in gruppenweiser oder kleinflächiger Mischung mit stabilem Laubholz zu begründen und zu bewirtschaften. Auf diese Weise lassen sich Schäden durch Windwurf und übermäßige Ausbreitung von Pilzen und Schadinsekten eindämmen.

Die waldbauliche Behandlung der Fichte zielt stets auf großkronige, stabile und gesunde Wertträger ab. Regelmäßige Durchforstungen zur Förderung der stabilsten und wertvollsten Individuen sind sehr wichtig, um im Alter von 80 bis 100 Jahren zielstarke Bäume nutzen zu können. Werden Fichtenbestände fortlaufend gepflegt, erreichen sie Zuwachsleistungen, die deutlich über denen von Laubholzbeständen liegen. Die Volumenleistung der Fichte liegt jedoch leicht unter der von schnellwüchsigen Nadelhölzern, wie beispielsweise der Douglasie.

Verwertung und Ökologie

Fichtenholz wird vor allem zu Bau- und Konstruktionsholz, Spanplatten, Zellstoff und Papier verarbeitet. Das rasche Wachstum und die für die holzverarbeitende Industrie positiven Eigenschaften machen die Fichte ökonomisch sehr interessant. Die immergrünen und zumeist dichten Fichtenwälder bieten Deckung und Nahrung für Schalenwild- und Vogelarten, wie z.B. Rot- und Schwarzwild, Sperber, Bussard und Schwarzspecht.

Fazit

Auf geeigneten Standorten und bei regelmäßiger, fachgerechter Pflege bietet die Fichte großes Potenzial für Wertschöpfung und nachhaltigen Waldbau.
Allerdings sollte bei der Begründung von Fichtenbeständen der Faktor "dauerhaft ausreichende Wasserversorgung" besondere Beachtung finden, da im Zuge der Klimaerwärmung vermehrt mit längeren Trockenperioden zu rechnen ist.
Bei Fragen zur waldbaulichen Behandlung und Entwicklung stabiler sowie ökologisch und ökonomisch wertvoller Fichtenbestände steht Ihnen Ihr betreuender Förster mit Rat und Tat zur Seite.
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