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Forst

Die Sommergrüne mit dem harten Holz

von , am
25.04.2014

Die Lärche ist ein Pionierbaum und ein Sonderling unter den Nadelbäumen. Was die Art so hervorhebt und wie sich die Menschen ihre Eigenheiten zunutze machen, berichtet Bezirksförster Siegbert Schlangen vom Hümmling.

Die Lärche ist ein Pionierbaum und ein Sonderling unter den Nadelbäumen. © landpixel/Hapo
Nach dem Zweiten Weltkrieg sind im Landkreis Emsland, gefördert durch die Emsland GmbH, großflächige Erstaufforstungen durchgeführt worden. Pionierbaumart der fünfziger Jahre war die Kiefer. Sie wurde in den sechziger Jahren auf den etwas nährstoffreicheren Standorten der Bezirksförsterei Hümmling-Nord von der Europäischen und Japanischen Lärche abgelöst.

Immergrün und standfest

Auf dem Hümmling pflanzte man überwiegend die Japanlärche, da die Europäische Lärche aufgrund des ozeanischen Klimas zu Lärchenkrebs neigte. Die Lärchen gehören zur Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) und bilden eine eigene Pflanzengattung (Larix).
 
Unter den Nadelbaumarten stellen sie eine Besonderheit dar, denn im Spätherbst werfen Lärchen ihre Nadeln ab. Die Lärchenarten sind einhäusig getrenntgeschlechtig, das heißt es kommen männliche und weibliche Blüten an einem Baum vor und tragen (im Freistand) nach etwa 15 bis 20 Jahren erstmals Samen.Als ausgesprochene Licht- und Pionierbaumart vertragen die Lärchen keinen Schatten. Man findet sie aber auch in geschädigten, aufgerissenen Kiefer-Altholzbeständen. Für alle Lärchenarten ist das Herzwurzelsystem typisch, das Flach- und Tiefwurzelformen miteinander kombiniert und den Bäumen somit eine hohe Standfestigkeit gegen Windwurf verleiht. Die Nährstoffansprüche der winterharten Lärchen sind gering bis mittel; auf sehr nährstoffarmen Sanden kommen sie jedoch nicht vor. Die Wasseransprüche sind ebenfalls nicht hoch (mäßig frisch bis frisch).
 
Reicht die Wasserversorgung jedoch nicht aus, so werden die Lärchen von der Lärchenminiermotte und dem Lärchenborkenkäfer befallen. Die Lärchenstreu ist sehr sauer und damit schwer zu zersetzen. Das hat zur Folge, dass sich unter den Lärchen kaum Bodenvegetation entwickelt. Auf dem Hümmling findet man dort die Spätblühende Traubenkirsche.

Häufig kommt es zu Verwechslungen der Europäischen und der Japanischen Lärche. Während die Japanlärche eine weit ausladende Krone mit geraden Ästen und rötlichen Jahrestrieben besitzt, sind die Triebe der Europäischen Lärche gelblich und die Äste am Ende nach oben gebogen. Die Zapfenschuppen bei der Japanischen Lärche sind aufgerollt; bei der Europäischen sind sie eng anliegend.

Festes, elastisches Holz

Das Hiebsalter der Lärchen beträgt 120 bis 140 Jahre. In dieser Zeit bilden sie auf geeigneten Standorten einen geraden und vollholzigen Stamm aus; neigen jedoch bei nicht ganz optimalen Bedingungen zu Säbelwuchs, Krummschaftigkeit und Abholzigkeit. Die Lärchen gehören zu den Kernholzarten (gelblicher Splint und rötlicher Kern), wie auch die Douglasie und die Kiefer. Der Splint ist in der Regel rund 2 cm stark.

Das Holz der Lärchen ist aufgrund des großen Spätholzanteils sehr schwer und hart. Das hat zur Folge, dass es Verwendung findet als Bauholz (Konstruktionsholz), im Innenbereich (Treppen, Wandverkleidungen), im Außenbereich (Fenster, Fassadenverkleidungen) und im Möbelbau (Furnier). Bedingt durch die hohe Festigkeit und Elastizität sind Einsatzbereiche  im Erd- und  Wasserbau (Pfähle) möglich.

Wenig bekannt ist die Lärche jedoch als Heilmittel. Dem Lärchenterpentin - ein ätherisches Öl aus dem Harz der Lärche - wird nachgesagt, dass es durchblutungsfördernd, harntreibend und schleimlösend wirkt.

Ausblick

Eine Hauptaufgabe der Bezirksförsterei Hümmling-Nord wird es in den nächsten Jahren sein, die Japanlärchenbestände am Rande der Standortsamplitude (wo Trockenschäden durch Wassermangel auftreten) bzw. durch Borkenkäfer,  Windwurf und -bruch geschädigte Bestände mit Baumarten wie Douglasie, Küstentanne und Rotbuche zu unterpflanzen.
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