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Forst

Vögel im Wald aktiv schützen

von , am
08.10.2013

Jeder Waldbewirtschafter kann etwas für den Vogelschutz leisten! Grundsätzlich gilt: je mehr Baumarten in einem Bestand vorkommen, desto artenreicher die Vogelwelt. Förster Heiko Hartmann gibt weitere Tipps.

Eine Kiefer mit Bussardhorst sollte stehen bleiben. © Hartmann
Die wichtigste Vogelschutzmaßnahme ist die Förderung der Mehrschichtigkeit und Uneinheitlichkeit über das gesamte Bestandesleben. Eine weitere Faustregel besagt: Je älter ein Baumbestand ist, desto artenreicher ist er. Allerdings heißt dies nicht, dass nur alte Eichenwälder von Bedeutung sind, auf die beispielsweise der seltene Mittelspecht angewiesen ist. Jede Vogelart hat ein bevorzugtes Bestandesalter; so kommt der Baumpieper in sehr jungen Waldbeständen, der Buchfink in mittelalten und der Buntspecht in alten Beständen vor. Die Übergange sind, wie so oft in der Natur, fließend.

Eine Vermeidung der Holzernte in der Brut- und Setzzeit - also vom 1. April bis zum 15. Juli; dieser Zeitraum wird durch das Niedersächsische Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) definiert - ist hilfreich. Ein kompletter Verzicht auf die Holzernte während dieser Zeit ist aufgrund der Holzmarktlage jedoch nicht möglich.

Konkrete Maßnahmen

Bei der Durchforstung sollten in einem solchen Fall jedoch Nistplätze von Vögeln berücksichtigt und gegebenenfalls auch eine Ruhezone um beispielsweise einen Habichtshorst gewahrt werden, um die Vögel bei der Aufzucht nicht zu stören. Auf eine Jungwuchspflege sollte in dieser Zeit auf jeden Fall verzichtet werden, da diese die Brutmöglichkeit und das Nahrungsangebot stark einschränkt und dadurch dem Bruterfolg schadet.

Auch das Fällen von Horstbäumen sollte vermieden werden, denn die Horste bieten nicht nur ihrem Erbauer eine Bleibe. Viele weitere Vogelarten, wie die Waldohreule, der Baumfalke und der Wespenbussard, warten nur darauf, verlassene Horste zu besiedeln. Auch Höhlenbäume sind von Bedeutung, da Spechthöhlen sozusagen der Sozialwohnungsbau des Waldes sind.

Etliche Vogelarten besiedeln vom Specht verlassene Höhlen oder machen sie ihm sogar streitig. Der größte Baumeister unter den Spechten ist der Schwarzpecht: Seine Höhlen werden von vielen Vogelarten, von Bilchen, von Hornissen und auch dem Baummarder angenommen.

Höhlenbäume schützen

Diese Höhlenbäume sollten unbedingt im Bestand belassen werden, da sie ein wichtiger Lebensraum sind. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet sogar die Entnahme im Rahmen der üblichen forstwirtschaftlichen Nutzung, sofern sich die lokale Population europarechtlich geschützter Arten dadurch verschlechtert.

Um die Vogelarten, die selber keine Nester bauen, zu unterstützen, empfehlen sich natürlich auch Nistkästen. Diese sollten nicht in Reichhöhe und von intensiver Sonneneinstrahlung geschützt angebracht werden.

Fazit

Beherzigt man diese Möglichkeiten des Vogelschutzes, wird sich die eine oder andere Vogelart mehr im Walde zeigen - vielleicht ist auch eine seltene dabei!
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