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Geld & Recht

"Fracking" auch unter meinem Feld?

von , am
10.07.2013

Beim Thema Fracking gehen nicht nur Umweltschützer auf die Barrikaden, auch Landwirte sind in Sorge um Trinkwasser und eigene Flächen. Was aber ist, wenn Ihre eigenen Flächen betroffen sind?

Ein Bohrkern aus einer Probebohrung in Schiefergestein. Durch Risse, die von Stützmitteln offen gehalten werden, kann das Gas aus den winzigen Poren zum Bohrloch fließen. © Gerstenkorn
Die USA entwickeln sich aktuell zum Gasexporteur, es herrscht dort ein regelrechter Erdgas-Boom, die Preise für Energie sind deutlich gesunken. Der Grund dafür ist eine Technologie, durch die bisher nicht verfügbares Erdgas, das in winzigen Gesteinsporen gespeichert ist, förderfähig wird. Darunter ist das sogenannte "Fracking" zu verstehen. Während das Verfahren in Deutschland bisher nur in tiefen und dicht gelagerten Sandstein-Schichten angewendet wurde, sollen nun auch höher gelegene Schiefer- und Kohleflözgas-Schichten auf diese Weise erschlossen werden. Kritiker sehen eine enorme Bedrohung für Natur und Grundwasser. Landwirte müssten ohnehin schon mehr als knappes Acker- und Grünland abgeben.

Deutschland wartet ab

Aktuell sind die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland so ungewiss, dass die Erdgasunternehmen abwarten und keine Bohrungen in potenziellen Schiefergas-Lagerstätten durchführen. Eine Neuregelung der Vorgaben für das Erschließen dieser ?unkonventionellen Lagerstätten? hat die Regierung auf die Zeit nach der Bundestagswahl verschoben. Bereits in den Verhandlungen deutete sich an, dass die Energiekonzerne mit scharfen Auflagen rechnen müssen. Sensible Bereiche wie Wasserschutzgebiete, Trinkwassereinzugsgebiete, Heilquellen und Naturschutzgebiete sollen für Frac-Maßnahmen ausgeschlossen werden. Umweltverträglichkeitsprüfungen und die Beteiligung der Öffentlichkeit, die schon jetzt vom Bergbauamt gefordert werden können, sollen Pflicht werden.

Für den texanischen Energiekonzern Exxon Mobil beispielsweise wären die Vorgaben im dicht besiedelten Deutschland damit deutlich schärfer, als im großflächigen Heimatland. Befürworter, wie die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, sehen in dem Erdgas, dass durch Fracking zusätzlich gewonnen werden könnte, einen wichtigen Baustein der Energiewende. Sie warnen davor, die Technologie in Deutschland pauschal abzulehnen. Exxon Mobil hat Deutschland, insbesondere Niedersachsen, als Standort für Frac-Maßnahmen trotz der Hürden noch fest im Blick. Kürzlich hat das Unternehmen Vertreter der niedersächsischen Kreislandvolkverbände über die Technologie, die damit verbundenen Chancen und Risiken und Möglichkeiten der Flächenentschädigungen informiert.

Eine enorme Gefahr, besonders für die Landwirtschaft, wäre eine Kontamination von Boden oder Wasser mit Chemikalien. Selbst wenn dieser Fall nicht eintritt, könnte das Image betroffener Regionen als Standort für die Nahrungsmittelproduktion in Mitleidenschaft gezogen werden.

Kalkulierbares Risiko?

Um das Grundwasser zu schützen, bestehe die Bohrung in den oberen Bodenschichten aus mehreren einzementierten Rohren, die den Bohrstrang vom Grundwasser abschirmen, erklärt Exxon Mobil. Die eigentliche Frac-Maßnahme werde in mindestens 1.000 Meter Tiefe durchgeführt. Diese Schicht sei durch eine Deckschicht vom Grundwasser agetrennt. In Gebieten, in denen tektonische Unregelmäßigkeiten, zum Beispiel verschobenen Erdplatten, auftreten, werde auch nicht gefrackt, so das Unternehmen. Im "normalen Betriebsumfang" könne weder die mit Chemikalien versehene Frac-Flüssigkeit, noch das mitgeförderte und mit verschiedenen Giftstoffen belastete Lagerstättenwasser in die Umwelt gelangen.

