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Forst

Wahre Schönheit kommt von innen

von , am
20.05.2014

Im Alter immer schöner werden? Das ist das Privileg der Bäume und besonders der Buchen. Wenn dieser Baum in die Jahre kommt, beeindruckt er nicht nur durch seine erhabene Gestalt.

Alte Buchen entwickeln ein ganz besonderes Schönheitsmerkmal, den Rotkern. © Hackelberg

Die Buche ist die häufigste Laubbaumart im Osnabrücker Land. Buchenwälder prägen den Teutoburger Wald und das Wiehengebirge in besonderem Maße und sind wertvolle Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten. Aufgrund ihrer guten Verwurzelung und geringen Gefährdung durch Stürme und Insekten gilt die Buche als ökologisch wertvoll.

Die heutigen Konzepte zur Bewirtschaftung von Buchenwäldern sehen eine Erziehung von Einzelstämmen in weiten Standräumen vor. Unter solchen Wuchsbedingungen bilden sich weit ausladende Kronen aus, und über Jahrzehnte sind hohe Jahrringzuwächse die Folge. Dadurch sind die Buchenbestände bereits in geringerem Alter hiebsreif.

Buchen dürfen altern


Ökonomisch tritt die Buche jedoch seit einiger Zeit in den Hintergrund, denn Buchenholz ist außer als Brennholz auf dem Holzmarkt wenig gefragt, weshalb es in entsprechend geringerem Maße eingeschlagen wird. So werden die Buchen älter und in die Lage versetzt, in ihrem Inneren eine Besonderheit auszubilden: einen farbigen Kern, den Rotkern.

Bei der Rotkernbildung werden im Zentrum des Stammes Reservestoffe wie Stärke durch Oxidation in farbgebende Inhaltsstoffe in den Zellen umgewandelt. Diese altersbedingten Vorgänge können zu einer regelmäßigen Ausbildung von hellem Splint- und farbigem Kernholz führen.

Meist tritt die Rotkernbildung bei Buchen erst ab einem Alter von 100 bis 120 Jahren auf und schreitet mit zunehmendem Alter fort. Die so gebildeten Kerne zeichnen sich durch lebhafte, mehrzonig oder wolkig abgestufte rotbraune Kernfärbungen aus. Die technologischen Eigenschaften des Holzes werden durch die Rotkernbildung nicht beeinträchtigt. Es handelt sich also nicht um einen Holzfehler, sondern um einen lebendigen Ausdruck für natürlich gewachsenes Holz mit individuellen Wuchsmerkmalen.

War in der Vergangenheit der Rotkern durchweg ein qualitätsminderndes Merkmal, so gelangen heute vermehrt Anfragen für rotkernige Buche an unsere Vermarktungsorganisationen.

Die Sortierung des liegenden Holzes beginnt bereits im Wald. Die Bezirksförsterin oder der Bezirksförster stellt optisch ansprechende Stämme nach Dimension und Farbausprägung zu speziellen rotkernigen Verkaufseinheiten, den sogenannten Losen, zusammen und präsentiert diese den potenziellen Holzkäufern. Die Vermarktung des Holzes übernimmt dann die Nord-West-Holz eG. Sie ist die Vermarktungsorganisation des Privatwaldes im Osnabrücker Land und im Emsland.

Käufer sind vor allem die Furnierhersteller in unserer Region und Möbeltischler, die für spezielle Kunden Massivholzmöbel fertigen.

Im Furnierwerk werden mit Hilfe moderner Bearbeitungstechniken aus den Buchenhölzern Furniere hergestellt. Das Schneiden in dünne Schichten erfolgt - je nach Maschinentyp - durch "Messern" oder "Schälen". Die dekorativen Furnierelemente lassen sich zu hochwertigen Möbeln oder Inneneinrichtungen verarbeiten.

Waren in der Vergangenheit Möbel, Parkettböden oder Treppen aus rotkerniger Buche über längere Zeit dem Tageslicht ausgesetzt, so litt deren dekoratives Aussehen, denn es kam zu Farbveränderungen und Strukturverlusten. Dabei wechselte die Farbe von dem warmen Rotbraun zu schwach Gelb oder Grau. Mit modernen Techniken ist es jedoch heute möglich, die Färbung dauerhaft zu erhalten. Dazu werden die Holzoberflächen mit Öl-Wachspräparaten behandelt und UV-stabile Antioxidantien verwendet.
 
Fazit

Die Bereitstellung rotkernigen Buchenholzes durch die Forstämter steht am Anfang einer Wertschöpfungskette, die durch Information, Aufklärung und gezielte Öffentlichkeitsarbeit gute Chancen und wirtschaftliche Perspektiven für dieses recht wenig bekannte, aber lebendige und sehr dekorative Holz bietet.
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