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Forstwirtschaft

Der Wald ist voller Früchte

Dieter Scholz, Bezirksförsterei Hils-Vogler-Ost, LWK Forstamt
am
04.11.2015

Der Herbst ist für die meisten Pflanzen die Zeit der Vermehrung - so auch für die Bäume. Dabei sind viele verschiedene Strategien zur Verbreitung der Samen zu beobachten. - Hier dazu einige Beispiele.

Aus botanischer Sicht lassen sich vorab die Nadelgehölze (und der Gingko) als Nacktsamer von den Laubgehölzen als Bedecktsamer unterscheiden. Bei den Nadelhölzern liegen die Samen nackt auf Samen-/Fruchtschuppen, die sich bei der Samenbildung vergrößert haben und zu holzigen Gebilden geworden sind, den Zapfen. Die Zapfen sind also als vergrößerte, verholzte weibliche Blütenstände anzusehen, welche die meist geflügelten Samen enthalten. Bei der Reife spreizen sich die Fruchthüllen ab und die Samen können herausfallen oder -segeln. Die Zapfen der Tannen zerfallen nach der Reife (aufrecht stehende Zapfen gegenüber den hängenden Zapfen bei den Fichten), während bei den Kiefern und Fichten die Zapfen als Ganzes abfallen (zum Teil erst nach Jahren, so zum Beispiel bei der Lärche).

Genährt bis zur Reife

Bei den Bedecktsamern besteht der Samen aus dem Embryo und einem Nähr- und Speichergewebe, welches ihn umgibt und ihn während der Reife und Keimungszeit ernährt. Aber auch hier gilt: keine Regel ohne Ausnahme; denn bei den Weiden und Pappeln unterbleibt dieser Speicher, und daher sind diese Samen nur kurz keimfähig. Finden sie in der kurzen Zeit keine Keimbedingungen, sterben sie infolge Nährstoffmangel. Bei der Reifung zu Samen bilden sich Früchte. Deren Wände können zu einer harten Schale werden, wie bei einer Nuss, oder aber dick und fleischig mit dem eigentlichen Samen als Kern. Die Früchte lassen sich einteilen nach: Trockenfrüchte: z.B. die Kapseln der Rosskastanie: fallen bei Reife ab, platzen dabei auf und geben die Kastanien als eigentliche Frucht frei, eine Strategie der Schwerkraftwanderung Nüsse, wie bei Eichel, Buchecker und Haselnuss Saftfrüchte mit fleischigen Wänden (Steinfrüchte wie Kirsche, Pflaume, aber auch Walnuss und Him- und Brombeere) Beeren: Beispiele sind viele Sträucher, wie Johannis-, Stachel- oder Heidelbeere, aber auch Wein. Die Verbreitung erfolgt außer der Schwerkraftwanderung auch durch Wind - so sind die Nüsse von Ulme und Esche mit Flügeln versehen, und auch der Propellerflug des Ahorns ist auffallend - oder Wasser (die Nussfrüchte der Erle sind mit Schwimmpolstern ausgestattet) oder durch Tiere. Als Transporteure dienen zum Beispiel Vögel - bekannt ist die „Eichelhähersaat“ - aber auch Eichhörnchen oder Mäuse in Form von „Versteckausbreitung“. Ja es gibt Pflanzenarten, die auf eine Passage durch den Verdauungstrakt des Vogels setzen, die „Verdauungsausbreitung“, z.B. bei Vogelbeere oder Mistel.

Vom Wind verweht

Auf den Wind vertraut dagegen unsere Hainbuche, deren Fruchtstände und Früchte auf den Fotos zu sehen sind. Die Frucht ist eine kleine, einsamige Nuss, die in der Achsel eines dreilappigen, drei bis fünf Zentimeter langen Blattorgans steht, welches aus den Deck- und Vorblättern der Blüte entsteht. Dieses Blattorgan dient der Versorgung der sich entwickelnden Frucht. Zur Fruchtreife vertrocknet es und dient als Flügel bei der Windausbreitung der Früchte. Die Fruchtstände sind bis zu 17 Zentimeter lang. Sie lösen sich aber erst im Oktober/November ab.
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