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Geld & Recht

Bejagungsschneisen und Ertragsausfall

von , am
30.07.2014

Der verstärkte Maisanbau hat in vielen Regionen den Schwarzwildbestand stark ansteigen lassen. Bejagungsschneisen werden angelegt. Ein Urteil klärt bislang strittige Rechtsfragen zum Ertragsausfall.

Meistens ist das Anlegen von Bejagungsschneisen zwischen Landwirten und Jägern kein Streitthema. © Mühlhausen/landpixel
Vor allem dort, wo Maisschläge direkt an Waldflächen angrenzen, kann Schwarzwild ungestört in den Mais einwechseln. Andere örtliche Begebenheiten, wie zum Beispiel die Schlaggröße, erschweren die Bejagung zur Wildschadensverhütung ebenfalls, zumal auch Elektrozäune oft nur eine zeitlich begrenzte Wirkung haben. Daher fordert die Jägerschaft oft das Anlegen von Bejagungsschneisen auf den betroffenen Schlägen als einziges wirkungsvolles Mittel. Zwischen Landwirten und Jägern, die ein gutes nachbarschaftliches und kooperatives Verhältnis haben, ist das Anlegen solcher Bejagungsschneisen regelmäßig kein Problem, Landwirte erhalten ihren Ertragsausfall der Schneisen vom örtlichen Jäger ersetzt.

Keine Verpflichtung

Wenn aber - was immer einmal wieder vorkommt - das Verhältnis zwischen den Landwirten und den örtlichen Jägern gestört und eine Abstimmung über Schneisen schwierig ist, gibt es regelmäßig Diskussionen bzw. Auseinandersetzungen bis hin zu Rechtsstreitigkeiten über die Frage, ob die Landwirte verpflichtet sind, Bejagungsschneisen anzulegen und ob sie trotz Nichtanlegens einer Schneise Anspruch auf den vollen Ersatz des eingetretenen Wildschadens haben.

Das Landgericht Hildesheim (Urteil vom 4. Juli 2014,  Az. 7 S 62/14) hat hierzu jüngst entschieden, dass ein Landwirt grundsätzlich nicht zum Anlegen von Bejagungsschneisen verpflichtet ist, da er sich so unmittelbar selbst schädigen würde. Auch wenn der Jäger ihn auffordert, eine Bejagungsschneise anzulegen, muss er nicht unmittelbar Folge leisten, sondern hat dennoch grundsätzlich einen Anspruch auf vollen Schadensersatz.

Etwas anderes gilt aber dann, wenn der jeweilige Jäger, verbunden mit der Aufforderung, eine Bejagungsschneise anzulegen, dem Landwirt anbietet, den durch das Anlegen der Bejagungsschneise eintretenden Ertragsausfall zu entschädigen. Weigert sich ein Landwirt auch in diesem Fall, eine Bejagungsschneise anzulegen, kann er später nicht den vollen Schadensersatz geltend machen. Denn dann muss er sich ein Mitverschulden am eingetretenen Wildschaden anrechnen lassen, da er seine Mitwirkung, einen größeren Wildschaden zu verhindern, verweigert hat, obwohl ihm vom Jäger eine Entschädigung angeboten wurde, so dass ein wirtschaftlicher Nachteil gar nicht erst entstanden wäre.

Teilverlust des Anspruchs

Für die Praxis hat diese Entscheidung einige Streitfragen geklärt. Landwirte können das von vielen örtlichen Jägern geforderte Anlegen einer Bejagungsschneise nun von der Zahlung einer Ertragsausfallentschädigung abhängig machen. Aus Sicht der Jäger ist nun geklärt, dass Landwirte ein Mitverschulden trifft, wenn sie trotz angebotener Entschädigung eine Bejagungsschneise verweigern. Zwar kann niemand zum Anlegen einer solchen Schneise gezwungen werden, betroffene Landwirte verlieren dann aber einen Teil ihres Schadensersatzanspruchs.
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