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Forst

Der Vergangenheit auf der Spur

von , am
03.09.2014

In Städten und Dörfern gibt es Kulturdenkmäler, und sie sind den Menschen viel wert. Doch auch im Wald finden wir Spuren unserer Vergangenheit, die es zu schützen gilt. Försterin Johanna Dreps-Kahl aus der Bezirksförsterei Elze hat einige aufgespürt.

Unter dem Waldboden können sich Kostbarkeiten verbergen, deren Geschichte mehr als 3.000 Jahre zurück reicht. Hier erst auf den zweiten Blick zu erkennen: Hügelgräber in einem Wald bei Burgstemmen. © Dreps-Kahl

Welche kostbaren Denkmäler verbergen sich in unseren Wäldern? Wer hier, anders als gewohnt, seine Aufmerksamkeit einmal nach unten richtet, kann manches entdecken. Dazu einige Beispiele:

Hügelgräber

Mitten auf gerader Flur erhebt sich ein annähernd runder Hügel, eine Aufschüttung aus Erde oder Stein? Es könnte sich um ein Hügelgrab handeln, hier haben unsere Vorfahren ihre Toten bestattet. Die meisten dieser Gräber sind während der Bronzezeit um 1600 bis 1200 v. Chr. und in der frühen Eiszeit (750 bis 500 v. Chr.) angelegt worden.

Burgen


Im Mittelalter wurden an wirtschaftlich wichtigen und zentralen Punkten Burgen erbaut. Mit der Weiterentwicklung der Waffentechnik boten die Bauten nur noch wenig Schutz, wurden aufgegeben (Mitte des 17. Jh.) und zerfielen. Heute sind von den Steinbauten häufig nur noch Fundamente geblieben, Burgen aus Holz und Erde sind vollends verschwunden. Nur noch die Wallanlagen und Gräben zeugen von den ehemals stolzen Bauten.

Landwirtschaftliche Relikte und Wüstungen

In Folge von Seuchen wie der Pest hat sich die Bevölkerung teilweise rasant verringert; ganze Siedlungen wurden aufgegeben. Heute finden wir an diesen Stellen noch Mauerreste und Spuren der landwirtschaftlichen Nutzung. Um Ackerbau betreiben zu können, haben unsere Vorfahren beispielsweise Hänge terrassiert, um parallel zum Hang zu pflügen. Durch die Nutzung der damaligen Pflüge, deren Schar unbeweglich war und deren Scholle nur zu einer Seite wendete, entstanden Wölbäcker.

Es gibt noch viele weitere Relikte unserer Geschichte, die wir in unseren Wäldern entdecken können, zum Beispiel  alte Kohlgruben, Glashütten, Grenzsteine und Gräben, Handelswege, und vieles mehr.

In den 1970er-Jahren wurden Waldbesitzer von den Bezirksregierungen auf vorhandene Bodendenkmäler auf ihren Grundstücken hingewiesen. Spätestens mit dieser Mitteilung ist jede Maßnahme, durch die das Denkmal zerstört, gefährdet oder verändert wird, strafbar.

Streng geschützt

Wenn Arbeiten an oder in der Umgebung von einem Denkmal durchgeführt werden sollen, die möglicherweise zu einer Beeinträchtigung führen, müssen diese laut §10 Abs.1 NDSchG (Niedersächsische Denkmalschutzgesetz) vorab durch die Denkmalschutzbehörde genehmigt werden.

Bei Zuwiderhandeln kann die zuständige Behörde verlangen, dass das Denkmal nach ihren Anweisungen rekonstruiert bzw. der ursprünglichen Zustand der Umgebung wiedergestellt wird (§25 Abs. 1 & 2 NDSchG). Dem Verursacher drohen erhebliche Strafen, eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren und Bußgelder bis zu 250.000 Euro sind möglich.

Fazit

Wir, die Bewirtschafter des Waldes, sollten es als unsere Pflicht ansehen, Kulturdenkmäler im Wald für die Nachwelt zu erhalten. Dafür ist besonders ein behutsamer Einsatz von Maschinen notwendig.

Bei flächigen Denkmälern, wie Hügelgräbern und Wällen, ist eine strikte Erschließung zwingend erforderlich, die nicht stur im Abstand von 20 Metern eine Rückegasse vorsieht, und abhängig von den vorhandenen Bodendenkmälern angelegt wird - idealerweise sogar in Absprache mit der Unteren Denkmalschutzbehörde.
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