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Private Pflegezusatzversicherung: Was Sie bedenken sollten

Pflegeversicherung
Finanztest
am
17.11.2017

Trotz gesetzlicher Pflegeversicherung, Rente und Vermögen drücken meist die Kosten im Pflegefall. Eine private Pflegezusatzversicherung kann nützlich sein.

Irgendwann stellen sich die meisten Menschen einmal die Frage, ob sie im Fall der Fälle die eigene Pflege eigentlich bezahlen können. Klar ist: Trotz gesetzlicher Leistungen und Rücklagen bleibt oft eine Versorgungslücke.

Eine Pflegezusatzversicherung kann eine gute Möglichkeit sein, die Lücke zu schließen. Die Zeitschrift Finanztest gibt in ihrer November-Ausgabe Tipps, worauf Sie achten sollten.

Pflegezusatzversicherung eignet sich nicht für jeden

Bevor es auf die Suche nach dem besten Angebot für eine Pflegezusatzversicherung geht, sollte sich aber jeder vorher überlegen, ob diese Art der Absicherung überhaupt infrage kommt. Folgendes ist wichtig:

  • Versicherungskunden müssen die Beiträge immer weiter zahlen – oft sogar, wenn sie pflegebedürftig sind.
  • Wer aber die Beiträge gar nicht mehr aufbringen kann und kündigen muss, verliert den Versicherungsschutz und bekommt bislang eingezahltes Geld nicht zurück.
  • Die Beiträge werden im Lauf der Jahre weiter steigen.
  • Durch den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff erhalten mehr Menschen gesetzliche Pflegeleistungen, manche werden höher eingestuft. Die Ausgaben steigen. Die private Versicherung folgt der gesetzlichen, also wird es auch hier teurer.
  • Wer nur vorübergehend knapp bei Kasse ist, kann mit manchen Versicherern vereinbaren, die Beiträge für einige Monate auszusetzen. In einigen Fällen muss aber später nachgezahlt werden. Häufig ist die Möglichkeit an Bedingungen geknüpft wie etwa einen Jobverlust.
  • Nicht sinnvoll ist es, die Leistungen auf ein Minimum zu kürzen, nur um den Beitrag weiter zahlen zu können. Wenn im Pflegefall dann doch der Sozialhilfeträger einspringen muss, wird die Leistung der Zusatzversicherung angerechnet. Das Geld steht somit nicht zur freien Verfügung, um sich kleine Extras außerhalb der Grundversorgung leisten zu können.
  • Wer absehen kann, dass sich seine finanzielle Situation nicht mehr bessern wird, sollte besser kündigen.

Pflege ist teuer

    Eine Pflegepolice ist also nur dann sinnvoll, wenn man ein langfristig sicheres und ausreichend hohes Einkommen hat. In solchen Fällen ist eine zusätzliche Absicherung für den Pflegefall zu empfehlen. Denn Pflege ist teuer:

    • Beispiel: Selbst wenn sich jemand eine private Altersvorsorge von etwa 100.000 Euro zusammengespart hat, kommt er damit nur gut drei Jahre lang aus, falls er beispielsweise 2.500 Euro im Monat für eine 24-Stunden-Betreuungskraft braucht.

    Alle Pflegegrade absichern

      Etwa vier Fünftel der seit Anfang 2017 neu eingestuften Pflegebedürftigen werden derzeit zu Hause versorgt. Rund 85 Prozent von ihnen in den Pflegegraden 1 bis 3. Wer gut versorgt wird, kann in dieser Situation etliche Jahre leben und kommt möglicherweise nur für die letzten Lebensmonate in einen höheren Pflegegrad.

      Manche Versicherer bieten „Hochrisikopolicen“ an, die deutlich günstiger sind. Diese sehen Leistungen

      • nur für die Pflegegrade 4 und 5 oder
      • ausschließlich für die vollstationäre Pflege vor.

      Dafür fehlt aber die Möglichkeit, sich genau in den Pflegegraden eine bessere Versorgung zu erkaufen, in denen viele Pflegebedürftige die längste Zeit verbringen.

      Pflegezusatzversicherung nach Gesundheitscheck

      Mitte 50 ist ein günstiges Alter, um in die Pflegevorsorge einzusteigen. Wer schon vorher ein solides und planbares Einkommen hat, braucht nicht so lange abzuwarten.

      Versicherer stellen im Antrag Gesundheitsfragen und können Kunden mit Vorerkrankungen ablehnen. Für 65-Jährige und Ältere dürfte es selbst bei perfekter Gesundheit schwierig werden, einen Vertrag zu bekommen.

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