Login
Südniedersachsen

Sturmschäden nach Friederike: Ministerin Otte-Kinast kündigt Hilfen an

Otte-Kinast-Sturmschaeden-Friederike-Sturmholz
Niedersachsens Forstministerin beim Besuch der Landesforsten in Dassel. © Niedersächsisches Forstministerium
Heidrun Mitze, LAND & Forst ,
am
06.02.2018

Niedersachsen hat das Sturmtief Friederike besonders stark getroffen. Forstministerin Barbara Otte-Kinast besuchte das Katastrophengebiet und kündigte Hilfe an.

Sturm Friederike hat Niedersachsens Waldbesitzer am stärksten in Deutschland getroffen. Forstministerin Barbara Otte-Kinast reiste jetzt nach Südniedersachsen, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.

„Das ist eine Katastrophe. Hier liegen Lebenswerke von Waldbesitzer-Generationen platt“, sagte sie. Emotional sei das schwer für die Waldbesitzer zu verkraften, schilderte Michael Degenhardt, Leiter des LWK-Forstamtes Südniedersachsen, der am härtesten betroffenen Region. „Da ist manche Träne geflossen“. Einige Forstbetriebsgemeinschaften seien völlig „baumlos“.

In Südniedersachsen bewirtschafteten viele Besitzer Kleinstbestände von weniger als 2,5 ha, erklärte Norbert Leben, Präsident des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen, beim Ortstermin. Bei der Aufarbeitung und Vermarktung des Holzes sieht er Förster, Landwirtschaftskammer, Forstbetriebsgemeinschaften und Holzvermarkter in einem Boot.

Otte-Kinast: Waldbesitzer bleiben nicht alleine

Ministerin Otte-Kinast kündigte an, sie werde sich um den Schulterschluss in der Landesregierung und mit der Politik bemühen. „Wir lassen unsere Waldbesitzer nicht alleine.“ Diese Maßnahmen seien bereits angelaufen:

  • Für die aus Holzverkäufen erhöhten Einnahmen gilt bereits ein verminderter Steuersatz.
  • Die zulässige Tonnage der Rundholz-Lastwagen wird befristet auf 44 Tonnen erhöht.
  • Die Wiederaufforstung und die Instandsetzung der Waldwege wird gefördert.

Damit wäre zumindest ein Teil der Forderungen erfüllt, die der Waldbesitzerverband nach dem Sturmereignis an die Landesregierung gestellt hatte (s. LAND & Forst Ausgabe 05/17).

Merker: Vermarktungsmöglichkeiten positiv

Den Niedersächsischen Landesforsten kam ein Katastrophenplan zugute, der nach ‚Kyrill‘ erstellt worden sei, erläuterte Präsident Dr. Klaus Merker. Man habe schnell Arbeitskräfte und Harvester in den verwüsteten Gebieten zusammengezogen.

Die Vermarktungsmöglichkeiten sieht Dr. Merker positiv. Nur die Logistik per Lastwagen und Bahn sei ein Nadelöhr.

„Friederike“: Förster bilanzieren die Folgen des Wintersturms

Nach dem Sturmereignis vom 18. Januar war die Lage in den Wäldern Niedersachsens zunächst unübersichtlich. Inzwischen können die Förstereien das Ausmaß der Schäden zwar besser überblicken, doch die Einschätzungen bleiben vage. Wir fassen die landesweiten Annahmen aus dem Privat- und Landeswald zusammen.

  • Besonders sturmgeschädigt sind die Wälder des LWK-Forstamtes Südniedersachsens. Insgesamt wird eine Sturmholzmenge von 155.000 Festmeter geschätzt; größtenteils sind Fichtenbestände betroffen. Schwerpunktgebiete liegen im Harz, Solling und im Raum Kalefeld.
  • Im LWK-Forstamt Weser-Ems liegt die geschätzte Sturmholzmenge bei etwa 80.000 Fm, auch hier überwiegend Fichte. Das Schadensgebiet beschränkt sich vorwiegend auf die Region um Osnabrück.
  • Die Landwirtschaftskammer-Forstämter Südostheide, Uelzen und Nordheide-Heidmark meldeten Entwarnung. In der Nordheide wurden kleinere Sturmholzmengen von etwa 5.000 Fm verzeichnet.
  • Das Landwirtschaftsministerium gibt mit einer Gesamtsturmholzmenge für den Privat- und Körperschaftswald von rund 1,2 Mio. Kubikmetern ein deutlich größeres Sturmholzaufkommen an.
  • Auch die Landesforsten meldeten größere Flächenwürfe verstärkt aus dem Solling, allein im Forstamt Neuhaus rund 300.000 Kubikmeter. Im Harz sind es überwiegend Einzel- und Nesterwürfe, in Summe über die vier Harzforstämter der Landesforsten rund 200.000 Kubikmeter.
  • Im Landesforsten-Forstamt Ankum sind vor allem in den Revieren im Teutoburger Wald und dem Wiehengebirge große Schäden aufgetreten.
  • Zusammen beläuft sich die Menge an Sturmholz in den Landesforsten auf knapp eine Mio. Kubikmeter. Das entspricht rund 60 % des planmäßigen Einschlags (derzeit verzichten die Landesforsten komplett auf den Einschlag stehender Fichten).
  • Die Förster rechnen nicht mit ernsten Absatzschwierigkeiten für das Windwurfholz. Gründe sind die gute Konjunktur und ein aufnahmefähiger Markt.
  • Die meisten Bäume wurden mit Wurzelteller geworfen und sind nicht gebrochen sind. Das bedeutet: wenig Holzentwertung und die Möglichkeit, die Räumung zeitlich zu entzerren.

Weitere Meldungen zu den Schäden durch den Sturm Friederike in Niedersachsens Wäldern:

Auch interessant