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Forst

Unterwegs mit dem Waldläufer

Fichtenbestand-Borkenkäferbefall
Dieter Scholz, Bezirksförsterei Hils-Vogler-Ost, LWK Forstamt Südniedersachsen
am
16.05.2019

Als sich die erneute Borkenkäferkatastrophe anbahnte, beschloss die Landesregierung, den Einsatz von Hilfskräften im Wald zu bezuschussen. Die sollen den Schädlingsbefall erspähen, doch die Aufgabe ist nicht so einfach, wie es klingt.

Waldläufer werden die Hilfskräfte genannt, die jetzt eingesetzt werden, um fortlaufend den Borkenkäferbefall zu erkennen und zu kontrollieren, damit Waldbesitzer entsprechende Maßnahmen ergreifen können. Bevor die staatliche Unterstützung der Personalkosten (80 % bei einer Entlohnung, max. 14 €/Std.) in Anspruch genommen werden kann, sind jedoch einige Vorbereitungen zu treffen. In der Bezirksförsterei Hils-Vogler-Ost waren das die Folgenden:

  • Suchen und Finden einer geeigneten Personen (eine Qualifikation als Forstfachkraft ist keine Voraussetzung, hier aber gegeben);
  • Klären des Arbeitsumfangs, bezogen auf Arbeitszeit und Fläche;
  • Vereinbarung über die Bezahlung;
  • Beschlussfassung der Waldbesitzer bzw. Forstbetriebsgemeinschaft zum Einsatz;
  • Förderantragstellung und Warten auf die Bewilligung;
  • Schulung des Waldläufers zur Borkenkäfererkennung;
  • Abschluss eines Werkvertrags.

Klare Instruktionen

Nachdem alles Nötige geklärt war, erhielt der Waldläufer folgende Instruktion für seine Tätigkeit:
1. Unbedingt zu begehende Flächen:
Flächen mit Vorbefall: Dort ist aufgrund der aus dem Winterschlaf schlüpfenden Käfer vermehrt mit Frischbefall zu rechnen.

2. Vorrangig zu kontrollierende Stellen:

  • Südwestlich ausgerichtete Bestandesränder, da Borkenkäfer viel Wärme benötigen und sich die erste Generation im Frühling dort wohler fühlt als in schattigen, kühleren, nördlich exponierten Tallagen.
  • Größere zusammenhängende Fichtenkomplexe, die schützenswert und von Altbefall und Sturmholz geräumt sind;
  • Waldränder, an denen Fangsysteme aufgestellt wurden; hier gleichzeitig Kontrolle der Abstände der Fangeinrichtungen untereinander und zum Waldrand (sind sie zu dicht aufgebaut, kann auch Stehendbefall induziert werden).
  • Auffällige Bäume: solche mit schütterer Benadelung oder sturmbedingtem Schiefstand und somit mangelnder Bewurzelung sind für die Käfer hochattraktiv und könnten als erstes besiedelt werden.
Waldlaeufer-Borkenkäferkatastrophe

3. Zeitpunkt der Begehung:
Die ausgewählten Flächen sollen mindestens einmal pro Woche kontrolliert werden (wünschenswert wären Kontrollen nach jedem Flugtag, doch das ist kaum realisierbar). Nur an regnerischen Tagen mit Temperaturen unter 15 °C ist kein Begang der Flächen vorgesehen, da dann kein Borkenkäferflug zu erwarten und die Chance auf Sichtung des Befalls zu gering ist.

Hochwertige Ausrüstung

Der Waldläufer ist mit einem Fernglas, einem Smartphone und Sprühfarbe oder Markierband ausgerüstet.

  • Sprühfarbe oder Makierband dienen zur Kennzeichnung von befallenen Bäumen, die sofort gefällt werden müssen, sowie von „Zweifelskandidaten“, bei denen eine Nachkontrolle notwendig ist.
  • Das Fernglas muss von sehr hoher Qualität sein. Die Käfer bohren sich zu Beginn der Saison nicht etwa an der Stammbasis ein, sondern am Kronenansatz der Bäume in etwa zehn Metern Höhe. Dort erscheinen kleine Harztröpfchen, sofern der Baum für diese Abwehrreaktion noch genügend Harzdruck besitzt. Bohrt sich der Käfer erfolgreich ein, ist das Einbohrloch häufig nur noch von harzverklebtem Bohrmehl gesäumt. Diese winzigen „Harztrichter“ sind nur wenige Millimeter groß. Beide Symptome sind für Auge und Fernglas des Betrachters eine Herausforderung.

 

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