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Waldschutz

Waldschutzbericht: Latenzzeit verschafft Bäumen Erholung

Dr. Michael Habermann, NW-FVA Göttingen
am
18.03.2016

Sonne, Wind und Regen wirken auf das Leben im Ökosystem Wald und somit auch auf die aus unserer Sicht schädlichen Bewohner. Waldschutzexperte Dr. Michael Habermann über das Geschehen im Jahr 2015 und die Nachwirkungen.

Beim Thema Waldschutz spielen die für die Bäume schädlichen Bewohner eine wichtige Rolle. Deren Entwicklung hängt besonders von Klimafaktoren wie Sonne, Wind und Regen ab und somit auch von deren Ausprägung im Jahresverlauf. Waldschutzexperte Dr. Michael Habermann hat das Geschehen im Jahr 2015 analysiert.

Zu warm, zu sonnenscheinreich und vor allem zu trocken - das ist die Bilanz des Frühlings 2015. Verbreitet hatten sich bis in den Juni hinein Niederschlagsdefizite aufgebaut.

Bodenfeuchte Anfang Juni extrem niedrig

Im Mai und Juni spitzte sich regional das Wasserdefizit in der Landwirtschaft zu. Die Bodenfeuchte erreichte Anfang Juni die niedrigsten Werte seit 1962, sodass örtlich in der Landwirtschaft umfangreich künstlich beregnet werden musste.

Lufttemperaturen über 30 °C und starke Sonneneinstrahlung verschärften dann Anfang Juli die Situation auch für Waldbäume. Die nachfolgenden, zumindest gebietsweisen Regenfälle und moderate Temperaturen sorgten ab Mitte Juli für eine Entspannung der Lage.

Gefährliche Borkenkäfer

Die insgesamt für Käfer sehr günstigen Frühjahrsbedingungen ließen einen erhöhten Stehendbefall durch Buchdrucker und/oder Kupferstecher erwarten. Der Frühjahrssturm Niklas (1. April 2015) und mehrere nachfolgende Gewitterstürme verursachten bis in den Sommer hinein zahlreiche Einzel- und Nesterwürfe. In vielen Betrieben wurden mehrfach Sammelhiebe im Sinne einer „sauberen Waldwirtschaft“ notwendig.

Ausflug der Buchdrucker-Jungkäfer schleppend

Die erste Buchdrucker-Generation entwickelte sich jedoch verzögert und der Ausflug der Jungkäfer verlief schleppend. Durch die zeitgerechte Aufarbeitung des liegenden Sturmholzes konnten viele Jungkäfer mit dem Holz aus dem Wald entfernt werden In vielen Betrieben entspannte sich die Befallslage deutlich.

Insgesamt kam es in den meisten Regionen im Frühjahr 2015 nicht zu einem erhöhte Käferholzanfall. Die darauf folgende kühlfeuchte Sommerwitterung erschwerte die weitere Entwicklung der Borkenkäfer, sodass zum Ende der Saison kaum Stehendbefall auftrat.

Befallene Bereiche vor Käfersaison sanieren

Um die Ausgangslage für 2016 zu entschärfen, sollten die von einem Stehendbefall aus dem vergangenen Jahr betroffenen Bereiche unbedingt vor Beginn der Käfersaison saniert werden. In diesen Bereichen kann es gegebenenfalls auch erforderlich werden, die erhöhten Käferdichten mit Fangsystemen zu reduzieren.

Allgemein als gefährdet bekannte Bestände (u.a. wegen Vorbefall) sollten im Frühjahr zu Beginn der Flugzeit des Buchdruckers unbedingt verstärkt überwacht werden.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 11/2016 ab Seite 58. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

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