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Geld & Recht

Im Nebenjob den Überblick behalten

von , am
19.11.2013

Viele Studierende arbeiten nebenher, um ihr Studium zu finanzieren. Auch in der Landwirtschaft gibt es viele Möglichkeiten, Geld hinzuzuverdienen. Was Arbeitgeber beachten müssen, lesen Sie hier.

Wer mehr als 20 Stunden pro Woche nebenher jobbt, der zählt nicht mehr als "ordentlicher Student", weil er mehr arbeitet als studiert. Damit fallen steuerliche Vergünstigungen weg. © Brengelmann
Studierende sind in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung grundsätzlich versicherungspflichtig, wenn sie gegen Entgelt arbeiten. Anders ist das bei den sogenannten Werkstudenten. Sie sind unter bestimmten Voraussetzungen versicherungsfrei, außer in der Rentenversicherung - dort besteht Versicherungspflicht, sobald sie mehr als 450 Euro verdienen. Zwar besteht auch bei 450-Euro-Jobs seit 1. Januar 2013 die Rentenversicherungspflicht. Studierende können sich aber auf Antrag befreien lassen. Auch kurzfristige Beschäftigungen (bis zwei Monate oder 50 Arbeitstage im Kalenderjahr), die nach ihrer Eigenart oder vertraglich im Jahr begrenzt sind, sind sozialversicherungsfrei. Bei mehreren kurzfristigen Beschäftigungen werden die Zeiträume addiert.

Um die sozialrechtlichen Voraussetzungen zu erfüllen, müssen die Betreffenden sogenannte ordentliche Studierende sein. Als solcher gilt, wer für ein Studium an einer Hochschule immatrikuliert, dass heißt in das Studienverzeichnis eingetragen ist. Die Versicherungsfreiheit bezieht sich aber nur auf die Beschäftigung.

Krankenversicherung

Grundsätzlich müssen Studierende krankenversichert sein. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Erstens: Die Familienversicherung über die Eltern. Diese Versicherung gilt aber nur bis zum 25. Lebensjahr. Wer aber beispielsweise zwischendurch Wehrdienst leistet, für den verschiebt sich die Altersgrenze nach hinten. Dies gilt übrigens auch bei einer Unterbrechung oder Verzögerung durch den freiwilligen Wehrdienst, einen Freiwilligendienst nach dem Bundesfreiwilligendienstgesetz, oder auch als Entwicklungshelfer im Sinne des Entwicklungshelfergesetzes für höchstens 12 Monate. Zweitens: Die Versicherung über den Ehepartner. Drittens: Die Pflichtversicherung in der studentischen Krankenversicherung für alle, die beispielsweise über 25 Jahre alt sind. Diese besteht bis zum Abschluss des 14. Fachsemesters, längstens bis Ende des Semesters, in dem das 30. Lebensjahr vollendet wird.

Versicherungsfrei sind nur Beschäftigungen, die dem Studium deutlich untergeordnet sind. Zu dem Zeitaufwand fürs Studium zählen nicht nur Vorlesungen und Seminare, sondern auch die Vor- und Nachbereitung. Erkennen Arbeitgeber, dass der Betreffende nicht hauptsächlich studiert, dann muss der Einzelfall geprüft werden, eventuell zusammen mit der zuständigen Krankenkasse. Haben Studierende Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit, oder auch aus Zinsen, Pachten und Mieten, die über 385 Euro liegen, scheidet die Familienversicherung aus.

Wer während der Vorlesungszeit jobbt, ist versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, vorausgesetzt, dass die Arbeitszeit wöchentlich nicht mehr als 20 Stunden beträgt unabhängig vom Verdienst. Mehrere Nebenjobs werden zusammengerechnet. An Wochenenden, abends oder in den Nachtstunden darf auch mehr als 20 Stunden gearbeitet werden. Der oder die Nebenjobs müssen dem Studium aber stets untergeordnet sein.

20-Stunden-Regelung

Versicherungsfreiheit besteht auch für Studierende, die während der Vorlesungszeit mehr als 20 Stunden wöchentlich arbeiten, deren Beschäftigungsverhältnis aber von vornherein auf höchstens zwei Monate befristet ist. Die Verdiensthöhe spielt dabei keine Rolle. Versicherungsfrei ist die Beschäftigung auch dann, wenn die wöchentliche Arbeitszeit mehr als 20 Stunden beträgt, mehr als zwei Monate andauert, aber die Beschäftigung an weniger als fünf Arbeitstagen in der Woche insgesamt auf nicht mehr als 50 Arbeitstage im Laufe eines Jahres befristet ausgeübt wird. Von der Rentenversicherungspflicht sind Studierende nur dann befreit, wenn die Beschäftigung geringfügig (450-Euro-Jobs mit Befreiungsantrag) oder kurzfristig ist (2 Monate, oder 50 Tage).

