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Geld & Recht

Gefälligkeit oder Schwarzarbeit?

von , am
03.04.2013

Um beim Bau des neuen Eigenheimes Geld zu sparen, werden oft handwerklich geschickte Kollegen und Nachbarn um Hilfe gebeten. Dabei gilt es aber einiges zu beachten.

Wer Helfer "schwarz" auf seiner Baustelle beschäftigt, setzt Gewährleistungsansprüche aufs Spiel und riskiert Strafen. © fotolia/auremar

Nach Berechnungen des Verbandes privater Bauherren lassen sich beim Bau eines 140 Quadratmeter großen Reihenhauses theoretisch bis zu 25.000 Euro durch Eigenleistung einsparen. Bei der Kreditvergabe rechnen die Banken die Eigenleistung mit ein - als sogenannte Muskelhypothek. Doch um so viel Geld zu sparen, muss der Bauherr fast 850 Stunden auf seiner Baustelle arbeiten. Bei einer einjährigen Bauzeit bedeutet dass eine zusätzliche wöchentliche Arbeitsbelastung von rund 16 Stunden. Ob das realistisch ist, sollten angehende Bauherren genau überlegen, um nicht hinterher auf halber Strecke doch teurere Handwerker beauftragen zu müssen. Auch eine Erkrankung kann die Baustelle schnell zum Erliegen bringen und den aufgestellten Zeitplan für Umzug und Kündigung der alten Wohnung über den Haufen werfen.  

Bauhelfer anmelden

Sobald Familienangehörige, Nachbarn oder Freunde auf der Baustelle helfen, sollten Bauherrn unbedingt daran denken, sie binnen einer Woche nach Arbeitsbeginn bei der regionalen Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) anzumelden und gegen Unfälle zu versichern. Wer die Anmeldung versäumt, muss mit Bußgeldern bis zu 2.500 Euro rechnen. Das Risiko, erwischt zu werden, ist groß, weil Bauanmeldungen von den örtlichen Bauämtern an die Versicherer weitergeleitet werden. Auf Anforderung hat der Bauherr einen Nachweis einzureichen, der die Namen und Vornamen der bei den Eigenbauarbeiten tätig gewordenen Personen, die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden, die Art der Arbeiten sowie das eventuell gezahlte Entgelt enthält.

Ausgenommen von dem gesetzlichen Versicherungsschutz durch die Berufsgenossenschaft BAU sind der Bauherr selbst sowie sein Ehegatte oder Lebenspartner. Sie haben zwar die Möglichkeit sich freiwillig in der Bau-Berufsgenossenschaft zu versichern. Doch der Schutz ist für Bauherren oft kostspielig - preiswerter können sie sich oft mit einer privaten Unfallversicherung vorsorgen.  

Knüppeldick kann es kommen, wenn einem nicht vom Bauherrn bei der Berufsgenossenschaft gemeldeten Helfer auf der Baustelle etwas passiert - der Bauherr wird womöglich wegen grober Fahrlässigkeit in Regress genommen und muss finanziell für die Unfallfolgen aufkommen. Die Helfer selbst sind in jedem Fall versichert, auch wenn der Bauherr die Anmeldung versäumt. So verurteilte das Bayrische Landessozialgericht im vergangenen Jahr die Bauberufsgenossenschaft, der Witwe eines tödlich verunglückten Malers eine Rente zu zahlen (Az. L 3 U 255/10). Der pensionierte Maler hatte seinem Nachbarn geholfen, das Haus zu streichen. Er war dabei vom Gerüst gestürzt und ums Leben gekommen. Nach Meinung der Sozialrichter war die BG Bau in diesem Fall zahlungspflichtig, da die Nachbarschaftshilfe des Malers über eine übliche Gefälligkeit und eine alltägliche Handreichung hinausgegangen war.

Gegen finanzielle Risiken eines Bauunfalls bietet die BG Bau einen preiswerten Schutz. Formulare gibt es bei den Geschäftsstellen der BG Bau (Internet: www.bgbau.de). Die Kosten halten sich im Rahmen - pro Helfer und Stunde kostet das in den alten Bundesländern 2,06 Euro (Werte für 2012). Mindestens muss ein Beitrag von 100 Euro einkalkuliert werden. Waren alle Helfer zusammengerechnet nicht länger als 40 Stunden auf dem Bau tätig, übernimmt die Unfallkasse der öffentlichen Hand den Unfallschutz.
Fazit

Doch wie ist das mit der Entlohnung der Bauhelfer? "Nachbarschaftshilfe" ist erlaubt und rechtlich problemlos. Sogar eine kleine Anerkennung darf man den freiwilligen Helfern bar bezahlen - solange das nicht in eine Fixvergütung nach geleisteten Stunden ausartet.
Grenze zur Schwarzarbeit

Sobald jedoch eine abgesprochene Vergütung nach geleisteten Stunden oder Gewerken bezahlt wird, geht der Ärger los. Denn wer als Bauhelfer oder Handwerker Geld verlangt, muss den Nebenverdienst beim Finanzamt angeben. Die "Finanzkontrolle Schwarzarbeit", eine Behörde des Zolls,  kontrolliert unangekündigt Baustellen. Fliegt eine illegale Beschäftigung auf, wird es teuer, sowohl für den Bauherrn als auch für den Helfer. Nicht nur Steuern und Sozialabgaben werden nacherhoben, zusätzlich drohen auch empfindliche Strafen. Kann der Helfer die Abgaben nicht bezahlen, wird der Bauherr als Auftraggeber in Haftung genommen. Er kann vom Finanzamt auch als wirtschaftlicher Arbeitgeber der Bauhelfer angesehen werden und muss dann für nachberechnete Sozialabgaben und Lohnsteuern einstehen.

Wer Handwerker auf seinem Bau schwarz beschäftigt, spart zwar Geld. Er setzt aber gleichzeitig Gewährleistungsansprüche aufs Spiel, wenn Arbeiten mangelhaft ausgeführt wurden. Ohne ordentliche Rechnung lassen sich Gewährleistungsansprüche kaum gerichtlich durchsetzen. Fehler von willigen Freunden und Kollegen muss der Bauherr ohnehin selbst ausbügeln.
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