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Forst

Ein seltener Bewohner des Waldes

von , am
29.01.2013

Spaziergänger haben die monotonen Pfeiflaute des Sperlingkauzes vielleicht schon oft gehört, ihn aber trotzdem nicht zu sehen bekommen. Der Sperlingskauz hält sich gut getarnt in hohen Baumkronen auf. Förster Tobias Gebers schildert uns seine Lebensweise.

Der kleine Sperlingskauz ist in strukturreichen älteren Nadel- und Mischwäldern zu Haus. Am häufigsten kommt er in der Lüneburger Heide vor. © movit GmbH, Hardegsen

Der Sperlingskauz (Glaucidium passerinum) ist die kleinste europäische Eulenart. Die Größe der Männchen liegt bei 16 bis 17 cm, die der Weibchen zwischen 18 und 19 cm. Das durchschnittliche Gewicht liegt zwischen 59 und 69 g.

In strukturreichen Wäldern zuhause

Die Kauzart wurde erst vor wenigen Jahrzehnten in vielen Teilbereichen Deutschlands kartiert. Ursprünglich ging man davon aus, dass sich das Verbreitungsgebiet nur auf die Region der Alpen und einige höhere Mittelgebirge in Deutschland beschränkt. Seit den 80er und 90er Jahren wurde das Vorkommen dieser seltenen Eulenart auch in Niedersachsen dokumentiert.

Heute weist Niedersachsen einen Bestand von rund 200 Brutpaaren auf, wobei drei Hauptvorkommen (Region: Solling, Harz und Lüneburger Heide) genannt werden.

Das größte Vorkommen gibt es in der Lüneburger Heide. Hier wird der Bestand auf ca. 100 bis 120 Brutpaare geschätzt. Die durchschnittliche Anzahl der Reviere wird mit 0,3 bis 0,7 pro 10 km² angegeben. In der Heide liegt dieser Wert sehr viel höher. Dort sind 1,1 bis 1,3 Reviere/10 km² vorhanden. Die Reviergröße eines Sperlingskauzes kann zusätzlich im Jahresverlauf Schwankungen unterliegen. So ist das Revier zur Brutzeit relativ klein (0,45 bis 0,54 km²). Nach dem Ausfliegen der Jungen erweitert sich das Revier auf 2 bis 4 km², die dann zum jagen genutzt werden.

Der Sperlingskauz besiedelt den boreal-rauen Klimabereich, mit charakteristisch kühler Witterung und teilweise lang anhaltenden Schneelagen. Er ist ein reiner Waldbewohner, der nur selten in Siedlungsgebieten auftaucht. Der Lebensraum besteht vorrangig aus geschlossenen und älteren (80 bis 250 jährigen) Nadel- und Mischwäldern mit horizontalen und vertikalen Strukturen. Monotone gleichaltrige Bestände, wie dichte Jungwälder werden nur wenig aufgesucht. „Leitholzarten“ für Sperlingskauzreviere sind besonders die Nadelholzarten wie Fichte, Kiefer und Lärche. Hier benötigt
die Eule ein ausreichendes Höhlenangebot in dem Bestand, denn der Sperlingskauz brütet in alten Buntspechthöhlen und nutzt diese zusätzlich als Nahrungsdepot.
Die Nahrung besteht vorrangig aus Wühl-, Erd-, Rötel-, und Waldspitzmäusen. Im Winter jagt er zusätzlich Kleinvögel wie Finken- und Meisenarten.

Balzzeit imFrühjahr und Herbst

Die Balz findet im Frühjahr statt, zwischen den Monaten Februar und April. Die eigentliche Balz dauert zwei bis drei Wochen, ist aber je nach Witterung variabel. Eine weitere Aktivitätsphase liegt im Herbst: die sogenannte Herbstbalz (September und Oktober). Bei Spaziergängen früh morgens oder in der Abenddämmerung lässt sich die Eulenart gut durch ihr monotones Pfeifen erkennen und anlocken. In dieser Zeit findet die Revierabgrenzung statt.

Der Sperlingskauzart lebt in einer monogamen Saisonehe. Die Eiablage ist Mitte April bis Anfang Mai. Die Bebrütung verläuft eulenuntypisch: das Weibchen beginnt damit erst nach Ablage des letzten Eies. Das Gelege besteht meistens aus fünf bis sieben Eiern. Nach der Aufzuchtsphase werden die flügge gewordenen Jungen noch etwa vier Wochen von den Altvögeln geführt und am Anfang der Herbstbalz aus dem Revier vertrieben. Die Sterblichkeitsrate der Jungkäuze, in der Führungszeit (vor dem Ausfliegen bis zur Familienauflösung) ist sehr hoch. Nur wenige erreichen den Herbst. In freier Natur erreichen die Eulen ein Höchstalter von vier bis sechs Jahren.
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