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Kommentar

Insekten als Lebensmittel: Gruselig oder zukunftsträchtig?

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Katja Schukies, LAND & Forst
am
26.04.2018

Die krosse Heuschrecke für den kleinen Hunger muss es ja nicht sein. Aber für Mehlwürmer im Tierfutter gibt es gute Gründe.

Katja Schukies

Heuschrecken als crunchiger Snack? Maden als saftiger Burger? Was hierzulande manchen ekelt, ist in vielen Ländern der Welt geschätzte Protein- und Vitaminquelle. Doch auch in Europa haben Insekten als Lebensmittel mittlerweile einen Fühler in der Tür. Denn seit dem 1. Januar regelt die Novel-Food-Verordnung der EU, wie essbare Insekten auf unsere Teller kommen können.

Damit war die EU-Kommission allerdings langsamer als der Markt. Denn schon seit 2015 kann man Proteinriegel, Nudeln oder Brot aus Insekten in den Niederlanden oder Belgien im Supermarkt kaufen. Noch ist der Markt klein, auch wenn er auf ein riesiges Interesse stößt, wie man am Andrang auf der Lebensmittelmesse Anuga in Köln oder bei der Grünen Woche in Berlin feststellen konnte.

Insekten in Futtermitteln

Noch langsamer mahlen die Mühlen der Bürokratie, wenn es um die Zulassung von Insekten als Proteinquelle in Futtermitteln für Nutztiere geht. Denn Insekten, die zu diesem Zweck gezüchtet werden, gelten selbst als Nutztiere. Und die dürfen nicht mit Speiseresten gefüttert werden. Auch darf kein tierisches Protein ins Tierfutter. Lehren aus der BSE-Zeit. Das ist einerseits verständlich, andererseits aber irritierend – gehören Insekten nicht zum natürlichen Nahrungsspektrum vieler Nutztiere?

Neue Einkommensquelle für Landwirte?

Vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung, einer immer kleineren landwirtschaftlichen Nutzfläche, der Überfischung der Weltmeere und nicht zuletzt des Klimawandels geht jedoch an einem kein Weg vorbei: der Suche nach alternativen Proteinquellen. Gerade als Eiweißzutat bei der Fütterung von Nutztieren dürften Insekten ein große Zukunft haben.
Kann sich daraus vielleicht auch eine zusätzliche Einkommensquelle für Landwirte entwickeln? Denkbar wäre die Zucht von Insekten in leerstehenden Stallgebäuden, vielleicht unterstützt durch die Abwärme aus der Biogasanlage. Ob es machbar ist und sich rechnet, wird sich zeigen.

Die meisten Verbraucher sind skeptisch

Ob die Verbraucher mitziehen, ist eine ganz andere Frage. Denn aus Lust am Gaumenkitzel mal eine krosse Heuschrecke zu probieren, ist etwas anderes, als komplett auf Lieblingsspeisen mit Huhn, Schwein oder Rind zu verzichten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat dazu bereits 2016 eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Demnach ist die Mehrheit aller Deutschen bei Insekten als Lebensmittel zumindest skeptisch. Etwa 30 Prozent würden sie immerhin probieren, rund 60 Prozent lehnen aus Ekel dankend ab. In welchem Ausmaß also Insekten auf den Tellern landen werden, ist offen.

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