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Forst

Eine zweite Chance für Jungeichen

von , am
19.03.2014

Eichen-Naturverjüngungen sind beim Rehwild sehr beliebt und werden stark verbissen. Wie aus deformierten Pflanzen doch noch vollwertige Bäume erwachsen können, haben wir für Sie recheriert.

Die gut entwickelten Bäumchen werden nach einigen Jahren von der Folie befreit und diese durch einen Drahtfegeschutz ersetzt. © Hagemann
Häufig ist es der Eichelhäher, der mit seiner Vorratshaltung dafür sorgt, dass sich die Stieleiche nahezu überall verjüngt, obwohl oft gar keine Saatbäume in unmittelbarer Nähe zu finden sind. Es gibt kaum eine Freifläche, Blöße oder lichtes Altholz, in der sich nicht schon bald eine üppige Eichen-Naturverjüngung einstellt.

Starke Wurzeln

Doch vielerorts verbeißt das Rehwild die jungen Eichenpflanzen stark und lässt nur Strünke zurück. Eine in Polen abgeschaute Methode ist geeignet, solchen, kaum übernahmewürdigen Naturverjüngungen eine zweite Chance auf Wüchsigkeit und Qualität zu verschaffen.

Dazu werden vor dem Laub-austrieb in den Monaten März/April die verbissenen Triebe etwa 10 cm über dem Boden mit einer scharfen Schere schräg abgeschnitten. Oft sind die Wurzeln dieser Pflanzen schon viele Jahre alt und deshalb die abgeschnittenen Stümpfe enorm ausschlagfreudig.

Um die frischen Triebe vor erneutem Wildverbiss zu schützen, wird ein rund 1,20 m langer Folienschlauch über die Schnittstelle gestülpt und an einem dünnen Stab mittels Tackerklammern befestigt. Darin stehen die abgeschnittenen Eichen wie in einem Mini-Gewächshaus, deren feucht-warmes Klima verbunden mit dem Wuchspotenzial der mehrjährigen Wurzeln die neuen Triebe bereits im ersten Jahr bis zu einen Meter wachsen lässt. In aller Regel werden sich aus jedem Stock mehrere Triebe entwickeln, die sich aber im zweiten Jahr selbst differenzieren, so dass sich normalerweise pro Schlauch ein starker, gerader Trieb durchsetzt.

Kostengünstige Methode

Nach drei bis vier Jahren sollten die Folienschläuche auch aus Umweltschutzgründen eingesammelt und gegebenenfalls durch Drahthosen oder Fegemanschetten ersetzt werden, um zu verhindern, dass die nun gut entwickelten Pflanzen noch von Rehböcken verfegt werden.

Den benötigten Folien-schlauch erhält man in der Verpackungsindustrie. Bewährt hat sich ein Schlauch von 200 mm Breite und 0,20 mm Stärke. Die Kosten pro Rolle (= 100 m) betragen rund 20 €. Die Stäbe, an denen die Folienschläuche befestigt werden, lassen sich leicht und günstig durch Auftrennen entsprechender Bretter selbst herstellen.
Damit ist dieses Verfahren insbesondere im Kleinstprivatwald mit entsprechender Eigenleistung sehr kostengünstig zu realisieren.

Fazit

Mit der Folienschlauch-Methode lassen sich qualitativ unattraktive Eichen-Hähersaaten leicht und günstig wiederbeleben. Dieses gelingt - vor allem aufgrund der mehrjährigen, vitalen Wurzeln - auch auf solchen Standorten, auf denen eine Pflanzung wegen der intensiven Begleitvegetation nahezu aussichtslos erscheint.
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