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Erbrecht

Ein Testament widerrufen - so geht's

Testament
Rechtsanwälte Johann-Heinrich Bremer und Niki Till Lüders, Peine/red
am
05.07.2019

Ein Testament zu haben beruhigt. Doch was, wenn Sie es widerrufen wollen? Rechtsanwälte aus Niedersachsen erklären, wie's geht.

Wo ist der Widerruf gesetzlich geregelt?

Jeder, der ein Testament gemacht oder einen Erbvertrag geschlossen hat, der kann diese Verfügung jederzeit widerrufen. Das gilt jedenfalls dann, falls er nicht durch ein wechselseitiges gemeinsames Testament oder einen Erbvertrag gebunden ist.

Der Widerruf kann Teilaspekte eines früheren (älteren) Testamentes oder auch das gesamte Testament umfassen. Der Urheber ist also nicht dazu verpflichtet, den Widerruf und die Änderung seines letzten Willens zu begründen. Das folgt aus § 2253 BGB.

Diese vier Möglichkeiten haben Sie

Ein Testament kann auf vier verschiedene Arten widerrufen werden:

  1. Vernichten der Urkunde (§ 2255 BGB): Die Urkunde kann zerrissen, verbrannt oder auf andere Art und Weise, also durch eine schlüssige Handlung ihre Wirksamkeit verlieren.
  2. Widerrufstestament (§ 2254 BGB): In diesem Testament kann angeordnet werden, dass ein oder mehrere letztwillige Verfügungen widerrufen werden. Darin muss auch kein neues Testament stehen. Wird kein neues errichtet, dann gilt die gesetzliche Erbfolge.
  3. Rücknahme aus der Verwahrung (§ 2256 BGB): Ist ein Testament als notarielles Testament oder privatschriftliches Testament bei Gericht hinterlegt worden, so führt die Rücknahme des Testamentes aus der Verwahrung zum Widerruf.
  4. Neues Testament (§ 2258): Errichtet jemand eine aktuelle, jüngere letztwillige Verfügung und existiert daneben noch ein älteres Testament, dann ist das jüngere Testament maßgebend und das ältere gilt als widerrufen, soweit das jüngere Testament einen anderen Inhalt hat als das ältere.

Neues Testament? Dann aber eindeutig!

Um Streitigkeiten zu vermeiden, empfiehlt es sich, in einem neuen Testament nicht nur bestimmte Inhalte eines älteren Testaments zu widerrufen, sondern sämtliche in der Vergangenheit errichtete letztwillige Verfügungen.

Sonst kann es später Probleme bei der Auslegung geben und die Frage bleiben, ob der Verfasser des Testaments alle bisherigen Verfügungen vollständig widerrufen wollte oder nur einen Teil davon. Wird das „vorletzte“ Testament im letzten Testament widerrufen, können noch ältere letztwillige Verfügungen auch wieder aufleben.

Bloß keine Verwirrung stiften

Aus diesem Grunde empfiehlt sich also, in einem Vorspann des Testamentes klar und unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen, ob alle letztwilligen Verfügungen vollständig widerrufen werden sollen oder nicht. Kommt ein teilweiser Widerruf in Betracht, ist es meist sinnvoll, ältere letztwillige Verfügungen gänzlich zu widerrufen und in einem aktuellen Testament den letzten Willen in einer Urkunde - quasi aus einem Guss - neu zu verfassen.

Auf diese Weise lassen sich unschöne gerichtliche Auseinandersetzungen nach dem Tod des Erblassers vermeiden.

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