Login
Forst

Er wächst wieder - der Wald nach Kyrill

von , am
09.07.2014

Für die Waldbesitzer im Bereich der Bezirksförsterei Bissendorf war der Sturm "Kyrill" ein Jahrhundertereignis. Förster Hendrik Pannenborg berichtet, was aus dem zerstörten Wald wurde.

2014: Die Natur selbst und viele helfende Hände haben einen "neuen" Wald entstehen lassen. © Pannenborg

Das Sturmtief entwickelte sich in den Nachmittagsstunden des 18. Januar 2007 bei frühlingshaften Temperaturen um die 14°C. Die Windgeschwindigkeiten erreichten 110 bis 150 km/h und wuchsen in der Nacht an den Nordhängen des Teutoburger Waldes und des Wiehengebirges auf bis zu 180 km/h an.

300 Hektar betroffen


Das Ausmaß der Schäden, die die Naturgewalten angerichtet hatten, war nur schwer erfassbar. Die betroffenen Waldbesitzer standen vor großen, kaum zu bewältigen Problemen. 14 Tage dauerte allein das Freiräumen von Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen durch die Feuerwehr, landwirtschaftliche Lohnunternehmer, Tiefbauunternehmer und Waldbesitzer. Im Wald hinterließ Kyrill 100.000 Festmeter Schadholz und 250 bis 300 Hektar Kahlflächen, gelichtete Wälder und verstreute Baumwürfe.

Große Probleme bei der Aufarbeitung des Schadholzes bereitete der hohe Anfall von starkem Laubholz, hier vornehmlich 80- bis 140-jährige Buchenalthölzer. Die Planung und Durchführung des Einsatzes von Kettenbaggern, nicht nur bei der Straßenräumung, sondern gerade in diesen Altholzbeständen, erforderte einen besonderen logistischen Aufwand.

Die Wiederaufforstungen der zerstörten Waldflächen begann im Jahr 2008. Erste Aufgabe für die betroffenen Waldbesitzer war es, ihre Waldflächen anhand von Katasterunterlagen wiederzufinden. Waldbesitzernachbarn trafen sich erst jetzt und lernten sich kennen.

Bevor der Wald wiederbegründet werden konnte, mussten zunächst diese wichtigen Fragen geklärt werden:

  • Welche Baumartenwahl schlägt uns die Standortskartierung (STOK) vor?
  • Welche Baumarten sind für den einzelnen Forstbetrieb auch wirtschaftlich tragbar und vernünftig?
  • Soll überhaupt aufgeforstet werden?
  • Soll die Naturverjüngung genutzt werden?
  • Oder lässt man die geschädigten Waldflächen brachliegen?

Viele helfende Hände


Da im Bezirk Bissendorf nur in wenigen Teilen eine flächige STOK vorliegt, wurden auf allen zu fördernden Aufforstungsflächen Bodenuntersuchungen im Detail durchgeführt. Daran schlossen sich intensive Beratungen für die einzelnen Waldbesitzer an. Die Baumartenwahl differierte je nach den örtlichen Gegebenheiten, sogenannten Zwangsstandorten, aber auch nach persönlichen Überlegungen und Einstellungen der Waldbesitzer.

Eine Aufforstungsfläche in der Größenordnung von etwa 200 ha bildete schließlich den "neuen" Wald im Bezirk Bissendorf. Forstliche Fördermaßnahmen für die Wiederaufforstung hatten einen Umfang von zirka 80 ha mit einer Fördersumme von rund 465.000 €. Die Anpflanzungen umfassten vornehmlich Laub-Nadelholz-Mischkulturen, aber auch reine Laubholzaufforstungen, wie Buchen-Edellaubholzanbauten auf großer Fläche sowie Trauben- und Stieleichenbegründungen.

Auf vielen Schadensflächen konnte die vorhandene Naturverjüngung - etwa 50 ha - genutzt, weiterentwickelt und begleitet werden. Auch der "Brotbaum" des kleinstrukturierten Privatwaldes kam nicht zu kurz. Auf einer Fläche von 60 bis 70 ha wurden Fichtenbestände, Douglasien-aufforstungen oder Nadelholz-Mischkulturen durch die Waldbesitzer wiederbegründet. Auch hier erfolgte eine intensive Betreuung durch die Bezirksförsterei der Landwirtschaftskammer.

Fazit


Die Wiederbegründung des Waldes nach dem Sturmereignis Kyrill im Bereich der Bezirksförsterei Bissendorf konnte nur durch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten gelingen. Waldbesitzern, Forstunternehmern, Holzkäufern und der Gemeinde Bissendorf gebührt hier ein großes Lob. Und wie die Bilder zeigen, wächst der Wald wieder!
Auch interessant