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Wiederaufforstung

Wiederaufforstung: Neue Kulturen ins Windwurf-Chaos

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Dieter Scholz, Bezirksförsterei Hils-Vogler-Ost, LWK-Forstamt Südniedersachsen
am
13.04.2018

Die Herbst- und Winterstürme haben im Wald viele verwüstete Kahlflächen hinterlassen, die nun wieder aufgeforstet werden müssen. Doch wie soll das gehen, wenn Berge von Ästen und Zweigen den Waldboden bedecken?

Gleich vier Stürme haben vom vergangenen Herbst bis in den Frühling große Schäden in den Wäldern angerichtet: „Xavier“, „Herwart“, „Burglind“ und „Friederike“. Die jetzt erforderliche Wiederaufforstung ist nicht nur der Wunsch vieler Waldbesitzer, sondern nach § 12 des Niedersächsischen Gesetzes über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) in angemessener Frist sogar eine Pflicht.
Die Schwierigkeit ist nun, unverwertbares Kronenmaterial von der Fläche zu bekommen, um Platz für die Wiederbepflanzung zu schaffen.

In einem Arbeitsgang mit der Holzaufarbeitung

Idealerweise setzen die ersten Überlegungen dazu bereits vor oder bei der Holzaufarbeitung an. Sind hier Bagger und Harvester im Einsatz, kann im gleichen Arbeitsschritt bereits Material an die Seite geräumt oder durch das Aufarbeitungsaggregat zerkleinert und auf der Rückegasse abgelegt werden. Eine weitere Option ist die Aufarbeitung zu Hackschnitzeln. Das Entfernen des überschüssigen Restmaterials von der Fläche hilft gleichzeitig dabei, Forstschutzprobleme durch borkenkäferfängisches Kronenholz zu minimiert.

on_Sturmflächen-Aufforstung-_Wall-Schneise-Stuken

Die Flächenräumung zum Zeitpunkt der Holzaufarbeitung funktioniert naturgemäß nicht überall. Oft lässt sie sich dann nicht umsetzen, wenn die Flächengröße nicht passt, die Hangneigung zu stark ist, Maschinen nicht vorhanden sind oder es an Lagerungsmöglichkeiten mangelt.

Nicht alles hat sich bewährt

Das Verbrennen des Schlagabraums nach dem Aufschichten von Haufen ist kaum noch zeitgemäß und sollte nur noch in Ausnahmefällen aus Forstschutzgründen und mit vorheriger Genehmigung durch die Gemeinde durchgeführt werden.

Auch das Aufschichten von Wällen aus dem Schlagabraum, wie es in Zeiten der Kahlschlagswirtschaft praktiziert wurde, hat sich nicht immer bewährt. Eigentlich sollten die Wälle nach dem Verrotten im späteren Bestand als Rückegassen dienen, doch häufig entwickelte sich dort ein starker Konkurrenzbewuchs durch Pionierbaumarten, der das spätere Befahren unmöglich machte. Gleichzeitig sind die Wälle ideale Mäusebiotope, was zu Problemen führt.

on_Sturmflächen-Aufforstung-Baumpflanzen-Wuchshüllen

Die Frage nach der Bepflanzbarkeit der Fläche richtet sich aber auch nach dem angestrebten Nachfolgebestand. Womöglich ist eine flächige Räumung gar nicht nötig und man kann sich das aufwändige, intensive Räumen der Fläche eventuell sogar sparen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Baumarten eingebracht werden sollen, die nicht in großen Stückzahlen gepflanzt werden müssen. Dann reicht es möglicherweise aus, die angemessen verteilten Pflanzplätze nur kleinflächig zu räumen.

Ein Beispiel für die unterschiedlichen erforderlichen Pflanzzahlen zur Erreichung der waldbaulichen Ziele: Douglasien werden mit Stückzahlen von lediglich 2.500 bis 3.500 pro Hektar gepflanzt. Demgegenüber benötigen Eichenpflanzungen Stückzahlen von 8.000 bis 10.000 pro Hektar und sind deshalb sicher nicht in einer „unaufgeräumten“ Fläche pflanzbar.

