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Geld & Recht

Sofortabschreibung für Zuchtvieh

von , am
11.02.2014

Gute Nachricht für Ferkelerzeuger: Sie dürfen nach einem aktuellen Urteil des Bundesfinanzhofs ihre Zuchtsauen vollständig zu Lasten des steuerpflichtigen Gewinns abschreiben und damit Steuern sparen.

Der vom Finanzamt unterstellte Wechsel der Tiere aus dem Anlage- ins Umlaufvermögen findet so laut BFH nicht statt. © Mühlhausen/landpixel
Die Richter des obersten deutschen Steuergerichtes bestätigten ein Urteil des Finanzgerichtes Schleswig-Holstein aus dem Jahr 2009 (Az. 1 K 264/06) und beendeten damit einen langjährigen Streit um die steuerliche Abschreibung von Zuchtvieh, das nach dem Ende der produktiven Phase unverzüglich als Schlachtvieh verkauft wird.
 
Bisher ging die Finanzverwaltung davon aus, dass Zuchtvieh im Betrieb einem doppelten Zweck dient – zunächst in der Zucht und danach als Schlachtvieh. Dabei unterstellten die Finanzbeamten regelmäßig, dass die Tiere zum Ende ihrer produktiven Nutzungsdauer gedanklich vom bilanzierten Anlagevermögen in das Umlaufvermögen wechseln.
Die unangenehme Folge dieser Unterstellung: Im Umlaufvermögen dürfen die Tiere nicht auf einen Erinnerungswert von einem Euro abgeschrieben werden. Hier ist eine bilanzielle Wertuntergrenze in Höhe des Schlachtwertes von 150 Euro zu beachten. Da als Anschaffungskosten ein Betrag von 180 Euro pro Tier anzusetzen ist, konnten Ferkelerzeuger bisher nach Auffassung des Finanzamtes maximal 30 Euro pro Tier steuermindernd vorzeitig über eine Sofortabschreibung geltend machen.
 
Das wollte ein Ferkelerzeuger aus Schleswig-Holstein nicht hinnehmen. Er hatte die Bewertung seines vorhandenen Schweinebestandes in der steuerlich maßgeblichen Bilanz nach den von der Finanzverwaltung vorgegebenen Richtwerten (BMF-Schreiben vom 14.11.2001 – Az. IV A 6 – S 2170-36/01) für die Gruppenbewertung vorgenommen. Nach dem jeweiligen Aufzuchtstadium unterteilte er seine Schweine in Zuchteber, Ferkel, Jungsauen und Sauen. Den Sauenbestand unterteilte er nochmals in Neuzugänge und Zuchtsauen. Diejenigen Sauen, die im Laufe eines Jahres von Jungsauen zu Sauen versetzt wurden, schrieb er im Jahr ihres Zugangs auf einen Erinnerungswert von 1 Euro ab. In dem streitigen Steuerjahr 2003 war dies für 97 Sauen (Wirtschaftsjahr 2002/03) bzw. 88 Sauen (Wirtschaftsjahr 2003/04) der Fall.
 
Steuern nachgefordert
 
Nach einer Betriebsprüfung war dem Fiskus diese Bilanzierung ein Dorn im Auge. Bei der Bearbeitung der Einkommensteuererklärung für das Jahr 2003 akzeptierte das Finanzamt die von dem Landwirt vorgenommene vollständige Sofortabschreibung nicht und nahm eine Gewinnerhöhung um 7.450 Euro vor. Die Behörde ging dabei von einem in der Bilanz vom 30.6.2003 ausgewiesenen Endbestand von 100 Zuchtsauen aus. Für diese Tiere wurde ein Schlachtwert von 150 Euro (100 x 150 Euro = 15.000 Euro) abzüglich des bilanzierten Erinnerungswertes von jeweils 1 Euro (100 x 1 Euro = 100 Euro) angesetzt. Die Gewinnerhöhung von 14.900 Euro schlug das Finanzamt zur Hälfte dem für das Streitjahr 2003 erklärten Gewinn zu und forderte Steuern nach. Der betroffene Landwirt zog gegen diese Steuerforderung vor Gericht und gewann jetzt auch in letzter Instanz vor dem Bundesfinanzhof (BFH). Er darf seine Zuchtsauen auch weiterhin auf einen Erinnerungswert von nur einem Euro abschreiben. Der vom Finanzamt unterstellte Wechsel der Tiere aus dem Anlage- in das Umlaufvermögen findet nach der neuen Rechtsprechung des BFH so überhaupt nicht statt – die Tiere verbleiben bis zum Schluss im Anlagevermögen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Tiere unverzüglich nach ihrer Ausmusterung aus dem Zuchtbetrieb zur Schlachtung gehen und nicht noch weiter gemästet werden.
 
Rückwirkend anwendbar
 
Nicht nur Ferkelerzeuger können ihren steuerpflichtigen Gewinn spürbar vermindern. Das Urteil lässt sich ebenfalls auf die Halter von Legehennen und Schafen übertragen. Tipp: Das Urteil ist rückwirkend für alle noch nicht rechtskräftigen Steuerbescheide anwendbar. Prüfen Sie daher, welche Steuerbescheide noch änderbar sind und machen Sie unter Berufung auf das Urteil die volle Abschreibung geltend. Urteil vom 24. Juli 2013, Az. IV R 1/10.
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