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Kommentar

Für alle muss die Münze klingen

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
05.04.2018

Eine Erfolgsmeldung jagt die nächste, Konzerne bejubeln ihre Bilanzen. Schön für sie. Aber wo bleiben da die Erzeuger, fragt LAND & Forst Chefredakteur Ralf Stephan.

Seit einigen Tagen reißen die Erfolgsbotschaften aus den Pressestellen der großen Unternehmen nicht ab:  Agravis meldet für das vergangene Jahr ein Umsatzplus von fast vier Prozent. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg sogar um über sieben Prozent. Das niederländisch-deutsche Schlachtunternehmen Vion legt ein um fünf Prozent besseres Ergebnis vor als im Vorjahr und wird zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder eine Dividende zahlen. Und das langjährige Sorgenkind DMK konnte sein Ergebnis sogar mehr als verdoppeln.

Durchweg und ohne Einschränkung sind das gute Nachrichten. Weil gesunde Unternehmen nicht nur gut sind für ihre Gesellschafter und Aktionäre, sondern auch für den Markt. Solide Ergebnisse schaffen Handlungsspielraum.
Es ist Geld da für Investititionen, für Innovationen und neue Marktziele. Das verschafft nicht zuletzt mehr Stärke gegenüber Handelspartnern. Am Deutschen Milch-Kontor und auch an Vion konnte man in den vergangenen Jahren leider anschaulich beobachten, wie es ist, wenn Unternehmen Gefangene ihrer schlechten Zahlen sind. Auch in der Historie der Agravis finden sich solche weniger erfreulichen Kapitel.

Zumindest die Ergebnissprünge bei den Handelshäusern zeugen davon, dass es auch der Landwirtschaft wieder besser geht. Nur wenn Landwirte Geld übrig haben, investieren sie und kaufen neue Technik.

Gesamte Wertschöpfungskette muss profitieren

Wie man sieht, lässt sich also den positiven Zahlen im vor- und nachgelagerten Bereich mit ein wenig gutem Willen viel Ermutigendes abgewinnen. Selbst wenn die eigenen längst nicht so viel Anlass zur Freude bieten. Denn die Hauptkunden dieser Unternehmen, die Landwirte, schätzten zum Zeitpunkt der Konzernabschlüsse ihre eigene Lage längst nicht so zuversichtlich ein.

Das Konjunkturbarometer des Deutschen Bauernverbandes vom Jahresende 2017 wies einen deutlichen Dämpfer aus - hauptsächlich ausgelöst von niedrigen Erzeugerpreisen bei Milch und Schwein. Die seinerzeit befürchtete neue Milchmarktkrise kam zum Glück nicht. Aber die gute Stimmung ihrer Geschäftspartner vermochte trotzdem nicht auf die Erzeuger überzuspringen. Das könnte daran liegen, dass den Bauern der alte Krämergrundsatz sehr vertraut ist, nach dem der Segen im Einkauf liegt.

Letzten Endes wird die Rechnung dauerhaft nur dann aufgehen, wenn die gesamte Wertschöpfungskette von guten Konzernzahlen an beiden Enden auf direkte Weise spürbar profitiert. Transparente Regeln, klare Strukturen und faire Konditionen tragen dazu ein gutes Stück bei.

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