Login
Ausbildung

Alles andere ist Käse

von , am
04.06.2014

Milchtechnologen verarbeiten die Milch, die von den Landwirten angeliefert wird. So auch Dorian Klinger. Der 19-Jährige ist im zweiten Lehrjahr. Er lernt in der Molkerei Grafschaft Hoya in Asendorf (Landkreis Diepholz).

Teamarbeit: Azubi Dorian Klinger und sein Chef Heinrich Steinbeck kontrollieren anhand des pH-Werts, ob der Schichtkäse schon bereit zur Weiterverarbeitung ist. © Wolframm

Vorsichtig schiebt Dorian Klinger den Deckel der großen, silbernen Wanne zurück - sie ist bis oben hin mit Magermilch, Sahne und einer Bakterienkultur gefüllt. Wenn der pH-Wert bei 6,35 liegt, wird die Masse zu Schichtkäse weiterverarbeitet. Das ist eine von Dorian Klingers Aufgaben. Er lernt während seiner Ausbildung alle Bereiche der Molkerei kennen. Vom Maschinenraum, wo sämtliche Milch - im Jahr etwa 48 Millionen Kilogramm - ankommt, über die Butterei, die Sahneabfüllung bis hin zur Ausgabe, wo die Produkte für die Kunden gepackt werden.

Aber bitte mit Sahne

"Wer nur Knöpfe drücken möchte, ist hier falsch", sagt Geschäftsführer Heinrich Steinbeck. "Wir stellen Produkte her, die die großen Molkereien nicht mehr machen wollen oder können." Die Molkerei mit 35 Festangestellten und bis zu 30 Teilzeitkräften produziert unter anderem den handgeschöpften Asendorfer Premium
Sahne-Schichtkäse.

Zusammen mit anderen Erzeugnissen wie Vollmilch, Buttermilch, Sahne und Butter werden die Produkte der Frischemarke „Asendorfer“ im Umkreis von etwa 50 Kilometern vertrieben. Darüber hinaus gehen Milchprodukte in den Großhandel. Zudem wird für einen großen Discounter Kräuterbutter hergestellt.

Probearbeiten lohnt sich

Dorian Klinger wusste schon vor Beginn der Ausbildung, worauf er sich einlässt. Der 19-Jährige hat hier ein dreiwöchiges Schulpraktikum gemacht und anschließend als Aushilfskraft gearbeitet. Vor der Ausbildung ein Praktikum zu machen, würde er jedem Interessenten empfehlen. "Man sieht schnell, ob das was wird", sagt er. Dem stimmt sein Chef Heinrich Steinbeck zu - wer in Asendorf eine Ausbildung machen möchte, sollte sich vorher als Praktikant oder beim Probearbeiten einen Eindruck vom Beruf verschafft haben.

Was Bewerber sonst noch mitbringen müssen? "Ein Realschulabschluss ist gut, sie sollten sich in den naturwissenschaftlichen Fächern Chemie, Biologie und Physik zurechtfinden und mathematisches Verständnis haben", fasst Heinrich Steinbeck zusammen. "Wer lieber draußen arbeiten möchte, sollte auf keinen Fall herkommen", weist Azubi Dorian Klinger auf den Unterschied zu anderen grünen Berufen hin. Zudem ist Flexibilität wichtig: Die Azubis arbeiten in allen Bereichen der Molkerei, und das zum Teil auch im Schichtdienst. "Von April bis August arbeiten wir in drei Schichten", sagt Geschäftsführer Heinrich Steinbeck. In den anderen Monaten ist es ruhiger, dann gibt es mal eine, mal zwei Schichten.

Der Berufsschulunterricht für die Auszubildenden zum Milchtechnologen findet in Blockform an der LUFA Nord-West in Oldenburg statt, hier werden auch die überbetrieblichen Ausbildungslehrgänge abgehalten. Weil es deutschlandweit nur fünf Berufsschulen für Milchtechnologen gibt, kommen die Schüler aus Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen. Insgesamt sind Dorian Klinger und die drei anderen Auszubildenden des Betriebs etwa 13 Wochen im Jahr in Oldenburg.

Deine Perspektiven

Und nach der Ausbildung? Die Übernahmechancen in Asendorf sind gut. Und auch darüber hinaus gibt es für Milchtechnologen einige Möglichkeiten: Sie können sich zum Molkereimeister oder Techniker für die Milchwirtschaft fortbilden oder auch ein Studium, beispielsweise Lebensmitteltechnologie, anstreben. Dorian Klinger ist mit seiner Wahl zufrieden. "Die Ausbildung macht Spaß, die Kollegen sind vernünftig", sagt er. Und das sei auch das wichtigste bei der Wahl des zukünftigen Berufes: "Wer eine Ausbildung zum Milchtechnologen macht, sollte auf jeden Fall Spaß an dieser Arbeit haben."

Auf der Internetseite der LWK Niedersachsen findet Ihr weitere Infos zur Ausbildung. Euer Ansprechpartner: Dr. Stefan Kroll vom Milchwirtschaftlichen Bildungszentrum, Tel. 0441-97352-0, E-Mail: stefan.kroll@lufa-nord-west.de  
Auch interessant