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Geld & Recht

Das Kindergeld im Blick behalten

von , am
14.05.2013

Vorsicht ist geboten: Arbeiten die Kinder während ihrer Zweitausbildung nebenher, kann unter bestimmten Umständen das Kindergeld verloren gehen.

Die seit 2012 geltende Kindergeldregelung für erwachsene Kinder hält einige Tücken bereit. © krick/agrar-press

Wenn junge Menschen zunächst eine herkömmliche Lehre auf Basis des Berufsausbildungsgesetzes abschließen und anschließend studieren, handelt es sich bei dem Erststudium um eine zweite Berufsausbildung. In diesem Fall führt eine sogenannte "schädliche Erwerbstätigkeit" des Kindes dazu, dass der Kindergeldanspruch wegfällt.

Weniger als 20 Stunden

Erwerbstätig ist ein Kind dann, wenn es einer Beschäftigung nachgeht, die darauf gerichtet ist, Einkünfte zu erzielen und das Kind dafür seine persönliche Arbeitskraft einsetzen muss. Dazu gehören neben der nichtselbständigen Arbeit auch land- und forstwirtschaftliche, gewerbliche und selbständige Tätigkeiten, nicht dagegen die Verwaltung des eigenen Vermögens, z. B. bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung oder Kapitalvermögen.

"Unschädlich" ist eine Erwerbstätigkeit dann,
  • wenn das Kind nur geringfügig beschäftigt ist im Sinne von § 8 und § 8a Viertes Buch Sozialgesetzbuch. Das ist etwa bei einem 450-Euro-Job (Minijob) der Fall.
  • wenn die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit insgesamt nicht mehr als 20 Stunden beträgt. Dabei ist die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit zu Grunde zu legen ist. Wird die Beschäftigung nur vorübergehend, das heißt für höchstens zwei Monate, auf mehr als 20 Stunden ausgeweitet, ist dies unbeachtlich, wenn die durchschnittliche Arbeitszeit nicht mehr als 20 Stunden beträgt." (berechnet auf den gesamten Berücksichtigungszeitraum im Kalenderjahr). Achtung: Beträgt bei dieser Berechnung die wöchentliche Arbeitszeit mehr als 20 Stunden, entfällt der Kindergeldanspruch nur für die zwei Monate. Und weil selbst in einem solchen Fall der Kindergeldanspruch für angebrochene Monate weiterbesteht, empfiehlt sich, die ausgeweitete Tätigkeit möglichst nicht am ersten Tag des Monats zu beginnen und nicht am letzten Tag des Monats zu beenden.
Eine Beispielrechnung

Zum besseren Verständnis ein Beispiel: Madgalena Meyer schließt nach dem Abitur eine Berufsausbildung ab beginnt ab Oktober 2012 ein Studium. Um sich etwas dazuzuverdienen, arbeitet Meyer ab dem 1. April 2013 nebenher als Bürokraft, laut Arbeitsvertrag mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 20 Stunden. In den Semesterferien (1. August bis 30. September 2013) arbeitet Meyer laut Vertrag Vollzeit mit 40 Stunden wöchentlich, danach kündigt sie den Job. Ab dem 1. November 2013 arbeitet sie dann bis Ende des Jahres als Verkaufshilfe mit einer vertraglich vereinbarten Arbeitszeit von 15 Stunden in der Woche.

Für dieses Beispiel ergeben sich folgende Arbeitszeiten pro voller Woche (die Tage einer angebrochenen Woche fallen weg):
  • vom 1. April bis 31. Juli 2013
    (17 Wochen und drei Tage):
    20 Stunden je Woche;
  • vom 1. August bis 30. September 2013 (8 Wochen und
    5 Tage): 40 Stunden je Woche;
  • vom 1. November bis 31. Dezember 2013 (8 Wochen und
    5 Tage): 15 Stunden je Woche.
Um die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit zu ermitteln, ergibt sich die folgende Rechnung: (17 Wochen x 20 Stunden) plus (8 Wochen x 40 Stunden) plus (8 Wochen x 15 Stunden) ergeben bei 52 Wochen im Jahr 15 Stunden durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit. Magdalena Meyers Eltern erhalten nach dieser Rechnung das gesamte Kalenderjahr 2013 Kindergeld für ihre Tochter.

Abwandlung: Würde Magdalena Meyer auch im November und Dezember 20 Stunden arbeiten und wegen des Vollzeiterwerbs die wöchentliche Arbeitszeit aufs Jahr gerechnet dann mehr als 20 Stunden betragen, entfiele der Kindergeldanspruch nur für die zwei Monate des Vollzeiterwerbs, also für die Monate August und September 2013.
In diesem Fall wäre es klüger, wenn Meyer die Zeit der Vollzeitarbeit beschränken würde (zum Beispiel vom vom 3.8. bis 27.9.). Weil der Vollzeiterwerb in diesem Fall jeweils nicht den ganzen Monat umfasst, entfiele auch nicht der Anspruch auf Kindergeld.
Vermögen zählt nicht

Einkünfte aus Kapitalvermögen und aus Vermietung und Verpachtung zählen übrigens nicht zur "Erwerbstätigkeit".

Das kann sich im Ergebnis ungerecht auswirken, wie ein zweites Beispiel zeigt:
Die 22-jährige Anja Arndt ist nach der Lehre von ihrem Ausbildungsbetrieb in Vollzeit übernommen worden und beginnt nebenher zusätzlich ein Ferstudium. Ihr gleichaltriger Freund Lars Lopetz beginnt ebenfalls nach der Lehre ein Fernstudium. Arbeiten muss er allerdings nicht. Er lebt währenddessen von den Einnahmen aus dem Kapitalvermögen, dass ihm seine Eltern übertragen haben. Die Eltern von Anja erhalten für ihre Tochter kein Kindergeld mehr, denn diese geht während des Studiums in Vollzeit arbeiten. Lars Eltern dagegen erhalten weiterhin Kindergeld für ihren Sohn. Einkommen aus Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung zählen für die Familienkasse nicht, denn sie sind nicht schädlich.
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