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Bundessozialgericht

Jagdunfall: Stöberhundeführer hat Anspruch auf Entschädigung

Jagdhunde-Drückjadg
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Cornelia Krieg, LAND & Forst
am
08.02.2019

Der Unfall eines Stöberhundeführer, der während einer Jagd überwiegend als abhängig Beschäftigter tätig geworden ist, zählt als Arbeitunfall. Das Bundessozialgericht entschied: Dem Betroffenen steht ein Anspruch auf Entschädigung durch die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft zu.

Ein Stöberhundeführer und die Bayerische Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft (LBG) haben sich wegen eines Jagdunfalls durch alle Gerichtsinstanzen gestritten. Am Ende musste das Bundessozialgericht in Kassel über diesen Fall entscheiden.

Jagdunfall des Hundeführers

Der Kläger, ein selbstständiger Versicherungskaufmann, züchtet und bildet nebenberuflich Jagdhunde aus. Mit seinen Hunden ist er zirka zehnmal im Jahr in verschiedenen Jagdrevieren als Treiber tätig und nutzt diese Einsätze, um im Internet für seine Hundeausbildung zu werben.

Am Unfalltag half er mit Treibdiensten bei einer Schwarzwilddrückjagd im Jagdrevier der fürstlichen Forstverwaltung. Diese hatte ihnangefordert und beauftragt, in einem zugewiesenen Areal mit zwei Stöberhunden eigenständig Schwarzwild aufzustöbern, herauszujagen und vor die Schützen zu bringen.

Um kurzfristige Anweisungen entgegenzunehmen, hatte er ein Funkgerät dabei. Gegenüber der Jagdleitung war er weisungsgebunden. Dafür erhielt er von der Forstverwaltung eine  Aufwandsentschädigung. Als er während der Jagd seinen Hunden nacheilte, stolperte er, prallte mit dem Gesicht gegen einen Baum und verletzte sich dabei erheblich.

Jäger zog vor Gericht

Die Bayerische Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft (LBG) lehnte es ab, diesen Unfall als Arbeitsunfall zu werten und zu entschädigen. Sie meint, der Kläger sei als selbstständiger Hundezüchter im Interesse seines Unternehmens tätig geworden. Dazu habe eigene Arbeitsmittel – die Hunde – mit Verlustrisiko eingesetzt und sei deshalb ein eigenes Unternehmerrisiko eingegangen.

Der Hundeführer klagte schließlich gegen den ablehnenden Bescheid der LBG und gewann in zweiter Instanz vor dem Landessozialgericht.

Anspruch auf Entschädigung

Das Bundessozialgericht hat diese Entscheidung bestätigt.Die LBG muss den Jagdunfall des Klägers als Arbeitsunfall anerkennen und ihn dafür entschädigen. Zu den Gründen:

  • Das Landessozialgericht hat die Tätigkeit des Klägers richtigerweise anhand einer Gesamtschau aller Umstände als abhängige Beschäftigung gewertet.
  • Der Kläger war als Beschäftigter kraft Gesetzes versichert. (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 SGB VII), weil er als Stöberhundeführer vollständig in die Jagdorganisation eingegliedert war und damit eine zeitlich begrenzte unselbständige Arbeit verrichtet hat.

Weitere Details zum Fall lesen Sie in der LAND & Forst-Ausgabe 7/19.

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