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Forst

Strobe sorgt für Weihnachtsstimmung

von , am
15.10.2013

Schmuckgrün für weihnachtliche Basteleien und Dekorationen ist bald wieder gefragt. Die Bezirksförsterei Meinersen in der Südostheide verkauft das Grün der Weymouthkiefer.

Handarbeit, die sich lohnt: Schmuckgrün wird je nach Kundenwunsch geschnitten und gebündelt. © Schild
Für größere Forstbetriebe kann es sinnvoll sein, neben dem Kerngeschäft auch wirtschaftliche Nebennutzungen zu betreiben. Eine Möglichkeit ist die Produktion und der Absatz von Schmuckgrün. Dafür gibt es einen festen, allerdings nicht sehr großen Markt. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die nachhaltige Belieferung von Stammkunden (Großhandel und größere Gärtnereien). Das gilt auch für das Schmuckgrün der Strobe, als Weymouth- bzw. Seidenkiefer bekannt, die heutzutage weniger als Grababdeckung, sondern zumeist für Gestecke und Handsträuße in der Vorweihnachtszeit genutzt wird.

Genügsame Amerikanerin

Für die Anlage von Schmuckgrünplantagen kommen als Baumarten zurzeit hauptsächlich Nordmanntanne, Edeltanne (Abies procera/nobilis) und vor allem die Strobe (Pinus strobus) in Frage. Die Strobe stammt ursprünglich aus dem östlichen Nordamerika und ist dort von den Appalachen bis Neufundland zu finden. Sie ist von den Standortansprüchen recht genügsam, gedeiht bei uns aber auf anlehmigen bzw. anmoorigen Standorten mit etwas größerer Bodenfrische am besten. In der Vergangenheit wurden deshalb oft Grünland- oder Ackerstandorte für die Anlage von Plantagen ausgewählt. Es besteht auch die Möglichkeit, anmoorige Teilbereiche oder Feinerschließungslinien von Forstkulturen für den Strobenanbau zu nutzen. Wird die Bewirtschaftung  von Grünlandstandorten erwogen, so sind unbedingt die naturschutzrechtlichen Auflagen zu beachten.

Um das Wachstum der Strobe zu fördern, kann je nach Standort ein Vollumbruch und/oder eine Kalkgabe sinnvoll sein. Auf einen Schutzzaun sollte nicht verzichtet werden. Bei der Pflanzung ist je nach Größe der Plantage ein Erschließungssystem anzulegen, damit bei der Ernte die Laufwege nicht zu lang sind und die Bunde problemlos verladen werden können. Der Reihenabstand beträgt 1,5 bis 2 m. In der Reihe werden die vorzugsweise dreijährig verschulten Strobenpflanzen auf 1 m Abstand gesetzt. Im zweiten Standjahr ist eine Volldüngergabe von 30 bis 50 Gramm/Pflanze für die Kräftigung der Bäumchen sinnvoll.
Nach fünf Jahren nutzen

Bei der raschwüchsigen Weymouthkiefer ist die erste Nutzung meist schon im fünften Standjahr ab Ende Oktober möglich. Dabei werden die Zweige mit Handscheren auf die von den Kunden gewünschten Längen geschnitten und zu Bunden von fünf- oder sechs Kilogramm geschnürt. Am stehenden Stamm sollten mindestens drei Quirle verbleiben, um das weitere Wachstum zu gewährleisten. Alle zwei bis drei Jahre kann die Ernte wiederholt werden. Wartet man länger, ist die Qualität der unteren Quirle wegen Lichtmangels ungenügend. Werden die Bäume zu hoch, wird von der Leiter aus geschnitten. Da nur Top-Qualität zu vermarkten ist, muss bei fahlstichigen Nadeln (mehr gelblich als blaugrün) im August vor der Ernte mit magnesiumhaltigem Dünger gespritzt werden.

Wie bei Stroben in Waldbeständen, gibt es auch in Schnittgrünplantagen Probleme mit dem Strobenblasenrost (Pilzschädling), der bereits von der Jugend an zu hohen Ausfällen führen kann. Auch bei pilzfreiem Pflanzgut und weitem Abstand von den als Zwischenwirt dienenden Ribesarten kann der Ausfall beträchtlich sein und die Nutzungsdauer der Plantage begrenzen. Meist lässt sich jedoch beim Abtrieb der Plantage noch einmal reichlich vermarktbares Schnittgrün und zusätzlich Industrie- und Palettenholz gewinnen.
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