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Gerichtsverfahren

Gerichtsurteil: Kein Freispruch für Lothar Lampe

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Redaktion LAND&Forst, LAND & Forst
am
17.01.2018

Der Prozess um Lothar Lampe zur Millionenspende des Landvolks Diepholz ist zu Ende. Mehr zum Gerichtsurteil des Landgerichts Verden lesen Sie hier.

Das Urteil über den ehemaligen Vorsitzenden des Landvolks Diepholz ist gesprochen: Das Landgericht in Verden hat Lothar Lampe gestern (16. Januar) wegen Untreue in zwei Fällen verurteilt - zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten.

Der ebenfalls angeklagte Ex-Geschäftsführer, Wilhelm Bergmann, erhielt eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten wegen Beihilfe zur Untreue.

Lothar Lampe wusste, was er tat

Richter Tittel begründete das Urteil folgendermaßen:

  • Die Spende von einer Million Euro an die Deutsche Stiftung Kulturlandschaft war nicht transparent.
  • Mit der Überweisung hat Lampe gegen seine Pflicht verstoßen, das Vermögen der Landvolk Dienstleistungsgesellschaft als deren Geschäftsführer zu betreuen.
  • Eine Pflichtverletzung besteht auch darin, dass er bei Ausgaben über 10.000DM die Einwilligung des Vorstandes nicht eingeholt hat.
  • Das Gericht schloss sich der Ansicht der Staatsanwaltschaft an, die Lampe als Täter bezeichnete, der die Spende verlasst hatte.

„Er wusste, was er tat“, sagte Richter Tittel. Den Mitangeklagten Bergmann sah das Gericht hingegen als Gehilfen, der kein eigenes Interesse an der Millionenspende hatte. 

Hinsichtlich der zweiten Spende über 100.000 Euro an die Edmund-Rehwinkel-Stiftung  war das Gericht nicht davon überzeugt, dass Bergmann an der Überweisung beteiligt war. Deshalb ließ das Gericht diesen Tatvorwurf fallen. 

Strafmildernd wertete es, dass die beiden Angeklagten geständig waren und den Schaden größtenteils zurückgezahlt haben.

Oberstaatsanwältin: Wilhelm Bergmann war nicht irgendwer

Oberstaatsanwältin Dr. Dagmar Schubert hatte am Vormittag plädiert, dass bei Lampe schwere Untreue in zwei Fällen vorliege. Dafür beantragte sie eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Wilhelm Bergmann soll ihrer Auffassung nach Beihilfe zur Untreue geleistet haben. Deshalb beantragte Schubert eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung.

In ihrer Begründung erklärte sie, dass Wilhelm Bergmann in seiner Funktion als Geschäftsführer und Volljurist „nicht irgendwer“ gewesen sei. „Sie hatten durchaus die Möglichkeit und die Verantwortung, den Vorstand über die Spenden zu informieren“, so Schubert.

Einen besonders schweren Fall sah sie gegeben, da es kein „Augenblicksversagen“ war. Nach der Spende an die Stiftung Kulturlandschaft folgte die Spende an die Edmund-Rehwinkel-Stiftung. „Das war ein System, das von beiden getragen wurde“, erklärte die Oberstaatsanwältin.

Oberstaatsanwältin: Lothar Lampe mit bundesweitem Einfluss

Lothar Lampe attestierte sie einen bundesweiten Einfluss. Warum er dann als Verwalter des fremden Vermögens der Landvolk-Tochtergesellschaft ganz alleine über die Vergabe der Spenden bestimmte, erschloss sich ihr trotz der umfangreichen Beweisaufnahme nicht. „War es Machtausübung, weil ich es kann?“, fragte Schubert in Richtung Anklagebank.

Lothar Lampe: Ich habe zu keiner Zeit verschleiern wollen

Lothar Lampe ging in einer persönlichen Stellungnahme darauf ein. „Ich habe das Geld nicht verschenkt. Es ist in eine Stiftung geflossen, die für das positive Image der Landwirtschaft arbeitet.“ Er habe zu keiner Zeit etwas verschleiern oder verheimlichen wollen.

Der ehemalige Landvolk-Vorsitzende erklärte, dass ihm die Entwicklung sehr leid tue und er dem Verband keinen Schaden zufügen wollte. Er kritisierte die Medien, „die es nicht besser wussten“, für ihre „negative Berichterstattung“. Mit gebrochener Stimme dankte Lampe seiner Familie, die ihm während des Prozesses Halt und Kraft gegeben habe.

Wie tief diese emotionale Betroffenheit wirklich ist, fragten sich Prozessbeobachter, die in der darauf folgenden Verhandlungspause sehen konnten, wie sich ein entspannt lächelnder Angeklagter Lampe mit seiner Tochter abklatschte.

Anwältin: Lampe hat kein Tafelsilber verjubelt

Für Optimismus sorgten zu diesem Zeitpunkt wohl auch die Plädoyers der Anwälte Dr. Reinhold Schlothauer, Lea Voigt und des Pflichtverteidigers von Wilhelm Bergmann, Dr. Jochen Heidemeier. Die Juristen waren sich einig, dass keine Untreue vorliegen könne, da durch die Spenden kein Schaden zugefügt wurde.

„Hier wurde nicht das Tafelsilber verjubelt, sondern mit großem Bedacht ein ideeller Zweck unterstützt“, sagte Lea Voigt. Lampe habe für sich aus der Spende keine Vorteile erzielt. „Was er aufgebaut hat, war ein Segen für alle Beteiligten“, erklärte Dr. Schlothauer. 

Seine Kollegin Voigt wies darauf hin, dass sich Lampe als Geschäftsführer der Tochtergesellschaften ja selbst Haftungsrisiken ausgesetzt habe. Alle hätten ihn aufgefordert „Lothar, mach mal!“ Die übrigen Vorstandsmitglieder hätten darüber ihre Fürsorgepflicht nicht wahrgenommen.

Früherer Landvolk-Chef nimmt Gerichtsurteil unbewegt entgegen

Um so überraschter muss der frühere Landvolk-Chef gewesen sein, als Richter Tittel das Urteil verkündete: Mit unbewegter Miene nahm Lampe die Begründung entgegen.

Anwalt Heidemeier beantragte für seinen Mandanten Bergmann Freispruch. Dieser hatte zu Beginn erklärt, dass sein Vermögen nach den Zivilverfahren weitgehend aufgebraucht sei. Von seiner Berufsunfähigkeitsrente bleiben ihm nach Abzug der Miete noch rund 900 Euro monatlich.

Bergmann kündigte direkt nach der Verhandlung an, in Revision zu gehen. Lampe wollte sich dazu nicht äußern.

Prozess um Lothar Lampe: Was war bisher?

Wir haben von Beginn an über den Prozess berichtet. Lesen Sie hier:

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