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Grünroggen

Hoher Futterwert oder hoher Ertrag?

Ernte von GPS Roggen
am Freitag, 26.07.2019 - 10:02

Roggen wurde vermehrt mit dem Ziel einer frühzeitigen Grünfutterente angebaut. Welchen Futterwert hat Grünroggen?

Im Rahmen einer Sortenprüfung in Obershagen (LK Hannover) wurden in 2019 sieben Grünroggensorten auf ihre Inhaltsstoffe zu einem frühen Erntetermin (Fahnenblatt voll entwickelt) und zum üblichen Erntetermin (Beginn Ährenschieben) untersucht.

Zwei Aspekte gilt es bei sehr früher Grünroggenernte zu bedenken:

1. Vor dem Ährenschieben zeichnet sich das Futter einerseits durch viel Energie und hohe Nährstoffgehalte aus, andererseits sind die Trockenmassegehalte noch gering. Das erschwert die Silierung und trägt zur Sickersaftbildung bei. Das Anwelken ist für den Grünroggen im Allgemeinen nicht üblich und erbringt im April auch nur bei besten Witterungsbedingungen den gewünschten Welkeffekt oberhalb von 28 % Trockenmasse.

2. Eine frühe Räumung der Zwischenfrucht kann für die Nachfolgefrucht wiederum von Vorteil sein.

Die Ergebnisse

  • Bereits im EC-Stadium 39 (Fahnenblatt voll entwickelt) hatten die Sorten eine Wuchshöhe von durchschnittlich 77 cm bei einer Streubreite von 60 bis 85 cm erreicht. Es handelte sich daher um gut entwickelte und massereiche Bestände.
  • In diesem Entwicklungsstadium lag die Energiekonzentration bei 6,8 MJ NEL/kg TM.
  • Mit Rohfasergehalten von 25 % wies das Futter schon eine beachtliche Struktur auf, die sich zu 51 % aus der gut verdaulichen Hemicellulose zusammensetzte.
  • Die ausgewiesene und überdurchschnittliche hohe Verdaulichkeit von 59 ml/200 mg TM erklärt sich aber nicht nur vor diesem Hintergrund, sondern auch aufgrund des hohen Rohproteingehaltes von 16 % und des Zuckergehaltes von 18 %.
  • Mit einem nutzbaren Rohproteingehalt von 148 g/kg TM wurde in dem sehr frühen Erntestadium ein qualitativ hochwertiges Futter produziert.
  • Der optimale Schnittzeitpunkt für Gräser und Grüngetreide wird normalerweise zu Beginn des Ährenschiebens empfohlen. Das ging nach unseren einjährigen Untersuchungen sehr zu Lasten des Futterwertes und einem deutlichen Rückgang an Rohprotein (12 % i.d.TM) und Energie (5,8 MJ NEL/kg TM).
  • Die Energiekonzentration fiel gegenüber dem frühen Erntezeitpunkt um 1,1 MJ NEL/kg TM ab und erreichte in keiner der sieben untersuchten Sorten einen Wert oberhalb von 5,5 MJ NEL/kg TM. Sowohl der Lignifizierungsgrad hatten zugenommen als auch der Rohfasergehalt, welcher bereits ein Niveau von 29 % i.d.TM erreicht hatte.

Es bleibt festzuhalten

  • der Futterwert des Grünroggens wird stark vom Entwicklungsstadium beeinflusst wird.
  • Liegt der Fokus auf Futterqualität muss früh und zwar noch vor Beginn des Ährenschiebens geerntet und auf das Erreichen des Maximalertrages verzichtet werden.
  • Die Mahd zu Beginn des Ährenschiebens bedeutet im Umkehrschluss einen Verzicht auf Futterqualität zu Gunsten des Ertrages. Beide Optionen sind abzuwägen und letztendlich einzelbetriebliche Entscheidungen.

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