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Geld & Recht

Steuern für Kalamitätsnutzungen

von , am
12.03.2013

Durch das Steuervereinfachungsgesetz 2011 haben sich erhebliche Änderungen bei der Besteuerung von Forsterlösen ergeben. Die Neuregelungen greifen seit 2012. Hier die wichtigsten Fakten zum Thema.

Kalamitätsnutzungen unterliegen dem ermäßigten Steuersatz. © mika

Für die ermäßigte Besteuerung von Holznutzungen mussten früher vier verschiedene Fälle unterschieden werden. Seit der Neuregelung gibt es nur noch zwei Möglichkeiten entsprechend der Besteuerung:
  • den normalen Steuersatz für ordentliche Holznutzungen und
  • den ermäßigten Steuersatz für Holznutzungen infolge höherer Gewalt (Kalamität) oder aus volks- oder staatswirtschaftlichen Gründen. Mit volks- oder staatswirtschaftlichen Gründen sind gesetzliche oder behördliche Zwangsmaßnahmen gemeint. Kalamitätsnutzungen entstehen durch Eis, Schnee, Wind, Feuer oder andere Naturereignisse.
Vollständig begünstigt

Unverändert kommt als ermäßigter Steuersatz der halbe Steuersatz und viertel Steuersatz zum Zuge. Für den halben Steuersatz muss aber kein Forstbetriebswerk beziehungsweise -gutachten von der Finanzverwaltung mehr vorliegen, in dem der normale Nutzungssatz, das heißt die für den betreffenden Betrieb übliche Einschlagsmenge, angegeben wird. Bisher wurde nur der Erlös aus Holzverkauf über den normalen Nutzungssatz hinaus ermäßigt besteuert. Ab 2012 ist die vollständige Kalamitätsnutzung begünstigt, selbst wenn in dem Jahr der Kalamität kein regulärer Holzverkauf als normale Nutzung stattgefunden hat. Achtung: Der ermäßigte Steuersatz wird nur bei rechtzeitiger Meldung der Kalamität gewährt. Die Aufteilung des Gewinns auf die normale und die ermäßigte Besteuerung geschieht nach dem Verhältnis der Holznutzungen in Festmeter (fm). Auch dieses Ergebnis ist eine Vereinfachung, weil nach altem Recht die Betriebsausgaben unterschiedlich von den normalen und außerordentlichen Erlösen abgezogen wurden.

In den Genuss von einem Viertel Steuersatz kommt man unverändert nur mit Erlösen aus Holznutzungen über dem normalen Nutzungssatz. Dieser muss durch das oben genannte Forstbetriebsgutachten nachgewiesen werden, es sei denn, die Forstfläche beträgt weniger als 30 ha. In diesen Fällen wird ein normaler Nutzungssatz von 4,5 fm/ha unterstellt. Die Finanzverwaltung beabsichtigt, diese Werte auf 50 ha beziehungsweise 5 fm anzuheben.
Dazu ein Beispiel: Ein Forstbetrieb hat in einem Wirtschaftsjahr 4.500 fm Holzeinschlag und -verkauf. Davon entfallen 3.000 fm auf Kalamitätsnutzungen, der Rest auf ordentlichen Einschlag. Von den Erlösen verblieb nach Abzug der Kosten ein Gewinn in Höhe von 100.000 €, der mit 60.000 € durch den Verkauf von Sturmholz erzielt wurde.  Der normale Nutzungssatz beträgt 2.000 fm.

Der ermäßigten Besteuerung unterliegen 66.667 €, obwohl der anteilige Erlös nur 60.000 €
betrug, weil die Zuordnung nach fm erfolgt. Nach altem Recht wäre die ermäßigte Besteuerung nur für den Holzeinschlag über den normalen Nutzungssatz hinaus, das heißt für 2.500 fm zulässig gewesen.

Nachteil für Kleinbetriebe

Zu Ungunsten kleinerer Forstbetriebe wurden die pauschalen Betriebsausgabensätze geändert. Bisher ging es nur um Betriebe, die keine Bilanz erstellen, das heißt bei einer Gewinnermittlung per Einnahmen-Ausgaben-Überschuss-Rechnung oder pauschal nach § 13 a Einkommensteuergesetz. Jetzt darf als zusätzliche Voraussetzung die Forstfläche 50 ha nicht übersteigen. Die pauschalen Betriebsausgaben betragen nunmehr 55 % der Einnahmen aus dem Verkauf von eingeschlagenem Holz beziehungsweise nur noch 20 %, wenn das Holz auf dem Stamm verkauft wird. Die Sätze lagen bis 2011 bei 65 beziehungsweise 40 %.
 
Aber: Der Steuerpflichtige kann nach neuem Recht zusätzlich zu den pauschalen Ausgaben Wiederaufforstungskosten absetzen - wenn sie anfallen und nicht als Anschaffungskosten für ein neues Wirtschaftsgut gelten. Dies wäre zum Beispiel bei einem Kahlschlag von über 1 ha zusammenhängender Fläche denkbar.

Insgesamt gilt: Bei Erlösen aus Holzverkauf rechtzeitig an das Finanzamt denken, damit die Kalamitätsnutzung nicht zu einem Steuerplus für den Fiskus wird. Alle Ausgabenbelege sammeln, weil die tatsächlichen Betriebsausgaben die abgesenkten Ausgabenpauschalen übersteigen könnten.
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