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Forst

Rosinen aus dem Kiefernwald gepickt

von , am
16.04.2013

In Kiefernbeständen gibt es mitunter Stämme von überdurchschnittlicher Qualität. Lesen Sie hier, wie die Bezirksförsterei Bergen im Forstamt Südostheide solche hochwertigen Exemplare gezielt vermarktet.

Sauber geschlagen und ordentlich gepoltert - auf diese Weise dem Kunden präsentierte, wertvolle Stämme haben beste Verkaufschancen. © Garbe

Gemessen am Gesamtholzeinschlag in unserem Forstamt ist die anfallende Menge von Kiefern-Wertholz mit weit unter 1% verschwindend gering. Aber es ist eine reizvolle Aufgabe besonders gute Stämme zu erkennen, diese zu einem Verkaufslos zu bündeln und damit zu einem höheren Verkaufserlös für den Waldbesitzer beizutragen.

Die Stärksten und Besten auswählen

Kiefern-Wertholz wächst in der Regel auf Standorten, die mäßig mit Nährstoffen versorgt sind. Ab 140 Jahren sollte im unteren Stammabschnittsbereich auf einer Länge von 4 bis 6,50 Meter die Stärkeklasse L 3b (Mittendurchmesser ohne Rinde: mind. 35 cm) erreicht sein - je stärker desto wertvoller. Diese Dimensionen werden auf schwachen Standorten selten erreicht. Dagegen scheidet Holz von nährstoffreichen und grundwasserbeeinflussten Standorten wegen zu breitem Jahrringaufbau und ungenügender Astreinigung in der Jugend meist aus.

Die Auswahl der Stämme erfolgt „auf dem Stock“, d.h. im stehenden Bestand. Nur so kann man den zukünftigen Wertholzblock richtig beurteilen. Er muss - von allen Seiten betrachtet - ast- und beulenfrei sein. Anhand der gleichmäßigen Borkenstruktur im unteren Stammbereich erkennt man den gleichmäßigen Wuchs des Holzes sowie eine frühe Astreinigung. Nach der Auswahl schlagen erfahrene Forstwirte das Holz manuell ein. Sie wissen, dass die Stämme beim Fällen nicht einreißen dürfen, denn das wäre eine starke Entwertung. Falls starke Stockfäule auftritt, müssen die Blöcke gesund geschnitten werden. Bei geringeren Fehlern am Stammfuß reicht häufig eine Längenvergütung. Diese Stämme werden im Waldbestand auf Länge geschnitten und aufgemessen.

Die Rückearbeit erfolgt durch einen Forwarder. Dabei darf das Holz nicht beschädigt oder verschmutzt werden. Auch die Rindenstruktur muss gut erhalten bleiben, um dem Holzkäufer eine bessere Beurteilung zu ermöglichen. Die Hölzer werden in guter Abfuhrlage dickörtig bündig in einem Reihenpolter auf Unterlagen abgelegt. Dabei sollte zwischen den Stämmen etwa 50 cm Freiraum gelassen werden, um die Stämme möglichst von allen Seiten beurteilen zu können.

So läuft der Freihandverkauf

In unserem konkreten Fall holte die Geschäftsführung der Forstbetriebsgemeinschaft für das Holz bereits auf dem Stock ein aus Verkäufersicht angemessenes Preisgebot ein. Am Holzpolter an der Waldstrasse wurden die Blöcke in die Güteklassen A und BHW (höherwertiges Holz der Güteklasse B) eingestuft und abgerechnet. Bei diesem sogenannten "Freihandverkauf" können Durchschnittspreise von deutlich über 120 €/Fm erzielt werden.

Der Verkauf dieses Holzes hätte auch über eine Submission - das ist ein schriftliches Meistgebotsverfahren - abgewickelt  werden können. Dazu ist allerdings der Arbeits- und Organisationsaufwand von Verkäuferseite um einiges höher. Zudem entstehen zusätzliche Kosten von etwa 28 €/Fm für den Transport zum Versteigerungsplatz, für Platzgebühren und Schneefegen.

Der erzielbare Verkaufspreis bei einer Submission ist vorab natürlich nicht bekannt. Er kann wesentlich höher sein, sodass die zusätzlichen Kosten leicht abgedeckt sind, oder, in ungünstigen Fällen, nach Abzug der getätigten besonderen Aufwendungen, auch unter dem Niveau des Freihandverkaufes liegen.

Fazit

Generell sollte wertvolles Holz auch einer höherwertigen Nutzung zugeführt werden. Bei Kiefernstammholz mit überdurchschnittlicher Qualität sollte man deshalb über eine gesonderte Vermarktung nachdenken. Auf diese Weise ist auch eine höhere Wertschöpfung zu erzielen. Vor der Einschlagsplanung ist eine intensive Marktbeobachtung erforderlich. Gibt es keine oder nur eine geringe Nachfrage nach Wertholz, so bleiben solche Hölzer im Wald stehen.

Über die Art der Verkaufsabwicklung - ob Freihandverkauf oder Submission - muss im Oktober entschieden werden. Es sind dabei vorgegebene Termine einzuhalten. Auch der Freihandverkauf sollte spätestens Ende Januar abgeschlossen sein.
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