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Landgericht Verden

Gerichtsprozess um Lothar Lampe: Wo kommen die Millionen her?

Lothar-Lampe-Gerichtsurteil-Landvolk-Diepholz
Wilhelm Bergmann und Lothar Lampe (v. l.) mit ihren Anwälten. © Sabine Hildebrandt
von , am
06.11.2017

Woher kam das Geld für die Millionen-Spende des Landvolks Diepholz? Dieser Frage ging das Landgericht Verden heute (6.11.) im Strafprozess um Lothar Lampe nach.

Am zweiten Verhandlungstag im Strafprozess um Lothar Lampe, ehemaliger Vorsitzender vom Landvolk Diepholz, stand die Frage im Fokus: Woher kam das Geld für die Millionen-Spende des Landvolks Diepholz? Deshalb wurde das ehemalige Vorstandsmitglied Dr. Jochen Meyer befragt. Besonders pikant: Meyer ist der Neffe des Angeklagten.

Landvolk Dienstleistungsgesellschaft war Neffen von Lampe unbekannt

„Mein Onkel hat mich durchaus gefördert. Es gab die Vorstellung, dass ich Vorsitzender werde“, sagte Meyer vor der 9. Strafkammer. Seit 2005 gehörte er dem Vorstand an, 2009 rückte er auf die Position des Stellvertreters vor und damit in den sogenannten geschäftsführenden Vorstand.

„Die ganze Zeit über habe ich nie etwas von der Landvolk Dienstleistungsgesellschaft gehört“, betonte der 44-jährige Landwirt. Von dem Konto der Tochtergesellschaft gingen offenbar die Millionen-Überweisungen an die Stiftungen.

Landvolk-Chef Lampe war Geschäftsführer der Tochergesellschaft

Nachdem diese Ungereimtheiten auftauchten, habe es im Sommer 2012 eine Sonderprüfung gegeben. Danach war klar, dass auch der ehemalige Landvolk-Geschäftsführer Wilhelm Bergmann, der ehemalige Steuerberater Johann-Lüken Gerdes und seine Frau Algrid Hagen-Gerdes Zahlungen aus diesem Topf erhalten hatten.

Geschäftsführer der Tochtergesellschaft war Landvolk-Chef Lothar Lampe, dem nun schwere Untreue vorgeworfen wird. Lampes Anwälte versuchten nachzuweisen, dass Jochen Meyer sehr wohl Kenntnis von der Dienstleistungsgesellschaft hatte.

Da seien zum einen die Prospekte für Windparks gewesen, die bereits auf dem Titel die Bezeichnung „Dienstleistungsgesellschaft“ trugen. Zum anderen habe Meyer selbst einen Pachtvertrag unterschrieben, in dem ein Partner die Tochtergesellschaft gewesen sei.

Prozess um Lampe geht am 15. November weiter

Meyer wiederum warf der Gegenseite vor: Es wurde aktiv daran gearbeitet, dass der Vorstand nichts von der „reichen Tochter“ erfährt. Er habe seinen Onkel seinerzeit darauf angesprochen, warum es keine Informationen für den Vorstand gab. Der habe geantwortet, dass er den „Einstieg in das Thema“ nicht gefunden habe.

Der Vormittag der siebenstündigen Verhandlung verging mit der Aufarbeitung des Geschäftsmodells Windpark. Der Prozess wird am 15. November mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

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