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Forst

Zukunftsbaum oder Auslaufmodell?

von , am
05.02.2014

Welchen Platz wird die Kiefer (Pinus sylvestris) in Zukunft in unseren Wäldern, insbesondere bei den umfangreichen Waldumbauten, einnehmen? Wir fragten Bezirksförster Peter Mencke aus Salzhausen.

Ein typischer, geförderter Waldumbau mit einer Baumartenmischung aus 2/3 Douglasie, 1/3 Buche und Kiefernaturverjüngung als Unterpflanzung. © Mencke
Sie ist in Niedersachsen weit verbreitet und in der Lüneburger Heide nach wie vor die Hauptbaumart. Die Kiefer ist eine sehr robuste Baumart. Sie war daher der ideale Pionier für die Heideaufforstungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihre Standortansprüche sind relativ gering. Sie zeigt auch auf armen Böden mit geringer Wasserversorgung noch ein ausreichendes, aber vor allem gesundes Wachstum.

Guter Baustoff

Die Massenleistung der Kiefer liegt zwischen fünf und acht Festmetern pro Jahr und Hektar. Damit liegt sie zwar hinter der Douglasie und der Fichte, ist dafür aber deutlich genügsamer. Die Kiefer liefert gutes Bauholz. Sägewerker und Zimmerer verarbeiten zwar in der Regel lieber die geradere und leichtere Fichte, die Kiefer besitzt jedoch Kernholz und ist somit dauerhafter. Im Osten Niedersachsens, wo zunehmend kontinentales Klima herrscht, wächst sie gerader und hochwertiger als in den westlichen Landesteilen.

Beim Forstschutz, also der Anfälligkeit gegenüber Schädlingen und Umwelteinflüssen, zeigt sich die Kiefer meist gesünder und widerstandsfähiger als die anderen Nadelbaumarten.
Borkenkäferbefall, der bei der Fichte immer sehr ernst zu nehmen ist, spielt bei der Kiefer eine weniger große Rolle.

Allerdings sind die großen Kieferngebiete Ostniedersachsens teilweise durch Kieferngroßschädlinge wie Spinner, Buschhornblattwespe, Forleule und Nonne gefährdet. Die Raupen dieser Kleinschmetterlinge fressen die Kiefernnadeln. Regional ist der Wurzelschwamm ein Problem. Dieser Pilz wächst an der Wurzel und bringt die Bäume auch flächig zum Absterben.Nicht zu unterschätzen ist zudem die Waldbrandgefahr für Kiefernwälder.

Umbaugeeignet

Waldbaulich ist der Umbau von Kiefernreinbeständen zu standortgerechten Mischwäldern vorrangig. Die Heideflächen und Grenzertragsäcker wurden seinerzeit mit Kiefern ohne Mischbaumart begründet. Dies war allgemein üblich. Insbesondere die ehemaligen Heidestandorte haben sich wieder etwas verbessert und lassen jetzt in der zweiten oder dritten Waldgeneration eine anspruchsvollere Baumart zu.

Die Kiefer ist für diese Umbauten als sogenannte Lichtbaumart gut geeignet. Sie braucht zwar selbst viel Licht zum Wachsen, lässt aber auch durch ihre lockeren Kronen viel Licht an den Boden. So kann man bereits früh, ab einem Alter 50 bis 60 Jahre, mit Unterpflanzungen, überwiegend von Buche, beginnen. In diesem Alter spricht man allerdings eher von einer Überführung des Reinbestandes in einen Kiefer-Buchenmischwald. Der typische Umbau findet in der Regel erst ab einem Alter von 70 bis 80 Jahren statt. Hier werden verschiedene Hauptbaumarten unter einen lichten Kiefernschirm gepflanzt, der Jahre später geerntet wird.

Übersteht Trockenzeiten

Ist die Kiefer also ein Auslaufmodell? Wohl kaum, denn im Zuge der Umbauten sät sie sich aus dem Restbestand selbst an und bleibt im Folgebestand neben den gepflanzten Bäumen vertreten. So lassen sich auch ohne Pflanzung, als reine Naturverjüngung, neue Kiefernbestände begründen.

Wichtig wird nach meiner Einschätzung ihre Rolle beim Klimawandel werden. Lange Frühjahrs- oder Sommertrockenheiten machen uns zunehmend Probleme. Die Kiefer ist von unseren heimischen Baumarten am besten geeignet, solchen Witterungsextremen standzuhalten. So werden wir sie in Zukunft sicher wieder häufiger pflanzen.
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