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Agrarpolitik

Grüne Pläne sollen Milchmarkt retten

von , am
17.06.2015

Der Milchpreis ist im Keller. Das ist unbestritten. Agrarminister Christian Meyer (Grüne) erläuterte am Dienstag vor der Presse Kriseninstrumente, die existenzbedrohten Bauern helfen sollen.

Auf dem Podium in Westerstede diskutierten (von links) Romuald Schaber, Jan Heusmann, Christian Meyer, Dr. Sascha Weber und Ottmar Ilchmann über den Milchmarkt. © Ahlers

Minister Meyer war um markige Worte nicht verlegen: "Wir werden dem Höfesterben nicht tatenlos zusehen." Deshalb begrüße er ausdrücklich, dass der BDM als "einziger Verband" ein Konzept vorgelegt habe, um die Liquidität zu sichern. Die Strategie mit dem sperrigen Namen "Marktverantwortungsprogramm" zielt auf einen freiwilligen Produktionsverzicht gegen eine Ausfallentschädigung ab. Das Programm wird übrigens auch von den übrigens grünen Agrarministern im Bund propagiert, die sich mit einer gemeinsamen Erklärung zum Milchmarkt an die Bundesregierung wandten.

"Werkzeugkasten" vorgeschlagen

Was dahinter steckt, durfte BDM-Vorsitzender Romuald Schaber in Hannover selbst erläutern. Er schlug eine "Art Werkzeugkasten" vor, der sowohl aus den bisherigen Instrumenten private Lagerhaltung und staatlicher Intervention bestehen solle, "aber zugleich erweitert wird, um ein Frühwarnsystem für den globalen Milchmarkt sowie die Möglichkeit, in Marktkrisenzeiten die EU-Milchanlieferung zumindest zeitlich befristet zu deckeln". Auf seinem Betrieb mit 45 Kühen fehlen Schaber nach eigenen Angaben monatlich 2.000 Euro.

Kühe wollen Weide sehen

Als weiteren Ausweg propagierte Minister Meyer die Entwicklung eines Weidemilchprogrammmes. Zur Untermauerung der These, dass Verbraucher "Kühe auf der Weide sehen wollen", holte er sich die Hilfe des Wissenschaftlers Prof. Dr. Achim Spiller von der Uni Göttingen. Der hatte nachgewiesen, dass es eine Nachfrage für Weidemilch gibt und die Verbraucher dafür mehr bezahlen wollen, wenn die Qualität durch einheitliche Standards nachgewiesen wird. Warum der Handel bisher noch nicht auf dieses vermeintlich profitable Segment angesprungen ist, blieb offen.
 
Unklar ist auch, wie Meyer Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) und die EU von seinen "Rettungsplänen" überzeugen will, damit die Hilfe möglichst schnell bei den Bauern ankommt. Bei allen guten Vorsätzen aus Niedersachsen musste Meyer einräumen, „man sei in Gesprächen." Konkrete Ergebnisse wurden nicht präsentiert. Langwierige politische Entscheidungswege stehen nämlich an, um die Finanzierung zu sichern.
 

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