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9. Strafkammer

Gerichtsprozess um Millionen: Lothar Lampe zeigt sich enttäuscht

Lothar-Lampe
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Redaktion LAND&Forst, LAND & Forst
am
23.10.2017

Prozessauftakt heute (Montag) am Verdener Landgericht gegen den ehemaligen Chef des Landvolks Diepholz, Lothar Lampe, wegen Untreue. Was verhandelt wurde.

Mehr als sieben Stunden verhandelte die 9. Strafkammer heute (Montag) am Landgericht in Verden: Angeklagt ist der ehemalige Chef des Landvolk-Kreisverbandes Grafschaft Diepholz, Lothar Lampe. Er soll Millionen veruntreut haben.

In sieben Fällen geht es um schwere Untreue. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Auszahlungen über mehr als 1,3 Millionen Euro ohne Gesellschafterbeschluss getätigt zu haben. Darunter Spenden an die Edmund-Rehwinkel-Stiftung und die Deutsche Stiftung Kulturlandpflege. „Er hat die anderen nicht gefragt, weil er wusste, dass diese nicht zustimmen werden“, sagte Oberstaatsanwältin Dr. Dagmar Schubert bei der Verlesung der Anklage.

Lothar Lampe erschien mit drei Anwälten

Lampe erschien mit drei Anwälten zu der Verhandlung im großen Saal. Mitangeklagt waren außerdem der ehemalige Landvolk Geschäftsführer Wilhelm Bergmann, der ehemalige Steuerberater Johann-Lüken Gerdes und dessen Frau Algrid Hagen-Gerdes.

Der Prozess musste gleich zu Beginn unterbrochen werden, da gegen einen Schöffen ein Befangenheitsantrag vorlag. Wilhelm Bergmanns Anwalt, Dr. Jochen Heidemeier, hatte angeführt, dass Frau und Schwiegertochter des Schöffen beide Mitglieder im Landvolk Kreisverband Rotenburg-Verden seien. Deshalb gehe er bei dem Schöffen von einer Voreingenommenheit aus. Der Vorsitzende Richter, Markus Tittel, sah offenbar keinen Anlass für einen neuen Zeitplan. Er ließ die Hauptverhandlung nach kurzer Beratung fortsetzen. Er bezeichnete das Verfahren als „mannigfaltig verfochten und verwoben“, da es auch immer wieder um Windpark-Geschäfte des Verbandes ging.

Lothar Lampe ist von Berufskollegen enttäuscht

Während der Befragung äußerten sich die Angeklagten erstmals ausführlich zu ihrer Lebenssituation. Lampe gab an, dass er seine beiden Betriebe am 1. Juli an seine jüngste Tochter übergeben habe.

Von seinen Berufskollegen, die ihn zwei Jahrzehnte als Vorsitzenden immer wieder gewählt hätten, sei er enttäuscht. „Es war mir eine Herzensangelegenheit“, betonte der 72-Jährige. Sein Anwalt hatte zuvor die Presse für den Ansehensverlust seines Mandanten verantwortlich gemacht.

Lampe-Prozess wird am 6. November fortgesetzt

Wilhelm Bergmann berichtete von einem „steilen Fall“ nach seiner Kündigung. Er sie derzeit arbeitsunfähig und arbeitslos. Nach der Beendigung des Falles hoffe er, beruflich wieder auf die Beine zu kommen. Das Ehepaar Gerdes hat seinen beruflichen und privaten Lebensmittelpunkt seit einigen Jahren in Bad Zwischenahn.

Ein Ermittler des Landeskriminalamtes wurde als Zeuge gehört. Er berichtete von „extrem komplexen Sachverhalten.“ Seine Ermittlungen begannen im Jahr 2014, nachdem zum Jahreswechsel 2012 anonyme Hinweise eingingen und eine Prüfung des Finanzamtes auf Unregelmäßigkeiten hindeutete.

Die Verhandlung wird am 6. November mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

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