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Forst

Waldbau - mit Eiche kein Kinderspiel

von , am
11.12.2013

Unter allen Baumarten genießen Eichen eine besondere Wertschätzung. Wie sie in Zeiten eines hohen Krankheitsdrucks am besten bewirtschaften lassen, lesen Sie hier.

Der Lohn der generationsübergreifenden Eichenbewirtschaftung: Ein rund 160-jähriger Eichenstamm aus der FBG Walsrode konnte auf der Eichenwertholzsubmission an ein Furnierwerk verkauft werden. Kleines Bild: Der Mondring, eine Besonderheit beim Eicheholz. © Dyck
Die Eiche hat mit etwa 180 Jahren die höchste Umtriebszeit unter unseren Wirtschaftsbaumarten. Als Schutz und optische Bereicherung von Hofstellen hat sie viele Waldbesitzergenerationen begleitet. Alte Eichen prägen das Bild zahlreicher Dörfer und haben einen besonderen Stellenwert im Bewusstsein der Menschen. Masttragende Eichen dienten dem Vieh als energiereiches Futter. Eine besondere Wertschätzung erlangte die Eiche als dauerhaftes witterungsbeständiges Holz im Holzbau.

Einschlag + Durchforstung

In den vergangenen Jahren sind an älteren Eichen in Norddeutschland zunehmend gravierende Vitalitätseinbußen erkennbar. Witterungsextreme, wiederkehrender Raupenfraß, Pilzbefall und Käfer haben viele Eichen geschwächt oder absterben lassen. Neben dem ideellen Verlust entsteht auch ein wirtschaftlicher Schaden. Vor diesem Hintergrund ist eine sorgfältige Beobachtung der Eichenbestände notwendig.

Im belaubten Zustand sind geschädigte Eichen gut zu erkennen. Hoher Blattverlust in Zusammenhang mit gehäuft auftretenden Totästen in der Krone und Nekrosen am Stamm deuten auf baldiges Absterben der Stämme. Es empfiehlt sich, diese Bäume für einen Holzeinschlag deutlich zu kennzeichnen. Entschließt sich der Waldbesitzer zu einem Einschlag, sollte der Zwangsanfall mit einer Durchforstung des Eichenbestandes einhergehen.

Neben den waldbaulichen Kriterien wie Vitalität, Standraum, Schaftqualität oder Zielstärke ist auch die aktuelle Holzmarktlage zu berücksichtigen. Bei der Kennzeichnung zu entnehmender Bäume ist eine Vorsortierung in Stämme mit Wertholzanteilen und reine Bauholzstämme mit unterschiedlicher Farbe sinnvoll.

Professionalität gefragt

Der Einschlag sollte auf nassen und zu Verdichtung neigenden Standorten möglichst frühzeitig mit beginnender Saftruhe bei trockener Witterung erfolgen. Bei einem Eicheneinschlag ist besondere Professionalität der Unternehmer gefragt. Eingerissene oder beim Rücken beschädigte Stämme führen schnell zu einer Entwertung des Holzes.

Die Vermessung und Güteeinteilung der Eiche erfolgt am liegenden Holz im Bestand oder an dem vorgelieferten Stamm auf dem Polterplatz. Für die Einteilung in die Qualitätsklassen A, B, C, D gelten die „Speziellen Regeln zur Qualitätssortierung von Laub-stammholz“, einer Rahmenvereinbarung für den Rohholzhandel. Häufigste Kriterien für eine Güteeinteilung sind: Äste, Drehwuchs, Krümmung, Frostrisse oder Sternrisse, Ringschäle, Insektengänge, Fäule.

Eine Besonderheit bei der Eiche ist der Mondring. Er entsteht durch einen Spätfrostschaden und ist ein Verkernungsfehler, der eine Verwendung als Sägeholz meistens ausschließt.

Die zum Verkauf kommenden Sortimente müssen vor dem Einschlag bei Holzkäufern mit ausgehandelten Preisen abgesichert sein. Die Vermarktungsmöglichkeiten der Eiche sind vielseitig. Das Hauptsortiment ist das Bauholz, daneben gibt es Parkettholz oder Eichenschwellenholz. Schlechtere Qualitäten finden Verwendung als Palette, Pfahlholz, Industrieholz oder Brennholz. Nur wenige Stämme erfüllen die Voraussetzung für Furnier- oder Möbelholz, wobei die fehlerfreien Stücke sich nur auf den unteren Stammbereich beschränken.

Fazit

Der Eicheneinschlag ist mit hohem logistischem Aufwand verbunden. Er muss rechtzeitig geplant sein. Geschädigte bzw. absterbende Bäume sollten zeitnah vermarktet werden, um finanzielle Einbußen durch weitere Entwertung zu vermeiden. Der Bezirksförster vor Ort kann dabei fachlich unterstützen.
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