Beträgt die wöchentliche Arbeitszeit in den Semesterferien mehr als 20 Stunden, besteht ebenfalls Versicherungsfreiheit in der Kranken-, Pflege-und Arbeitslosenversicherung, weil davon auszugehen ist, dass Studierende während der Vorlesungszeit ausschließlich ihrem Studium nachgehen. Wird über die Semesterferien hinaus mehr als 20 Stunden wöchentlich gearbeitet, entsteht Versicherungspflicht in der Sozialversicherung. Nur in Ausnahmefällen sind bis zu zwei Wochen mehr erlaubt. Grundsätzlich ist im Einzelfall immer zu prüfen, ob das Studium im Vordergrund steht und die überwiegende Zeit in Anspruch nimmt. Ergibt sich unter dem Strich, dass innerhalb eines Jahres Beschäftigungszeiten von mehr als 26 Wochen (182 Tage) mit mehr als 20 Wochenstunden vorliegen, entsteht Sozialversicherungspflicht in allen Bereichen, von Beginn an.

Geringfügig beschäftigt

Viele Studierende üben neben ihrem Studium eine geringfügige Beschäftigung aus, der Verdienst beträgt also im Monatsdurchschnitt nicht mehr als 450 Euro. Bei der Berechnung können nur Monate herangezogen werden, in denen Studierende mindestens einmal pro Monat gearbeitet bzw. mindestens einen Tag Urlaub hatten. Das sind maximal 5.400 Euro im Jahr, einschließlich Sondergratifikationen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld. Da eine Rentenversicherungspflicht besteht, zahlt der Arbeitgeber den Pauschalbeitrag in Höhe von 15 % und der Studierende einen Eigenanteil von 3,9 %. Wer im Privathaushalt beschäftigt ist, zahlt einen Eigenanteil von 13,9 %, insgesamt 18,9 %. Es ist aber eine Befreiung möglich, per schriftliche Mitteilung an den Arbeitgeber. Der Eigenanteil entfällt dann. Werden mehrere geringfügige Beschäftigungen ausgeübt, gilt die Befreiung für alle zeitgleich ausgeübten Minijobs. Die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht gilt für die gesamte Dauer und kann nicht widerrufen werden. Durch die Befreiung verliert der Studierende aber einen Großteil der Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Wer sich befreien lassen will, sollte sich daher unbedingt vorher von einer der Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung beraten lassen.

Ferner zahlt der Arbeitgeber Pauschalbeiträge in Höhe von 13 % Krankenversicherung, 2 % Steuern und 0,84 % Lohnfortzahlungsversicherung. Außerdem eine Insolvenzumlage von 0,15 % an die Minijob-Zentrale. Wer in einem Privathaushalt arbeitet, für den gilt ein Pauschalbeitragssatz von 5 % Rentenversicherung, 5% Krankenversicherung und 2 % Steuern sowie 0,84 % Lohnfortzahlungsversicherung. Hinzu kommt ein Beitrag von 1,6 % zur Unfallversicherung.

Seit dem 1. Januar gilt eine monatliche Mindestbeitragsbemessungsgrenze von 175 Euro. Der Mindestbeitrag beträgt 175 Euro x 18,9 % = 33,08 Euro. Bei einem monatlichen Entgelt von 150 Euro zahlt der Arbeitgeber 22,50 Euro (150 Euro x 15 %). Der Arbeitnehmeranteil ist somit der Differenzbetrag zum Mindestbeitrag, 10,58 Euro.

Kurzfristig beschäftigt

Neben der geringfügigen Beschäftigung gibt es noch die sogenannte kurzfristige Beschäftigung, die grundsätzlich sozialabgabenfrei ist. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt dann vor, wenn diese von vornherein auf nicht mehr als zwei Monate oder insgesamt 50 Arbeitstage im Kalenderjahr begrenzt ist. Von einem Zwei-Monats-Zeitraum ist auszugehen, wenn der Minijob an mindestens fünf Tagen in der Woche ausgeübt wird. Bei weniger als fünf Tagen in der Woche ist ein Zeitraum von 50 Arbeitstagen anzuwenden. Die Höhe des Verdienstes ist unerheblich. Bestehen mehrere kurzfristige Beschäftigungen nebeneinander, dann werden die Arbeitstage addiert. Es sollte unbedingt ein schriftlicher Arbeitsvertrag geschlossen werden, der die Art und Dauer der Beschäftigung regelt. Dauert die kurzfristige Beschäftigung länger als vier Wochen, muss der Arbeitgeber 0,84 % an die Lohnfortzahlungsversicherung abführen. Kurzfristige Beschäftigungen müssen bei der Minijob-Zentrale gemeldet werden. Kurzfristige Beschäftigung werden unter bestimmten Voraussetzungen durch den Arbeitgeber pauschal besteuert, mit 25 %
plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer, beziehungsweise über die Lohnsteuerkarte des Studierenden. Fallen Lohnsteuern an, kann sich die Betreffenden das über einen Lohnsteuerjahresausgleich erstatten lassen.

Gemeinnützig arbeiten

Wer bei gemeinnützigen Vereinen, Kirchen oder vergleichbaren Einrichtungen als Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder Übungsleiter arbeitet, dem wird eine Übungsleiterpauschale in Höhe von 2.400 Euro gewährt, monatlich 200 Euro. Diese Beträge sind steuer- und sozialabgabenfrei und können neben einem Minijob in Anspruch genommen werden.
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