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Forst

Rüsselkäfer - eine Geißel im Nadelholz

von , am
12.03.2013

Der größte Schädling in unseren Nadelholzkulturen ist der Große Braune Rüsselkäfer (Hylobius abietis). Wichtig ist es, den Schadbeginn des Käfers zu erkennen. Lesen Sie hier wichtige Tipps.

Der Große Braune Rüsselkäfer macht seinem Namen Ehre. Er kann bis zu 1,4 Zentimeter lang werden. © Henning

Der Rüsselkäfer braucht zur Eiablage frische Nadelholzstubben, bevorzugt Fichten- und Kieferstubben. Je wärmer und windstiller die Fläche ist, desto wohler fühlt sich der Käfer. Die Larven leben im Bastbereich der Stubben und Wurzelanläufe, bis sie nach ein bis zwei Jahren als fertig ausgebildete Käfer den Brutbereich verlassen.

Als Jungkäfer stürzen sie sich dann auf die jungen Nadelholzpflanzen. Sie nagen die Rinde vom Wurzelhals der Pflanze aufwärts bis in den Terminaltrieb schartenweise ab. Die Pflanze kann nicht mehr ausreichend versorgt werden und stirbt ab.

Die Zeit der Fraß- und Eiablage erstreckt sich von März bis September über die gesamte Vegetationsperiode. In dieser Zeit gilt es, alle 14 Tage die frischen Kulturen auf Schadfraß zu überprüfen.

Den Schaden erkennen

Der Schaden ist relativ leicht zu erkennen. Es leuchten die frisch in die Rinde hinein gefressenen "Fenster", die Triebe werden schlaff und hängen insbesondere bei der Douglasie (Dgl) herunter. Ist der Schaden etwas älter, so verfärben sich die Nadeln meist kupferrot und leuchten schon von weitem.

Befallen werden im Grunde alle gepflanzten Nadelbaumarten. Am stärksten trifft es die Fichte in Reinkulturen. In Mischkulturen wird die Douglasie, Lärche und Kiefer befallen. Saaten und Naturverjüngungen bleiben in der Regel verschont.

Mögliche Maßnahmen

Der Rüsselkäfer kann sowohl waldbaulich als auch chemisch bekämpft werden. Dabei sind das Pflanzenschutzmittelgesetz sowie gegebenenfalls die Richtlinien der Zertifizierungssysteme PEFC und FSC zu beachten. Für die waldbauliche Bekämpfung müssen zwischen der Durchführung des Vorbereitungshiebes und der Anlage der Kulturen mindestens zwei, besser drei Jahre vergehen (Schlagruhe), damit die jungen Käfer nach dem Schlüpfen keine Nahrungsgrundlage vorfinden. In der Folge bricht die Population sehr schnell wieder zusammen. Bei einer Pflanzung nach der Schlagruhe fallen die Verluste durch Fraß eher gering aus und sind verkraftbar.

Diese Methode ist allerdings nur für Standorte geeignet, auf denen sich die natürliche Begleitvegetation im Zeitraum der Schlagruhe nicht zu üppig entwickelt. Sonst muss diese zum angestrebten Zeitpunkt der Pflanzung wiederum bekämpft werden. Auf besser nährstoffversorgten, grundwassernahen Standorten scheidet dieses waldbauliche Konzept deshalb aus.

Direkte Bekämpfung

Bei der chemischen Bekämpfung unterscheidet man grundsätzlich zwischen der "Vorabbehandlung" und der "direkten Behandlung". Die Vorabbehandlung geschieht heute häufig bereits in der Baumschule. Dort werden die Nadelholzgebinde in eine Spritzbrühe getaucht. So behandelt werden sie dann gepflanzt. Bei Befall soll das Insektizid die Käfer abwehren.

Die Praxis hat allerdings gezeigt, dass die Wirkung eher gering ist. Das mag an dem einzigen dafür zugelassen Insektizid liegen, dessen Wirkung bei höheren Temperaturen deutlich nachlässt. Oder auch daran, dass die Brühe sich in dem Bund (meist 25 Stück) nicht ausreichend gleichmäßig verteilt.

Deutlich bessere Erfahrung sind mit der Direktbehandlung der einzelnen Nadelholzpflanze gemacht worden, die bei Befallsbeginn mit der Rückenspritze erfolgt. Die Vorteile: Der Mittelaufwand ist deutlich geringer, es bleibt kaum Restbrühe und es wird nicht nur der Pflanzentrieb, sondern auch der unmittelbare Umkreis des Wurzelhalses mit behandelt. Dadurch wird auch der heranlaufende Käfer getroffen. Für diese Methode sind verschiedene Insektizide zugelassen. Welches das wirkungsvollste und zugelassene Mittel ist, weiß der Bezirksförster vor Ort.
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