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Forst

Wildlinge statt Baumschulware?

von , am
01.10.2014

Wenn sich der Wald nicht vollflächig natürlich verjüngt, wird in der Regel mit Baumschulware aufgepflanzt - eine notwendige, oft aber kostspielige Maßnahme. Wir nennen Alternativen.

Verjüngung etabliert sich häufig in alten Rückespuren und kann dort leicht gerodet werden - hier eine junge Roteichenpflanze. © Scholz

Sie haben einen gutwüchsigen Waldbestand mit gradschaftigen, feinästigen Bäumen mit guten Holzeigenschaften und wenig Zwiesel oder Drehwuchs, bei reicher Naturverjüngung? Der Waldboden ist zudem locker und skelettarm? Dann könnte es sich lohnen, über die Werbung von Wildlingen nachzudenken.

Gesetzliche Pflichten

Unbedingt zu beachten ist dabei: Die Gewinnung von Wildlingen unterliegt - ebenso wie der Handel mit forstlichem Saatgut und Forstpflanzen - dem Forstvermehrungsgesetz (FoVG). Das Werben und Pflanzen von Sämlingen ist demnach ausschließlich im eigenen Wald oder Forstbetrieb erlaubt, weil dabei kein Vermehrungsgut „in Verkehr“ gebracht wird.

Nur gesunde, vitale und unverletzte Pflanzen, die eine Höhe von 50 cm nicht überschreiten, eignen sich für das Werben und Pflanzen. Bei größeren Pflanzen besteht die Gefahr, dass bei der Entnahme zu viele Wurzeln abreißen. Das schränkt bereits die Auswahl unter den Baumarten ein, denn Eichen und Lärchen beispielsweise bilden ausgeprägte Pfahlwurzeln. Um die genetische Vielfalt nicht allzu stark einzuengen, müssen Sämlinge von möglichst zahlreichen Samenbäumen geworben werden.

An die Qualität der Wildlinge sollten mindestens die gleichen Anforderungen gestellt werden, wie an Baumschulware. Gesuchte Pflanzen sind:
  • gut bewurzelt
  • gerade
  • gesund
  • nicht verbissen
  • zwischen 20 und 50 cm hoch.

In jedem Fall ist es kostengünstiger, ungeeignete Pflanzen sofort auszusondern, als sie mit viel Zeitaufwand zu pflanzen und dann doch hohe Ausfälle hinnehmen zu müssen. Hier gilt: Qualität vor Quantität!

Wurzeln schonen

Die Werbung der Wildlinge erfolgt am besten mit einer Grabegabel. Im Gegensatz zum Spateneinsatz werden mit diesem Werkzeug die Wurzeln nicht gekappt, sondern lediglich der sie umgebende Boden gelockert. Anschließend können die Pflanzen von Hand ausgezogen werden. Keinesfalls sollten sie ohne Auflockerung aus dem Boden entnommen werden, sonst reißen zu viele Wurzeln ab. Alternativ kann mit einem Hohlspaten Ballenware ausgestochen und verpflanzt werden.

Wildlinge sollten an Standorte mit ähnlichen Lichtverhältnissen gepflanzt werden, wie unter dem Samenbaum. Weil die Verjüngung meist im Halbschatten anwächst, wäre der Pflanzschock beim Verpflanzen auf eine Freifläche zu groß und Ausfälle drohen, die dann die Kostenvorteile der billigeren Pflanzbeschaffung wieder zunichte machen.

Daher:
Vermeiden Sie Pflanzungen von Wildlingen auf ausgeprägten Freiflächen, bei starker Humusauflage (mangelnder Kontakt zum Mineralboden) oder starker, konkurrierender Begleitvegetation.

Fazit

Wenn der Standort passt und die Voraussetzungen stimmen, ergeben sich aus dem Verfahren zahlreiche Vorteile:
  • Kostenreduzierung durch Einsparungen beim Pflanzenkauf,
  • geringere Verbissgefährdung (Baumschulware "riecht" für das Wild wie "gut gedüngt" und wird häufig gezielter verbissen als Naturverjüngung
  • mehr Unabhängigkeit aufgrund der eigenen Logistik mit selbst festgelegten Lieferzeitpunkten.
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