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Lebensmittelverschwendung

„Gurkenverordnung“ wirkt noch nach

Astrid Fließbach
am
04.10.2018

Zwar wurde die sogenannte „Gurkenverordnung“ 2009 wieder abgeschafft, doch kaufen Konsumenten auch heute zu häufig noch Obst oder Gemüse nach ästhetischen Gesichtspunkten.

Aussortiert wegen Schönheitsmängeln

Um die Vorliebe der Verbraucher zu bedienen, haben Supermärkte hohe Ansprüche an die äußerliche Beschaffenheit von Lebensmitteln.

Dies führt dazu, dass bereits bei der Ernte viel aussortiert wird. Alles was nicht als „normal“ oder „schön“ deklariert wird, wandert in den Müll. Das  führt zu steigenden Preisen für die Konsumenten und ist eine Verschwendung von Ressourcen. Zu hohe Normen und Standards sowie Qualitätssicherungsmaßnahmen herrschen auch beim Import von landwirtschaftlichen Produkten. 

Laut EU-Kommission haben die Lebensmittelverluste und -abfälle unter anderem folgende Gründe:

  • Unangemessene Lagerung und Transport innerhalb der ganzen Wertschöpfungskette.
  • Überproduktion oder geringe Nachfrage für bestimmte Produkte zu bestimmten Jahreszeiten.
  • Lagerwirtschaftsprobleme bei Produzenten und Händlern, hohe Qualitätsstandards.
  • Verpackungsmängel.
  • Geringe Planung beim Einkaufen und Kochen.
  • Angebote im Lebensmittelhandel wie „Kauf eins und das Zweite ist umsonst“ oder “XXL Packungen “.
  • Missverständnis über die Bedeutung „Mindesthaltbarkeitsdatum“ und „Verfallsdatum“.
  • Genormte bzw. zu große Portionsgrößen in Restaurants und Kantinen.
  • Schwierigkeiten, die Anzahl an Gästen/Konsumenten vorherzusehen.
Bioabfall

Die Umweltorganisation WWF hat 2015 ermittelt, in welchen Teilen der Produktionskette in Deutschland wie viele Lebensmittel verloren gehen:  Danach bleiben 61 Prozent der Verluste im Wertschöpfungsprozess von den Produzenten bis zu den Großverbrauchern „auf der Strecke“. Die errechneten Mengen sind:

  • fünf Prozent Ernteverluste,
  • neun Prozent Verluste bei der Nachernte,
  • 14 Prozent Prozessverluste in der Weiterverarbeitung,
  • 14 Prozent Verteilungsverluste im Groß- und Einzelhandel,
  • 19 Prozent bei Großverbrauchern wie Gastronomie, Betriebsküchen,
  • 39 Prozent der Lebensmittelverluste gehen auf das Konto der Privathaushalte.

Umwelt-Experten des WWF fordern ein verbessertes Management entlang der gesamten Wertschöpfungskette, nachhaltigere Marketingstrategien und vor allem veränderte Konsumgewohnheiten.

Mehr zum Thema Lebensmittelverschwendung lesen Sie in der aktuellen LAND & Forst 40/2018

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