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Waldwissen

Versteckten Grenzen auf der Spur

Fichte, Baum des Jahres 206
Dieter Scholz, Bezirksförsterei Hils-Vogler-Ost, LWK-Forstamt Südniedersachsen
am
01.09.2017

Besitzgrenzen werden meist durch unverrückbare Grenzsteine angezeigt. Doch wenn Jahrzehnte oder Jahrhunderte vergehen, sind diese manchmal kaum noch sichtbar – ein spannendes wie notwendiges Unterfangen sie zu finden.

Klare Grenzen setzen – das hilft, Streitigkeiten zu vermeiden. Dieser Grundsatz zieht sich durch die Geschichte bis zum heutigen Tag und er gilt auch im Wald. Grenzsteine, Risserzeichen in Grenzbäumen, Landwehrgräben und andere unverrückbare Markierungen zeigen dort die Grenzen zwischen Besitzungen und früheren Herrschaftsbereichen an.

Grenzstein-Eckstein

Anders als in bebauten Gebieten, wo sich mehr oder weniger ebenerdig gesetzte Grenzsteine durchgesetzt haben, müssen diese in Wald und Flur besser sichtbar sein. Daher wurden dort seit dem frühen Mittelalter die Grenzsteine deutlich größer und höher gesetzt – meist ragen sie mehrere Dezimeter aus dem Boden – und fest sowie frostsicher verankert. Findet man einen möglichen Grenzstein, kann im Zweifel durch einen Tritt dagegen schon einmal geprüft werden, ob er wirklich als Grenzstein in Frage kommt, denn diese werden ja fest und tief im Boden gesetzt.

Nicht immer ist bekannt, in welche Richtung ein Stein den Grenzverlauf anzeigt: Üblicherweise weist aber die Längsseite auf die Grenzlinie. Dies ist besonders bei an Wegen gesetzten Grenzsteinen wichtig.

Grenzstein-Hannover

Manche historische Grenzsteine haben bis heute im Wald überdauert. Ein Beispiel hierfür ist die Grenze zwischen dem Herzogtum Braunschweig und dem Königreich Hannover, die sich quer durch Niedersachen und angrenzende Bundesländer zieht. Gedanklich bewegen wir uns rund 200 Jahre zurück in die Zeit der napoleonischen Kriege und des Wiener Kongresses von 1814/1815.

An den flachen Seiten findet sich das jeweilige Symbol, eine Abkürzung oder ein Wappen („HB“ für Herzogtum Braunschweig und „KH“ für Königreich Hannover). Manche Steine tragen auch nur den Buchstaben „B“ für Braunschweig, „H“ für Hannover oder „P“ für Preußen. Das jeweilige Symbol befindet sich stets auf der Seite, bis zu welcher das entsprechende Gebiet reichte. Hinzu kommen entweder Jahreszahlen der Setzung des Steines oder eine laufende Nummerierung, die sich je nach Anlieger auf den beiden Seiten eines Steins unterscheiden kann.

Grenzstein-Hannover

Die oft denkmalgeschützten Grenzsteine sind stumme Zeitzeugen und sollten gepflegt und gesichert werden. Dabei geht es nicht nur um die Bewahrung eines wertvollen Kulturgutes, sondern auch um die Weitergabe der Informationen an die nächste Waldbesitzergeneration. Ein wirksames Instrument hierfür ist ein regelmäßiger Grenzbegang (mancherorts auch Schnatgang oder Grenzbeziehung genannt), der in manchen Genossenschaftsforsten als bedeutendes traditionelles Ereignis gepflegt wird.

Den vollständigen Artikel können Sie in der LAND & Forst 35/2017 ab Seite 63 lesen.

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