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Waldmonitoring

Waldzustand Niedersachsen: Warum Waldumbau so wichtig ist

Fichten-Reinbestand-Waldzustandsbericht
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Heidrun Mitze, LAND & Forst
am
18.01.2018

Niedersachsens Waldzustandsbericht 2017 klingt durchaus positiv. Wir nennen Ihnen neun Gründe, warum Sie trotzdem waldbaulich aktiv werden müssen.

Auf den ersten Blick sorgen die Ergebnisse der jüngsten Waldzustandserhebung (Waldzustandbericht 2017 der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt) für ein Aufatmen, denn:

  • die mittlere Kronenverlichtung ist im Durchschnitt aller Baumarten und -alter auf dem recht geringen Niveau des Vorjahres von 17 % geblieben;
  • der Anteil stark geschädigter Bäume liegt im Jahr 2017 mit 1 % etwas unter dem Mittelwert;
  • Schäden durch Insekten und Pilze blieben – mit einer Ausnahme – weitgehend aus;
  • Das aus dem Winter und Frühjahr mitgebrachte Wasserdefizit wurde im Frühsommer reichlich ausgeglichen.

Neun Gründe für den Waldumbau

Bei näherer Betrachtung der Ergebnisse gibt es aber mindestens neun gute Gründe, weshalb wir waldbaulich aktiv werden sollten:

  1. Der Fall Esche: Aufgrund des landesweiten Befalls mit dem pilzlichen Erreger des sogenannten Eschentriebsterbens ist die Baumart akut in ihrem Bestand bedroht. Flächenmäßig hat sie jedoch einen so geringen Anteil an der Waldzustandserhebung, dass sich ihr Zustand in dem Mittelwert von 17 % Kronenverlichtung nicht widerspiegelt.
  2. Die Baumart Kiefer dagegen beeinflusst mit ihrem vergleichsweise guten Zustand das Gesamtergebnis überproportional stark, weil sie mit dem weitaus größten Flächenanteil (36 %) in der Erhebung vertreten ist. Gegenüber Fichte, Buche und Eiche sind ihre Verlichtungswerte markant besser.
  3. Ein deutlicher Alterstrend gibt ebenfalls Anlass zur Sorge. Wie aus dem Bericht hervorgeht, liegen für die älteren Bäume (über 60 Jahre) die Kronenverlichtungswerte mit 20 % etwa doppelt so hoch wie für die jüngeren, bis 60-jährigen (9 %).
  4. Im Verlauf der Zeitreihe haben sich die Ergebnisse der Erhebungen bei den Laubbaumarten Buche und Eiche deutlich verschlechtert. Die Verlichtungswerte liegen für beide Arten derzeit etwa doppelt so hoch wie zu Beginn der Erhebungen.
  5. Die älteren Eichen halten einen traurigen Rekord in Niedersachsen. Deren mittlere Kronenverlichtung ist dem Bericht zufolge seit 2014 schrittweise auf nunmehr 32 % angestiegen. Und das, obwohl nach intensiven Befallsjahren von 1996 bis 1997 und 2010 bis 2012 seit 2013 keine nennenswerten Schäden durch Blattfraß mehr auftraten. Der hohe Anteil an Blattverlusten in 2017 ist vermutlich auf Frostschäden zurückzuführen.
  6. Die ältere Buche ist ein Lichtblick. Hier nahm die mittlere Verlichtung um 4 %-Punkte auf 24 % ab. Doch auch diese positive Entwicklung relativiert sich bei genauerem Hinsehen. Denn sie ist vor allem darin begründet, dass die Bäume in diesem Jahr kaum fruchteten. 2016 hatten dagegen 65 % der älteren Buchen einen mittleren bis starken Fruchtbehang ausgebildet, was zu frühem Blattfall führte.
  7. Ältere Fichten rangieren mit anhaltend hohen Verlichtungsgraden von 24 bis 30 % (2017: 26 %) seit Beginn der Erhebungen ebenfalls sehr weit oben.
  8. Die sogenannten anderen Laub- und Nadelbäume machen 22 % des Stichprobenumfangs aus. Zu den 24 Arten zählen unter anderem Birke, Erle, Esche, Ahorn, Linde, Hainbuche, Lärche und Douglasie. Die mittlere Kronenverlichtung aller Altersklassen liegt mit 10 bis 14 % auf einem niedrigeren Niveau als bei den Hauptbaumarten. Einen deutlichen Ausreißer nach oben bildet mit 22  % die Esche. Mitverursacht wird dies, wie in Punkt 1 beschrieben, vom Eschentriebsterben.
  9. Eine Latenzphase vieler Schaderreger hat mit dafür gesorgt, das der Insekten- und Pilzbefall in 2017 weitgehend ausblieb. Dies ist allerdings ein Zustand, in dem die Schädlinge voraussichtlich nicht unbegrenzt verharren werden.

Den Waldschadensbericht für 2017 hat erstmalig die neue Ministerin Barbara Otte-Kinast vorgestellt. Ihre Empfehlung: Mischwälder mit standortgemäßen Baumarten aufbauen – wenn möglich mit vielen Laubbäumen. „Das kann das Betriebsrisiko deutlich senken.“

Für solche waldbaulichen Maßnahmen stelle das Ministerium jährlich Fördermittel in Höhe von rund vier Millionen Euro bereit.

Hier der Waldzustandsbericht Niedersachsen zum Download

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