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Geld & Recht

Tragende Rolle für das Finanzamt

von , am
23.04.2013

Wer beruflich umziehen muss, kann mit der Steuererklärung ein paar Hundert Euro sparen, die für den Tapetenwechsel zu investieren waren. Michael Degethof gibt wichtige Tipps.

Verheiratete Steuerzahler können für einen Umzug in 2012 insgesamt 1.314 Euro pauschal abrechnen. © imago/Peter Widmann

Wer aus beruflichen Gründen seinen Wohnsitz wechselt, stellt dem Finanzamt die selbst getragenen Umzugskosten als Werbungskosten in Rechnung. Einen beruflichen Anlass akzeptieren die Finanzbeamten, wenn der Wohnort wegen eines neuen Arbeitgebers oder einer Versetzung gewechselt wird. Keine Probleme haben auch Neueinsteiger, die in einem anderen Ort ins Berufsleben starten. Auch wer seinen alten Job behält, kann das Finanzamt zur Kasse bitten, sofern sich die tägliche Fahrzeit um mehr als eine Stunde vermindert. Bei Ehegatten genügt es, wenn einer so viel Zeit spart.

Von Gardine bis Elektro

Steht die berufliche Veranlassung fest, beteiligt sich das Finanzamt an den Kosten der Wohnungssuche (Inserate, Telefonate, Besichtigungen), Maklergebühren und Spediteurkosten. Eigene Fahrtkosten können mit 0,30 Euro je Kilometer geltend gemacht werden. Sonstige Umzugskosten wie die Anschaffung neuer Gardinen und Vorhänge, Anschlusskosten für Elektrogeräte oder Gebühren für die Umschreibung des Führerscheins sind zusätzlich abzugsfähig. Freunde, die geholfen haben, können mit einem Trinkgeld bis zu 256 Euro entlohnt werden, ohne dass sie für die Gefälligkeit vom Finanzamt zur Kasse gebeten werden. Die Empfänger können daher bis zu diesem Betrag gefahrlos eine Quittung als Kostenbeleg unterschreiben.

Berufstätige, die vorübergehend doppelt Miete zahlen müssen, profitieren von einem neuen Urteil des Bundesfinanzhofs vom 13. Juli 2011 (Az. VI R 2/11). Während der Umzugsphase muss das Finanzamt doppelte Mietzahlungen anerkennen - bis zum tatsächlichen Umzug ist die Miete der neuen Wohnung steuerlich abzugsfähig, danach die Miete der alten Familienwohnung bis zum Ablauf der Kündigungsfrist.

Pauschalen absetzen

Papiermuffel kommen auch ohne Papierkrieg an ihr Geld. Neben den Speditionskosten und den eigenen Fahrtkosten am Umzugstag gewährt das Finanzamt ohne weitere Belege bestimmte Pauschalen. Verheiratete Steuerzahler können bei Beendigung des Umzugs ab 1. Januar 2012 insgesamt 1.314 Euro (2011: 1.279 Euro) in der Steuererklärung pauschal abrechnen, ledige Arbeitnehmer immerhin noch 657 Euro (2011: 640 Euro). Für mitziehende Kinder und andere nahe Verwandte erhöhen sich die Pauschalen um je 289 Euro (2011: 282 Euro). Damit der Nachwuchs nach dem Ortswechsel in der Schule nicht den Anschluss verliert, sponsert der Fiskus sogar den Nachhilfeunterricht bis zu einem Höchstbetrag von 1.657 Euro (2011: 1.617 Euro) je Kind.

Auch an privaten Umzugskosten beteiligt sich der Staat mit bis zu 1.200 Euro Steuerermäßigung. Wer eine Spedition mit dem Transport seiner privaten Habe beauftragt, reicht die Rechnung bei der nächsten Steuererklärung ein. Der Fiskus wertet die Dienste von Spediteuren als "haushaltsnahe Dienstleistung" und beteiligt sich bis zu einem Rechnungsbetrag von 6.000 Euro mit einem Steuerrabatt von maximal 20 Prozent. Allerdings muss die Rechnung überwiesen werden - bei Barzahlung geht der Steuerbonus verloren.
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