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Geld & Recht

Steuern sparen bei der Dachsanierung

von , am
06.03.2013

Aufwendungen für die Dachsanierung vor der Installation einer Photovoltaikanlage sind als Betriebsausgaben steuerlich absetzbar, so urteilte das Finanzgericht München. Doch das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Wie das Verfahren vor dem Bundesfinanzhof ausgeht, bleibt unklar. Per Einspruch lässt sich das Verfahren offen halten. © Raupert

Der Boom der erneuerbaren Energien hat in den letzten Jahren eine ganze Reihe an Steuerfragen aufgeworfen, die nach und nach durch die Finanzgerichte der Länder und den Bundesfinanzhof (BFH) abschließend geklärt werden müssen.

Streit mit dem Finanzamt ist regelmäßig vorprogrammiert, wenn Investoren vor der Montage einer Photovoltaikanlage ein marodes Dach instand setzen lassen und die dabei entstandenen Aufwendungen steuerlich als Betriebsausgaben im Rahmen des Gewerbebetriebes „Stromerzeugung“ absetzen wollen. Das Finanzgericht München hat für Anlagenbetreiber eine positive Entscheidung getroffen (Urteil vom 2. August 2012 - Az. 15 K 770/12).

Die Kläger sanierten das Dach ihres im Streitjahr zum Einstellen von Stroh und Gerümpel privat genutzten Schuppens, indem sie das bestehende Dach entfernten und die Dachsparren, die Dacheindeckung, die Dachrinnen und die Fallrohre erneuerten und die Dachsparren verstärkten. Nach der Sanierung wurde die Photovoltaikanlage montiert und zur Stromerzeugung in Betrieb genommen. Die Aufwendungen für die Dachsanierung wollte das Finanzamt nicht als Betriebsgaben anerkennen.

Die Richter des FG München stellten zunächst klar, dass ein Betriebsausgabenabzug nur dann in Frage kommen kann, wenn die Aufwendungen dem Grunde und der Höhe nach im Zusammenhang mit der betrieblichen Betätigung des Steuerzahlers stehen. Bei einer Auf-Dach-Montage werden die Solarmodule ohne Eingriff in die Dichtigkeit der Dachhaut mit einem Gestell auf das bestehende Dach installiert. Das Dach des Gebäudes dient lediglich als Halterung der aufgesetzten Photovoltaikanlage. Diese dient nicht dem Witterungsschutz und wird durch die Installation kein wesentlicher Bestandteil des Gebäudes. Die Dachkonstruktion dagegen gehört grundsätzlich nicht zur Solaranlage, sondern zum Gebäude, auf dem sie montiert ist. Soweit es infolge der Installation der Anlage auf der Dachfläche notwendig war, aus statischen Gründen Sparren zu verstärken, sind diese durch den Aufbau der Betriebsvorrichtung "Solaranlage" veranlasst und als betriebliche Aufwendungen in vollem Umfang abzugsfähig. Die weiteren mit der Sanierung des Daches angefallenen Kosten stehen nach Meinung der Finanzrichter zumindest teilweise im Zusammenhang mit dem Betrieb der Photovoltaikanlage.

Der Schuppen, auf dessen Dach die Anlage errichtet wurde, bleibt zwar weiterhin notwendiges Privatvermögen. Gleichwohl wird das Gebäude zumindest teilweise für betriebliche Zwecke genutzt - die Kosten der Dachsanierung sind deshalb als gemischte Aufwendungen entsprechend den für die Vermietung des Innenraums und des Daches anfallenden fiktiven Vermietungsentgelten aufzuteilen und anteilig als betrieblicher Erhaltungsaufwand sofort abzugsfähig. Insofern liegen Aufwandseinlagen in den betrieblichen Bereich vor. Eine Kostenaufteilung anhand der Nutzflächen lehnten die Richter ab.

Gegen das Urteil hat die Finanzverwaltung mittlerweile Revision eingelegt (Az. X R 32/12). Man darf gespannt sein, wie sich der BFH in dieser überaus praxisrelevanten Fragestellung positionieren wird. Betroffene Steuerzahler sollten ihre Modernisierungskosten konsequent steuerlich geltend machen und ablehnende Steuerbescheide bis zur endgültigen Klärung der Frage per Einspruch offen halten.
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