Um die Risiken so weit wie möglich zu minimieren, wurde ein "Neutraler Expertenkreis" unter der Leitung von Professor Dietrich Borchardt, Leiter des Departments Aquatische Ökosystemanalyse und Management am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, ins Leben gerufen. Finanziert von Exxon könne der von Borchardt aus verschiedenen Disziplinen zusammengestellte Expertenkreis selbst gewählte Themen bearbeiten und auf Bürgerfragen eingehen. So wären zum Beispiel die chemischen Zusatzstoffe bereits auf ein Minimum reduziert worden. Bohrungen in Trinkwasserschutzgebieten schließe das Unternehmen freiwillig aus, das Grundwasser soll im Rahmen eines Monitorings überwacht werden.

Wieviel Fläche wird gebraucht?

Für einen Bohrplatz benötigt Exxon Mobil etwa einen Hektar Land, plus Ausgleichsfläche. Falls das Verfahren in Deutschland zur Anwendung kommt, müsste mit einem Bohrplatz pro 4 qkm in zwei bis vier Jahren gerechnet werden, dieses Maß könne sich nach drei bis acht Jahren auf einen Bohrplatz pro 2 qkm verdichten. Das würde bedeuten, dass sich auf 100 qkm bis zu 50 Bohrplätze befinden. Da aber viele Regionen, neben Natur- und Wasserschutzgebieten auch das Umfeld von Siedlungen, ausgenommen wären, hält das Unternehmen diese Dichte in Deutschland für unwahrscheinlich. Außerdem würden die Maßnahmen zeitversetzt stattfinden und soweit möglich mehrere Bohrungen auf einem Platz konzentriert und in verschiedene Richtungen geführt. Gegenüber der jetzigen Erdgasgewinnung ginge das Verfahren aber deutlich mehr in die Fläche. Im Vergleich zu Biogas mit einem Flächenbedarf von 408 qkm, Wind- und Solarenergie mit je rund 20 qkm für die gleiche Energiemenge sei Erdgas mit einem Hektar flächenschonender. Nach einer Erkundungsbohrung, die zwei bis drei Monate dauert, schließe sich eine deutlich über ein Jahr dauernde Feldentwicklung an, gefödert werde je nach Gasvorkommen rund 15 bis 30 Jahre auf einem Platz. Danach werde der Platz rekultiviert, der Boden untersucht und eventuell kontaminiertes Material ausgetauscht.

Weg ist weg!?

Während die Bohrplätze zurückgebaut werden, sehen die Landvolkvertreter schlechte Chancen für eine spätere Rücknahme der Ausgleichsflächen in die Landwirtschaft. Das Unternehmen bestätigt dies für einen Teil der Flächen. Für die Anpachtungen der jetzigen Bohrplätze seien im Unternehmen acht regional verantwortliche Mitarbeiter zuständig, die derzeit etwa 40.000 Pachtverträge verwalten. Obwohl theoretisch auch eine zwangsweise Grundübernahme infrage käme, sei es zu diesem Fall in der Vergangenheit nie gekommen, berichtet das Unternehmen. Die Flächen würden mit  20 Prozent des Grundstücksverkehrswertes entschädigt, obwohl nur zehn Prozent vorgeschrieben seien. Nicht mehr nutzbare Restflächen würden mit angepachtet. Zudem zahlt das Unternehmen Aufwandsentschädigungen für die aufgebrachte Zeit, für einen Notartermin zum Beispiel 80 Euro. Laut Landvolk könne dafür aber heute kein Landwirt mehr den Betrieb verlassen. Auch die Orientierung am Grundstücksverkehrswert sei veraltet, regelmäßige Zahlungen daher einer Einmalzahlung deutlich vorzuziehen. Exxon Mobil sieht darin einen zu großen administrativen Aufwand, will aber mit dem Landvolk im Gespräch bleiben.

Fazit

So überzeugend die Argumente des Unternehmens, die auch unter www.erdgassuche-in-deutschland.de nachzulesen sind, klingen, bei einem solch weitreichenden Eingriff im Unsichtbaren, ist eine genaue Abwägung der Risiken und des Nutzens sicher angebracht. Die Bürgerinnen und Bürger sind für das Thema sensibilisiert. Den Erdgasunternehmen, in diesem Fall Exxon Mobil ist das sehr wohl bewusst. Ihnen bleibt für die wirkliche Überzeugungsarbeit nur der offensive Weg im Dialog mit allen Interessengruppen.
 
 
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