Unter diesen Bedingungen können die Pflanzzahlen verringert werden

  • Die Pflanzenanzahl lässt sich verringern, wenn noch ein gewisser Altholzanteil als Schirm belassen werden kann. Er minimiert die negativen Freiflächenauswirkungen. Allerdings ist dies nicht mit allen Baumarten machbar: bei Flachwurzlern wie der Fichte ist es mehr oder weniger vorprogrammiert, dass die vom Sturm verschonten Restbäume nachfallen. Das Belassen des Altholzschirms macht bei dieser Baumart im Gegensatz zu Tiefwurzlern wie Lärche daher keinen Sinn.
  • Eine Verringerung der Pflanzenzahl ist in gewissen Grenzen auch dann machbar, wenn größere Pflanzsortimente auf die Fläche gebracht werden. Hilfreich sind dann zusätzlich Einzelschutzmaßnahmen, wie Wuchshüllen. Sie bieten neben dem Verbiss- und Fegeschutz den Vorteil, dass die Pflanzen in der Fläche gut sichtbar bleiben und sie haben einen gewissen Gewächshauscharakter, der das Pflanzenwachstum fördert. Unter diesen Bedingungen wird wahrscheinlich auch die Kulturpflege günstiger zu kalkulieren sein.

Die Baumartenwahl lässt sich durch die Zuhilfenahme einer Standortkartierung fundierter beurteilen als allein auf der Basis eigener Erfahrungen. Schließlich hat die Wahl der passenden Baumarten Auswirkungen auf die gesamte nächste Baumgeneration.

Welche Pflanzsortimente eingebracht werden, richtet sich nach folgenden Faktoren:

  • der Pflanzenverfügbarkeit der Baumschulen
  • dem nötigen Pflanzverfahren, das der Wurzel und dem Boden angepasst sein muss und nicht umgekehrt.

Großflächiges Bearbeiten braucht PS-Stärke

Muss die Kulturfläche bearbeitet werden, bieten sich Verfahren mit Mulchgeräten an, die das Material zertrümmern. Eingesetzt werden sollten hierbei Schlegelmulcher mit ausreichender Kraft, die mehr schaffen als die einfache Gras- und Gebüschbeseitigung.

Mulcher gibt es in unterschiedlichen Bauausführungen: als einfache Zapfwellenanbaugeräte für den Schlepper oder als Anbaugeräte am Arm eines Auslegers von Schleppern oder Baggern. Letztere Fahrzeuge bleiben auf dem Rückeweg oder der Gasse und bearbeiten die Fläche in Kranreichweite.

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Als Besonderheit ist noch ein auf einem Kettenlaufwerk selbstfahrendes Mulchgerät zu erwähnen, das aufgrund von 400 PS Maschinenkraft auch größte Stuken fräsen kann.

Die Kosten für eine Flächenvorbereitung durch Mulchen sind abhängig von der Ausführung des Gerätes, der Fläche und dem Umfang des Arbeitsauftrags (Stuken fräsen ja/nein, plätzeweises oder flächiges Arbeiten). Bei letztgenanntem Gerät und flächigem Mulchen, inklusive Stukenfräsen als Maximaleingriff können sie sich auf bis zu 20.000 €/ha belaufen.

Beim flächigen Mulchen ist zu bedenken, dass nicht zu viel Mulchmaterial eingearbeitet werden darf, um das Pflanzen nicht zu erschweren. Die Wurzeln müssen nämlich unbedingt in den Mineralboden gesetzt werden, da sie sonst schnell austrocknen.

Diese Faktoren müssen vor einer Wiederaufforstung in einem sturmgeschädigten Wald überdacht und abgewogen werden: (um das jeweils geeignetste und günstigste Verfahren zu finden)

  • Das Verfahren und die Intensität der Flächenvorbereitung
  • der Bodenschutz
  • die Standortverhältnisse (Baumartenwahl)
  • die Verfügbarkeit von passendem Pflanz- und Maschinenmaterial
  • der Kulturschutz (Zaun oder Einzelschutz)
  • der Pflanzenschutz (Borken- und Rüsselkäfergefahr)

Sturmschäden: Wiederaufforstung ist Pflicht

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