Login
Forst

Welcher Baum hat hier Zukunft?

von , am
23.09.2015

Die Fichte war der Brotbaum des Sollings, doch sie bekommt zunehmend Probleme. Soll die Baumart hier ihren Stellenwert behalten oder sind andere besser geeigneter? Eine Standortkartierung hilft bei der Entscheidung.

Wiederaufforstung nach dem Sturm: Für Förster Eckhardt und Waldbesitzer von Garmissen ist eine Standortkartierung die Grundlage für die Baumartenwahl. © Mühlhausen/landpixel

Seit Jahrhunderten wirtschaftet die Familie von Garmissen in Friedrichshausen am östlichen Rand des Sollings im Landkreis Northeim. Und seit Generationen ist die Fichte - der Charakterbaum des typischen Mittelgebirges Solling mit Niederschlägen um die 1.000 mm - die wirtschaftliche Grundlage des Betriebes. "Die Fichte ist unser Brotbaum", sagt Dr. Bernd von Garmissen. Der Agrarjurist, Land- und Forstwirt sowie Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Hauptverbandes Südniedersachsen führt seit 2009 gemeinsam mit seinem Cousin die Geschicke auf dem Rittergut.

Sturmgebeutelt

"Die Fichte war es, die in der Vergangenheit immer wieder die nötigen Investitionen zum aufwändigen Erhalt der Gutsgebäude möglich machte." Doch die Fichte macht auch immer mal wieder Sorgen: Sei es durch den Borkenkäfer, sei es durch die im Solling häufigen Stürme. Zuletzt warf Sturmtief Niklas am 31. März diesen Jahres drei Hektar Fichte mit zusammen 700 Festmetern, hinzu kamen 300 Festmeter Einzelstammwürfe, die mühsam im Sammelhieb aufgearbeitet werden mussten: "Besonders ärgerlich war, dass wir zwei Tage zuvor unseren Einschlag beendet hatten. Seit Kyrill im Januar 2007 war Niklas unsere größte Kalamität", ergänzt von Garmissen.

Von Garmissen will auch künftig auf die Fichte setzen - jedoch nicht ausschließlich. Da gibt es zum Beispiel ein Bachtal an der Ilme mit reichlich feuchten Standorten, dort wurde die Fichte in den 70-er Jahren gepflanzt. "Aber da gehört sie nicht hin - aus ökologischen Gründen und weil sie unter nassen Bedingungen schnell faul wird", sagt von Garmissen. Auf anderen Standorten stellt er der Fichte Laubhölzer an die Seite, zudem wird die leistungsstarke Douglasie auf dem Betrieb häufig gemeinsam mit der Fichte gepflanzt.

Individuelle Ansprüche

Doch woher soll man wissen, wo die Fichte passt und wo nicht, und wo welche anderen Baumarten besonders gut gedeihen? Die Antwort heißt: Standortkartierung. Bei dieser genauen Untersuchung des Standortes wird neben dem Ausgangsgestein und der Mächtigkeit des Bodens auch die Nährstoff- und Wasserversorgung beurteilt, zudem die Lage und Ausrichtung, die Geländebeschaffenheit (am Unterhang ist zum Beispiel mit Zuschusswasser zu rechnen) und die Bodenart.
 

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 40/2015 auf Seite 56. Weitere Teile der Serie zum Thema Standortkartierung finden Sie in den folgenden Ausgaben des Wochenblattes. Möchten Sie die LAND & Forst für einen Monat gratis zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

Auch interessant