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Geld & Recht

Gefahren auf dem Dach

von , am
25.03.2014

Stürme wie "Christian" und "Xaver" haben die Dächer vieler Gebäude beschädigt. Nach solchen Ereignissen werden der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) mehr Unfälle nach Dachdurchbrüchen gemeldet.

Viele Dacheindeckungen müssen als nicht begehbar eingestuft werden. Dazu gehören unter anderem bestimmte Wellplatten. © SVLFG
Leichtsinn, Unachtsamkeit oder Fehleinschätzung sind die häufigsten Gründe, die zu Unfällen führen. Welche schweren Folgen aus einem  falschen Schritt resultieren können, verdeutlichen zwei reale Beispiele:

Schwere Verletzungen

Am Unfalltag entdeckte einLandwirt eine fehlende Abdeckung am First seiner Halle. Er stieg auf das Dach, um den Schaden genauer zu begutachten. Am First angekommen überkam ihn die Höhenangst, woraufhin er rückwärts auf Knien und Händen wieder hinunter kletterte. Dabei übersah er eine Lichtplatte. Diese brach und der Landwirt stürzte sechs Meter in die Tiefe. Durch den Aufprall erlitt er schwerste Verletzungen. Der Landwirt selbst konnte noch den Notruf absetzen. "Ich habe Glück, dass ich noch lebe", sagte er während der Unfallermittlung gegenüber dem Mitarbeiter der Berufsgenossenschaft. Die Behandlungskosten für den Arbeitsunfall beliefen sich auf 44.000 Euro. Sie wurden von der SVLFG übernommen.

Nicht alles begehbar

Ein weiterer Betroffener schilderte seinen Dachdurchbruch so: "Ich wollte nur eine Wellplatte auswechseln. Beim Übersteigen von der Leiter auf die Traufe überlegte ich noch, nur auf die Schraubenköpfe zu treten, weil sich darunter die Dachlatten befinden. Diese Überlegung war jedoch noch nicht bei meinen Füßen angekommen. Ich machte einen Schritt und brach durch die Faserzementplatte." Knochenbrüche und mehrere Monate Arbeitsunfähigkeit waren die Folge. Die Behandlungskosten beliefen sich in diesem Fall auf 18.000 Euro.

Bei den Unfallermittlungen durch die Technischen Aufsichtspersonen der Berufsgenossenschaft zeigt sich deutlich, dass bei Dacharbeiten häufig auf sämtliche Absturzsicherungen verzichtet wird. Die Betroffenen nehmen scheinbar in Kauf, dass ein Fehltritt ihr ganzes Leben verändern kann.

Wer an oder auf einem Dach arbeiten will, sollte sich vorher klar machen, dass zahlreiche Dacheindeckungen, die in der Landwirtschaft verwendet werden, als nicht begehbar einzustufen sind. Das sind zum Beispiel:

Wellplatten aus Bitumen
Wellplatten aus Faserzement
Wellplatten aus Kunststoff
Lichtplatten aus PVC
Glasdächer

Solche Eindeckungen dürfen erst dann betreten werden, nachdem Schritte gegen die Gefahr des Durchbrechens unternommen wurden.

Können Bauteile beim Begehen brechen, müssen Last verteilende Beläge von mindestens 50 Zentimetern Breite verwendet werden, die ein sicheres Ableiten der auftretenden Kräfte auf die tragende Unterkonstruktion gewährleisten und gegen Verschieben und Abheben gesichert sind.

Erfahrungen aus verschiedenen Unfällen zeigen, dass Lichtplatten in der Nähe des Arbeitsbereiches zusätzlich abgedeckt werden müssen. Bei wartungsintensiven Anlagen und Einrichtungen auf dem Dach müssen mindestens 50 Zentimeter breite Laufstege mit einseitigem Seitenschutz angebracht werden.

Vor Absturz schützen

Unabhängig von Lauf- und Arbeitsstegen bedarf es einer zusätzlichen Absturzsicherung, wenn die Fallhöhe mehr als drei Meter beträgt, beispielsweise in Form eines Seitenschutzes, Standgerüstes oder eines Sicherheitsdrahtgitters. Verzichtbar ist das nur dann, wenn eine solche Vorrichtung aus arbeitstechnischen Gründen nicht möglich und stattdessen Auffangeinrichtungen vorhanden sind. Eignen sich Auffangeinrichtungen nicht, darf ein Anseilschutz verwendet werden, dessen Sicher-heitsgeschirre an tragfähigen Bauteilen bzw. Anschlageinrichtungen befestigt werden.

Ein Fachunternehmen mit den Dacharbeiten zu beauftragen, ist der sicherste Schutz vor einem Unfall. Landwirte sollten sich dabei vom Auftragnehmer bestätigen lassen, dass er bei den Arbeiten die Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz einhält.
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