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Privater Waldbesitz

Waldbesitzer zu oft zwischen Baum und Borke

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
01.06.2016

Umwelt- wie Forstministerium loben die Waldbesitzer wortreich. Das tiefe Schweigen im Wald beim Thema Geld kritisiert LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan.

So viel ist sicher: Mittlerweile wissen sowohl das grün-geführte Forstministerium als auch das gleichfarbene Umweltressort zu schätzen, was sie am privaten Waldbesitz im Lande haben.

Wie sich aus den Grußworten beider Häuser an die Mitgliederversammlung des Waldbesitzerverbandes ablesen lässt, stehen die Leistungen für Klima- und Wasserschutz ebenso außer Frage wie die Bedeutung für die Holzwirtschaft.

Waldbesitzer zwischen Erwartungen und angemessenen Mitteln

An der Aufrichtigkeit dieser Bekenntnisse besteht kein Zweifel. Ebenso unstrittig ist allerdings, dass beide Ministerien noch mehr und noch höhere Erwartungen an die Waldbesitzer haben. Die Bereitschaft, dafür angemessene Mittel bereitzustellen, ist dagegen weniger ausgeprägt.

Um davon abzulenken, wird getrickst. Ein Beispiel: Das Forstministerium hält es für gerechtfertigt, dass Waldbesitzer einen Rabatt auf Beiträge zu Wasser- und Bodenverbänden erhalten. Diesen sogenannten Vorteilsmaßstab lehnt das Umweltministerium jedoch ab. Dafür verteidigt dieses die Waldbesitzer gegen das Drängen aus dem Forstressort, auch der Privatwald möge doch nach dem Vorbild des Landeswaldes einen Teil der Flächen als „Wildnis“ stilllegen.

Ressorts der Landesregierung nicht abgestimmt

Beim ersten flüchtigen Hinhören klingt es, als hätten die Waldbesitzer starke Verbündete in beiden Häusern. Das mag im Einzelfall stimmen. Im Zusammenhang betrachtet aber zeigt sich die Kalamität: Sie haben es mit einer Landesregierung zu tun, deren einzelne Ressorts unterschiedliche, teils widersprüchliche Ziele verfolgen.

Untereinander gibt es offenbar keine Abstimmung. Deshalb laufen die daraus resultierenden Probleme direkt bei den Waldbesitzern und ihren Interessenvertretern auf. Die sitzen zu oft zwischen Baum und Borke, müssen auf verschiedenen Baustellen gleichzeitig arbeiten - eine kleine Geschäftsstelle und viel ehrenamtlicher Einsatz gegen zwei komplette Behörden.

Treffendes Beispiel: Erschwernisausgleich für Waldbesitzer

Am Ende geht es dabei immer ums Geld. Der gerade beschlossene Erschwernisausgleich ist ein treffendes Beispiel dafür, wie mühselig lange verhandelt werden muss, damit Waldbesitzer wenigstens einen Teil ihrer Einbußen durch Schutzauflagen erstattet bekommen können.

Bei Wasserbeiträgen geht dagegen seit Jahren trotz guter Argumente rein gar nichts voran. Statt zu unterstützen, präsentiert das Land mit den Stilllegungsplänen den nächsten Wunsch, ohne finanzielle Anreize zu erwähnen.

Obwohl die Steuereinnahmen sprudeln, steht man beim Thema Geld in Hannover wie mitten im Wald. Dort ist bekanntlich über allen Gipfeln Ruh‘.

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