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Geld & Recht

Transparenz öffnet die Türen zur Bank

von , am
20.05.2014

Steht eine Investition an, ist eine Umschuldung geplant oder muss ein Liquiditätsengpass behoben werden - immer ist guter Rat gefragt. Wir waren mit einer Agrarfinanzberaterin auf zwei Betrieben. Hier unsere Tipps.

Agrarfinanzberaterin Heike Oltmann (Mitte) mit An-dre Haske und seiner Verlobten Heike Dedolf vor der Hackschnitzelheizung. © Ahlers

Technischer Fortschritt im Bereich der Tierhaltung und -fütterung sowie steigende Baukosten, nicht zuletzt durch verschärfte Umwelt-, Hygiene- und Tierschutzrichtlinien, haben die Fixkosten einer Investition ständig weiter ansteigen lassen. Um die Kosten je Produktionseinheit gering zu halten, wird häufig die gesamte Produktionskapazität ausgeweitet, die in der Regel mit Fremdkapital finanziert werden muss.

Durch die stark schwankenden Weltmarktpreise werden die Liquiditätsplanung und damit eine kurzfristige Überbrückung von Liquiditätsengpässen immer wichtiger.

Welche Art der Finanzierung für einen Landwirt optimal ist, muss im Einzelfall entschieden werden. Zunächst müssen die Ziele der Finanzierung abgesteckt werden: Konditionen, Flexibilität, Laufzeit und Sicherheit.
Dann kann es zur Bank oder Sparkasse gehen, zum Berater/zur Beraterin des Vertrauens. Auf der anderen Seite des runden Tisches sitzt dort beispielsweise in Neerstedt, Landkreis Oldenburg, Heike Oltmann. Die 42-jährige Agrarfinanzberaterin betreut rund 80 Betriebe in allen Größenordnungen und mit unterschiedlichen Betriebsschwerpunkten.

Dabei geht es nicht nur um Investitionskredite, sondern auch um Maßnahmen zur Konsolidierung oder zur Überwindung von Liquiditätsengpässen. Für die Kriterien zur Bewilligung von Fremdkapital gibt es bei ihr ganz klar eine einheitliche Linie: der Kapitaldienst muss tragbar sein.

Für die Kreditentscheidung ist die Überprüfung der Kapitaldienstfähigkeit durch Vorlage der aktuellen Buchabschlüsse/Geldrückberichte und evtl. Betriebszweigauswertungen (BZA) wichtig.

Zudem sollten die auf dem Betrieb wirtschaftenden Personen (Inhaber und Ehepartner sowie evtl. Nachfolger) mit in die Kreditgespräche einbezogen werden, damit das Gespür für das Machbare auf den Betrieben entsteht.

Die Förderung nutzen


Zu ihren langjährigen Kunden gehört Andre Haske. Er bewirtschaftet mit seiner Familie einen Milchviehbetrieb mit 100 ha LN,  60 Milchkühen und der weiblichen Nachzucht sowie 25 Mastbullen. Für ihn wichtig ist eine Beratung mit festem Ansprechpartner vor Ort.

Heike Oltmann hat ihn beraten, wie er Fördermittel mit Tilgungszuschuss für die Investition einer Hackschnitzelheizung mit Wärmenetz erhalten konnte; damit wurde die finanzielle Gesamtbelastung des Projektes gesenkt. "Meine Bankerin hat mir Wege aufgezeigt, die vorhandenen Fördermöglichkeiten  auszuschöpfen", beschreibt Haske die Kompetenz seiner Beraterin, deren Kreditinstitut schon Jahre zuvor bei den Projekten Maschinenhalle und Rinderstall mit ihrem Finanzierungsangebot zum Zuge kam.

Sachverstand ist gefragt


Die offene Kommunikation zu seiner Agrarberaterin schätzt auch Ralf Oltmann, der einen 180 ha großen Ackerbaubetrieb mit Geflügel- und Schweinemast betreibt. Auf dem Hof arbeiten zwei Generationen mit drei Angestellten und einem Auszubildenden. "Die Bank ist für mich ein normaler Handelspartner, wo wir Betriebsmittel beziehen. Es ist ein Miteinander ohne Berührungsängste", so der Landwirt.
 
"Dabei werden die Zahlen offen kommuniziert. Ich leite beispielsweise die Auswertungen der Mastergebnisse sofort an meine Bank weiter, auch wenn der Durchgang mal nicht so gut gelaufen ist", berichtet Ralf Oltmann über das gute Vertrauensverhältnis, "schließlich muss der Geldgeber auch die Kredite überwachen".

Er weiß, dass nicht alle Betriebe ihren Jahresabschluss offenlegen möchten, hat aber selbst die Erfahrung gemacht, dass Transparenz die Türen öffnet. Und bei auftretenden Problemen wird gemeinsam eine Lösung gesucht und gefunden. Mindestens einmal jährlich setzt man sich ohnehin zusammen. Zu seiner Kundenberaterin pflegt er den „kurzen Dienstweg“, häufig nur über das Telefon. Ihm ist es wichtig, dass es auch zwischenmenschlich passt und sein Gegenüber sich nicht nur mit Zahlen auskennt, sondern auch landwirtschaftlichen Sachverstand hat.

Bei seinen Finanzierungen ist es ihm wichtig, vor dem Abschluss mehrere Finanzierungsformen zu berechnen und zu besprechen und die Laufzeiten auf das Projekt abzustimmen. Ein Großteil der Finanzierungen im landwirtschaftlichen Bereich erfolgt aus Mitteln der Rentenbank, die über die Hausbank beantragt werden. Es muss abgewägt werden, ob der geförderte und dadurch günstigere Zinssatz die passende Finanzierungsform ist, da Zins- und Tilgungstermine fix sind und Sondertilgungen nicht möglich sind. Manchmal ist eine Finanzierung über ein Hausbankdarlehen sinnvoller. Wichtig ist immer: Liquidität geht vor Rentabilität.
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