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Forst

Rundumschutz für den Nachwuchs

von , am
24.07.2013

Laubhölzer und seltene Baumarten müssen in vielen Revieren vor Wildverbiss und Fegeschäden geschützt werden. Für kleinere Flächen hat sich der Einzelschutz mit Kunststoffhüllen bewährt.

Im Schutz der Wuchsschutzhüllen kann sich das in die Kultur eingebrachte Laubholz unbehelligt vom Wild entwickeln. © Döscher
Der Einzelschutz kann bei kleinen Flächen, geringen Pflanzenzahlen oder Initialpflanzungen zum Einsatz kommen. Zum Schutz gegen Verbiss gibt es unterschiedliche chemische Präparate, die jährlich mittels Spritze oder Pinsel ausgebracht werden müssen, bis das Bäumchen aus dem Äser des Wildes gewachsen ist. Verbissschutzmanschetten aus Kunststoff müssen ebenfalls jährlich unterhalb der Terminalknospe umgesetzt werden. Fegeschutz bieten Draht- oder Plastikspiralen sowie Netzgeflechte, die um die Stämmchen gelegt werden. Als wirksamer und relativ günstiger Fegeschutz haben sich Bambusstäbe (Tonkingstäbe) bewährt, die einfach neben die Forstpflanzen gesteckt werden.

Praktischer Einzelschutz

Da die oben genannten Verfahren sehr arbeitsintensiv sind und nicht immer den gewünschten Zweck erfüllen, wurden im Frühjahr in der Bezirksförsterei Hesterberg erstmals sogenannte Wuchs- beziehungsweise Schutzhüllen der Marke TUBEX eingesetzt.

Die Wuchshüllen bestehen aus UV-beständigem Polyproylen. Die Lebensdauer soll fünf bis sieben Jahre betragen. Die Hüllen sind 180 cm hoch und haben einen Durchmesser von 80 bis 120 mm. Auf der Oberseite befindet sich eine abgerundete Lippe, die Beschädigungen an Stamm und Trieben verhindern soll. Am unteren Ende ist die Hülle mit Löchern versehen, die ein optimales Klima ("Gewächshaus") für die Pflanze erzeugen sollen. Eine Längssollbruchstelle ermöglicht das Aufbrechen der Hülle bei fortgeschrittenem Dickenwachstum.  Kabelbinder zur Befestigung an einen Pfahl sind bereits angebracht. Kosten der Wuchshülle: 2,60 €/Stück. Als Stütze wurden Robinienstäbe (Akazie) 2.200 x 25 x 25 mm verwendet, Kosten:
0,90 €/Stück.

Das ideale Verfahren

Das Aufstellen der Hüllen stellte eine logistische Herausforderung dar, die aber schnell zu folgendem Bestverfahren führte: Zuerst die Wuchshüllen an geeigneten Plätzen auf der Fläche verteilen. Dann erhält jede Wuchshülle einen Robinienstab. Danach erfolgt die Pflanzung; wichtig ist, dass die Bäumchen gerade stehen. Anschließend den Robinienpfahl ca. 4 bis 6 cm neben der Pflanze einschlagen. Die Wuchshülle über die Pflanze stülpen und mit den Kabelbindern am Stützpfahl fixieren. Um Mäuseschäden zu verhindern, ist es sehr wichtig, dass die Hülle strammen Bodenkontakt hat. Pflanzung und Aufstellen der Wuchshüllen kostete 1,65 € je Pflanze.

Neben dem guten Verbiss- und Fegeschutz bieten die Hüllen auch Schutz gegen Konkurrenzflora wie Adlerfarn oder Brombeere, zudem sind die Pflanzen bei durchzuführenden Kulturarbeiten gut aufzufinden. Es wurden ausschließlich einjährige Pflanzen in den Größen 30 bis 50 cm gepflanzt (Eichen, Buchen, Birken, Erlen).  Die Pflanzen sind günstiger als mehrjährige, erhielten keinen Wurzelschnitt und wachsen erfahrungsgemäß besser an.

Fazit

Der Anwuchs ist ausgezeichnet. Bisher sind keine nennenswerten Ausfälle zu verzeichnen. Die Pflanzen machen einen vitalen Eindruck. Die vergleichbaren Zaunbaukosten hätten über denen der Wuchshüllen gelegen. Schön ist etwas anderes, aber auch ein Zaun ist nicht sehr ästhetisch. Beide müssen unbedingt abgebaut und entsorgt werden, nachdem die Kultur gesichert ist und sie ihren Zweck erfüllt haben.
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